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Stadt Kempen
TBC-Verdacht bei Flüchtlingen noch nicht bestätigt

Stadt Kempen: TBC-Verdacht bei Flüchtlingen noch nicht bestätigt
Zwei Flüchtlinge aus Kempen und einer aus Viersen werden in der Lungenklinik des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) in Viersen derzeit wegen des Tuberkulose-Verdachts auf einer Isolierstation betreut. FOTO: BUSCH
Stadt Kempen. Vier Flüchtlinge - drei aus der Sporthalle des Berufskollegs Kempen, einer aus dem Kaiser's-Hochhaus in Viersen - liegen auf Isolierstationen von Krankenhäusern in Viersen und Mönchengladbach. Die Laboruntersuchungen dauern Wochen. Von Andreas Reiners

Vier Flüchtlinge, die in den vergangenen Tagen nach Kempen und Viersen gebracht worden sind, könnten möglicherweise an Tuberkulose (TBC) erkrankt sein. Drei von ihnen befinden sich seit dem Wochenende auf einer Isolierstation des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) in Viersen und werden dort unter anderem vom Chefarzt der Lungenklinik, Dr. Karsten Woelke, und seinem Ärzteteam engmaschig überwacht. Nach Angaben von Kreispressesprecher Axel Küppers habe der Pneumologe aber gestern Vormittag dem zuständigen Kreisgesundheitsamt noch einmal erklärt, dass sich der TBC-Verdacht voraussichtlich nicht bestätigen werde. Seit gestern liegt ein weiterer Flüchtling aus der Kempener Sporthalle auf einer Isolierstation im Krankenhaus Maria Hilf-Franziskushaus in Mönchenglad bach.

Es wird etwa vier bis sechs Wochen dauern, bis die Ärzte mit Sicherheit sagen können, ob sich der Verdacht bestätigt oder nicht. Denn solange dauert es, bis sämtliche Laboruntersuchungen abgeschlossen und ausgewertet sind. So lange sollen die betroffenen Patienten auf den Isolierstationen in Viersen und Mönchengladbach bleiben.

Die wichtigsten Fakten über Tuberkulose FOTO: Puwadol Jaturawutthichai/ SHutterstock.com

Die drei neben fast 300 anderen in Kempen in der Sporthalle des Berufskollegs untergebrachten Flüchtlinge waren bei Röntgenuntersuchungen im Kempener Krankenhaus aufgefallen. Dort sind sämtliche Asylsuchenden, die in der Notunterkunft Sporthalle untergebracht sind, nach ihrer Ankunft medizinisch untersucht worden - insbesondere diejenigen, die Symptome einer Atemwegserkrankung wie Husten und Schnupfen zeigten. Bei etwa zehn Flüchtlingen wurden die Lungen geröntgt. Bei dreien, so der Kreissprecher gestern, habe sich ein radiologischer Verdacht ergeben. Die ersten beiden Patienten seien vom Kempener Hospital ins AKH Viersen gebracht worden, weil es dort eine medizinische Lungenfachabteilung gibt, die das Kempener Haus nicht hat. Ein dritter kam gestern nach Mönchengladbach.

Der Geschäftsführer des AKH Viersen, Kim-H olger Kreft, bestätigte gestern im Gespräch mit der Rheinischen Post, dass drei Flüchtlinge in seinem Haus - von anderen Patienten abgeschottet - medizinisch betreut werden. Die Laboruntersuchungen, die extern vorgenommen würden, seien sehr aufwendig. Sollte sich der TBC-Verdacht bestätigen, so Kreft, würden die betroffenen Patienten etwa drei bis sechs Monate mit einem hoch dosierten Antibiotikum therapiert.

Eine mögliche Ansteckungsgefahr für andere Flüchtlinge in der Kempener Sporthalle oder die vielen Helfer, die sich um die Asylsuchenden in der Notunterkunft gekümmert haben und immer noch kümmern, habe nicht bestanden, sagte Kreissprecher Küppers der Rheinischen Post. Die Betroffenen seien frühzeitig ins Krankenhaus gebracht worden. Auch eine mögliche Gefahr für Schüler und Lehrer des Berufskollegs oder gar für Anwohner der Schule habe zu keinem Zeitpunkt bestanden, versicherte der Kreissprecher.

Gestern Vormittag tagte der Krisenstab erneut unter der Leitung von Kreiskämmerer und Kreisordnungsdezernent Thomas Heil im Viersener Kreishaus. Es ging vorrangig um organisatorische Dinge. So arbeitet der Kreis Viersen derzeit an einer Lösung, vor allem die ehrenamtlichen Kräfte vom Deutschen Roten Kreuz in der Kempener Notunterkunft zu entlasten. Es laufen Vertragsverhandlungen mit einem Wohlfahrtsverband, um einen möglichst nahtlosen Übergang von der ehrenamtlichen in eine hauptamtliche Betreuung zu erreichen. Der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo), der in der vergangenen Woche schon im Gespräch war, wird das übrigens nicht sein. Die Awo kümmert sich um die mehr als 60 Kinder in der Notunterkunft Sporthalle. Sie bietet Spielmöglichkeiten in ihren Räumen an, die sich an der Kleinbahnstraße in unmittelbarer Nachbarschaft des Berufskollegs befinden.

Quelle: RP