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Stadt Kempen
SWK 836 für die Jugend

Stadt Kempen: SWK 836 für die Jugend
Jugendliche aus Kempen besichtigten dieser Tage die ausrangierte Straßenbahn im Betriebswerk der Stadtwerke Krefeld. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Kempen. Der rollende Jugendtreff für Kempen nimmt demnächst Gestalt an. Im Bahnbetriebswerk der Stadtwerke Krefeld soll das Äußere der ausrangierten Straßenbahn von Sprayern neu gestaltet werden. Danach geht es ans Innenleben. Von Willi Schöfer

"Wir müssen auf jeden Fall die Fenster noch abdunkeln, damit da keiner reingucken kann und dann würden dekorative Prilblumen aus den 1970-er Jahren drinnen an den Fenstern bestimmt gut aussehen", sagt Darina Leuchtenberg, die erst seit wenigen Wochen im Kempen der Jugendtreff "Campus" am Spülwall als Pädagogin arbeitet. Derweil haben schon mal die miteinander befreundeten Sara Schrievers (18) und Jens Voßdahls (20) in der Straßenbahn Platz genommen. Sie warten darauf, dass es losgeht. Denn bald soll auf dem Gelände des Sportparks an der Berliner Allee in Kempen eine ausrangierte "Elektrische", zu einem Jugendtreff werden.

Wie bereits berichtet, hatten die Stadtwerke Kempen mit ihrem Geschäftsführer Siegfried Ferlings eine ausrangierte Straßenbahn erworben. Zwar kostete die Bahn nur einen symbolischen Schrottpreis, aber dennoch belaufen sich die Gesamtkosten inklusive Transport, Bau eines Gleisbettes an der Berliner Allee oder für den Umbau zu einem Jugendtreff auf rund 30.000 Euro. Daran beteiligen sich Stadtwerke und Stadt zur Hälfte. Es gibt Fördermittel und hoffentlich noch weitere Sponsoren.

Gerade treffen sich 15 Pädagogen und junge Besucher der Freizeitheime in Kempen, Tönisberg und St. Hubert auf dem Betriebshof der SWK in Krefeld. Norbert Nieswand, der dort der Teamleiter "Straßenbahn" ist, hatte sie eingeladen. "Wir wollten mal sehen, wie sie aussieht, in welchem Zustand die Bahn ist und was wir bald zu tun haben"; meint Kempens Stadtjugendpfleger André Fitzner.

Da steht sie nun hinter der Historischen Bahn "Blauer Enzian" und der gelben "Partytram": der etwa 28 Meter lange rot-weiße Triebwagen "SWK 836" mit seinen 54 Sitzplätzen, der von 1981 bis etwa vor einem Jahr auf dem Streckennetz in Krefeld gefahren ist. Der Zustand ist ihrem Alter entsprechend eigentlich einwandfrei. "Wir müssen noch einiges raus montieren, so zum Beispiel den Umformer, die Motoren in den Gestellen oder den Chopper, einen Gleichstromsteller", erläutert Norbert Nieswand. Mit dabei sind unter anderem die Leiter der Jugendtreffs "Mounty" (Tönisberg) und "Calimero" (St. Hubert), Jonas Straeten und David Pannasch, der auch seine Kollegin Branda Falzberger mitgebracht hatte. David Pannasch war zuvor Leiter des Kempener Jugendtreffs "Alte Post" im Hagelkreuz. Auch dort hatte in den vergangenen Wochen eine Befragung von Jugendlichen stattgefunden, was bald in dem mobilen Treff vorhanden sein sollte. Unter anderem wurden neben Heizung und Strom Kicker, Dart, Musikanlage, ein freies W-Lan, gemütliche Sitzecken oder Gesellschaftsspiele genannt. Auch der Vorschlag einer Roller-Werkstatt wurde gemacht. "Von unseren Besucherinnen kam die Anregung, auf jeden Fall einen Mädels-Waggon vorzusehen", sagt Branda Falzberger.

Noch ist die Inneneinrichtung aber nicht das Thema Nummer eins. In den nächsten Wochen geht es erst einmal darum, das Äußere der Bahn künstlerisch zu gestalten. "Wer hat von Euch schon gesprayt?" Auf die Frage schmunzeln einige, geben es aber nicht zu. "Denn bei uns in Kempen gibt es dafür keine offiziellen Stellen, wo dies erlaubt ist", erklärt ein 17-Jähriger sein Zögern.

Das soll bald anders werden. Denn gerade liegt das Ergebnis einer kleinen Ausschreibung vor, wonach wohl bald zwei Graffiti-Profis vom Krefelder "Sprengpunkt" wahrscheinlich im Oktober und November zwei jeweils sechsstündige Workshops bei der SWK anbieten. In der ersten Stufe werden die Grundlagen des Sprayens erläutert, in der zweiten wird dann praktisch am Objekt gearbeitet. "In den Jugendtreffs liegen Anmeldebögen aus, wer sich an den Workshops beteiligen will", sagt Jonas Straeten.

Viele Jugendliche und junge Erwachsene wollen mithelfen, so neben Sara und Jens unter anderem Leonhard Bajinca (15) und Veronika Ernst (16). Und was einige der künftigen Besucher der mobilen Einrichtung vor allem wünschen: dass für die Nutzung des neuen Jugendtreffs klare Regeln aufgestellt werden. Stadtjugendpfleger Fitzner hofft, dass dieser neue Treffpunkt im Spiel- und Sportpark an der Berliner Allee spätestens Ostern 2016 in Betrieb genommen werden kann.

Quelle: RP
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