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Stadt Kempen
Therapie, die Patienten viel früher aktiviert

Stadt Kempen. Die Kempener Krankenschwester Frauke Erkens hat sich zusätzlich qualifiziert.

Nach einem Unfall, einem Schlaganfall oder einer Hirnblutung ist im Leben des Betroffenen und seiner Angehörigen fast nichts mehr, wie es einmal war. Die Patienten müssen ganz von vorn beginnen, die einfachsten Dinge neu erlernen - bewegen, sprechen, schlucken oder fühlen. Patienten und Angehörige können sich dann glücklich schätzen, wenn sie sich in einer Frührehabilitationsabteilung befinden, die sich im Krankenhaus professionell um sie kümmert.

Um diesem Anspruch noch besser gerecht zu werden, hat die Abteilung für neurologische Frührehabilitation des Hospitals zum Heiligen Geist ihre personellen Kompetenzen erweitert: Krankenschwester Frauke Erkens absolvierte über 15 Monate eine spezielle Ausbildung zur "Gesundheits- und Krankenpflegerin in der neurologisch-neurochirurgischen Frührehabilitation" in Hamburg. "Jetzt hat die Spezialistin für therapeutisch-aktivierende Pflege eine besondere Zusatzqualifikation erlangt", erklärt Chefarzt Dr. Matthias Kraemer, der sehr stolz auf diesen Zugewinn an praktischem und theoretischem Wissen in seiner Abteilung ist.

Doch was bedeutet das für den Patienten im Einzelnen? "Patienten, die beispielsweise infolge eines schweren Unfalls oder eines Schlaganfalls eine Bewusstseinsschädigung erlitten haben, benötigen eine besonders aktivierende Pflege, damit sie überhaupt wieder zurück ins Leben finden." Das könne man ganz einfach verdeutlichen: Wer als gesunder Mensch einen ganzen Tag lang im Bett verbringe, ohne Anregung von außen, dann stumpfe man schnell ab. "Menschen, die eine Bewusstseinsstörung erlitten haben, benötigen umso mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung", sagt Kraemer.

In Kempen stehen für solche Patienten 30 Betten bereit, mindestens 300 Therapieminuten pro Tag erfährt jeder dieser Patienten. Das ist sehr viel, denn in anderen Bereichen der Frührehabilitation sind es nur 60 Minuten am Tag. Mit dem Zusatzwissen von Schwester Frauke können diese wertvollen Zeiteinheiten nun noch effektiver genutzt werden. "Zur Aktivierung setzen wir verschiedene sensorische Reize wie etwa Musik, Berührung, persönliche Ansprache oder die Technik der aktivierenden Waschung ein. Mit dieser gezielten Verbindung aus Pflege und Therapie finden unsere Patienten leichter und schneller wieder zu sich, so dass sie in eine normale Rehabilitationsabteilung verlegt werden können", sagt Schwester Frauke.

Der Schlüssel zum Verständnis des Patienten durch den Therapeuten geht vor allem über Selbsterfahrung. "Hier funktioniert viel über Empathie. Man muss sich in den Patienten hineinfühlen. Damit das besser funktioniert, vermittelt der Lehrgang viel mittels praktischer Erfahrung. Und da merkt man schnell: Es ist ein großer Unterschied, ob man gefüttert wird, oder selbst den Löffel führt", beschreibt die Pflegetherapeutin.

Das schönste Geschenk ist für Schwester Frauke aber nicht nur die erfolgreich bestandene Abschlussprüfung zur Pflegetherapeutin, sondern die Resonanz seitens ihrer Patienten, mit denen sie tagtäglich arbeitet: "Wenn man eine gute Rückmeldung bekommt, macht die Arbeit gleich doppel so viel Spaß", resümiert sie.

Quelle: RP
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