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Kreis Viersen
Synode: Unverständnis über AfD-Pfarrer

Kreis Viersen: Synode: Unverständnis über AfD-Pfarrer
Superintendent Kamphausen wurde mit 104 von 120 Delegiertenstimmen zum Superintendenten wiedergewählt. Kamp-hausen nannte es in seinem Bericht zur Lage der Kirche "irritierend", dass ein Pfarrer i.R. aus dem Kirchenkreis für die AfD kandidiert. FOTO: Dackweiler
Kreis Viersen. Erwartungsgemäß ist Superintendent Kamphausen bei der Synode des Kirchenkreises Krefeld-Viersen im Amt bestätigt worden. Er kritisierte in seinem Bericht zur Kirche einen seltenen Fall: Ein Pfarrer im Ruhestand kandidiert für die AfD. Von Angelika Kirchholtes, Martin Röse und Jens Voss

Neun Stunden lang tagte die evangelische Kreissynode des Kirchenkreises Krefeld-Viersen am Samstag in der Lanker Kreuzkirche. Dabei ging es einerseits um den Haushalt des Kirchenkreises, andererseits um Wahlen zum Vorstand. Superintendent Burkhard Kamphausen, der seit 2009 amtiert, stellte sich erneut zur Wahl und erhielt 104 von 120 Delegiertenstimmen. "Das zeigt das hohe Vertrauen, dass Kamphausen genießt. Solch ein Ergebnis ist durchaus nicht üblich", sagte sein Vertreter Michael Windhövel, Pfarrer der Krefelder Friedenskirche. In der Rede des Superintendenten ist ein Thema nun kirchenkreisweit in den Fokus gerückt, das bisher eher lokal diskutiert wurde: Kamphausen äußerte Unverständnis über den Lobbericher Pfarrer im Ruhestand, Axel Joachim Bähren (65), der für die AfD in den Landtag einziehen will. Der Superintendent nannte Bähren nicht namentlich und sprach lediglich von einem Pfarrer im Ruhestand.

Der in Nettetal lebende ehemalige Gefängnispfarrer Axel Joachim Bähren kandidiert bei der Landtagswahl am 14. Mai für die AfD. FOTO: Busch

Kamphausen hatte in seinem Bericht aus dem Kirchenkreis die Schwerpunkte der kirchlichen Arbeit aufgezeigt. Besonders am Herzen liegt ihm die Ökumene, und zwar nicht nur die im Verhältnis zu den katholischen Gemeinden, sondern auch der Dialog mit Juden und Muslimen. Offenbar durchwachsen ist das Verhältnis zu Muslimen: Die konkreten Kontakte und Erfahrungen im Gespräch mit Muslimen seien je nach Stadtteil und Region sehr unterschiedlich, mancherorts sehr gut und nachbarschaftlich konstruktiv, manchmal aber auch befremdlich und schwer einzuordnen, erläuterte Kamphausen.

Noch mehr Sorgen bereitet ihm aber die "Ökumene der dritten Art", das Gespräch mit den Indifferenten. Wie lassen sich Gesprächsbrücken bauen und Zugänge finden zu Menschen, die mit Religion nichts am Hut hätten? Diese Unkultur der Diskussion, die heute immer mehr um sich greife, könne man nicht akzeptieren. "Uns ist der Geist des Miteinanders wichtig", unterstrich Kamphausen.

Er lobte die Art und Weise, wie sich die Kirchengemeinden der Flüchtlinge angenommen hätten: "Die Diakonie hat sich den damit verbundenen Aufgaben beeindruckend gestellt." Es sei gut, dass inzwischen in weiten Bereichen realistischer und differenzierter, also mit weniger Euphorie als noch vor einem Jahr, aber auch mit weniger diffusen Angstfantasien agiert werde. Er erinnerte daran, dass gerade die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) eine Flüchtlingskirche sei, die nach dem Zweiten Weltkrieg auch nicht immer mit offenen Armen empfangen worden sei. "Umso irritierender ist es dann, wenn ein in unserem Kirchenkreis wohnender Ruhestandspfarrer sich um ein Landtagsmandat für die AfD bewirbt", sagte Kamphausen. Der Mann, den Kamphausen nicht namentlich erwähnte, ist Axel Joachim Bähren (65), der über sich im RP-Gespräch einmal gesagt hat, er sei "weiß Gott kein Radikaler". Früher habe er SPD oder CDU und Angela Merkel gewählt - heute würde er ihr seine Stimme nicht mehr geben.

Vor zwei Jahren ging Bähren in den Ruhestand, vor einem Jahr trat der dreifache Vater in die Partei Alternative für Deutschland ein. Mehr als 20 Jahre war Bähren Gefängnispfarrer in Geldern. "Als ich 1990 dort anfing, waren da 19 muslimische Menschen aus dem Nahen Osten und Nordafrika. Zuletzt waren es 270."

Er sei nicht gegen Zuwanderung, betonte Bähren, wohl aber gegen einseitige Zuwanderung aus dem islamischen Raum. "Sagen Sie etwas über den Islam, gelten Sie als Rassist. Der Rassismus ist aber im Islam zu Hause", behauptet Bähren. Er wünscht sich Einwanderung aus Vietnam oder China - die Kinder dort seien sehr gehorsam, wollten den Eltern gefallen, hätten schulische Erfolge.

In Deutschland fühle er sich fremd im eigenen Land. "In Dinslaken machen Supermärkte Werbung in türkischer Sprache. Und wir haben längst die Scharia hier, die islamische Gerichtsbarkeit", behauptet er. Rechtsextremistische Ausfälle in der AfD schrecken ihn nicht: "Wir sind eine junge Partei, die sich erst finden muss", sagt er dazu. "Viele unserer Mitglieder kommen von der CDU, die die christdemokratische Politik der 1980er-Jahre vermissen."

Quelle: RP
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