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Stadt Kempen
Thomas von Kempen zieht noch immer

Stadt Kempen: Thomas von Kempen zieht noch immer
Der Thomas-Tag, der mit einer Messe begonnen hatte, endete mit einer Stadtführung. Matthias Mertens zeigte Plätze, die einen Bezug zu Thomas haben. FOTO: Hüskes, Achim (achu)
Stadt Kempen. Anlässlich des Todestages gedachte die Stadt Kempen gestern ihres größten Sohnes. Im Rokkokosaal gab es gestern einen Vortrag, zu dem mehr als 100 Besucher kamen. Eine Stadtführung schloss sich an. Von Silvia Ruf-Stanley

Thomas von Kempen zieht offensichtlich immer noch mit seinen Schriften viele Menschen an. Mehr als 100 Besucher kamen am gestrigen Sonntag zu einem Vortrag im Rokokosaal anlässlich des jährlichen Thomas-Tages.

Pfarrer Michael Gallach, seit Kurzem neuer Vorsitzender des Thomas-Vereins, war denn auch erstaunt, dass so viele Besucher gekommen waren. Damit hätte der Verein nicht gerechnet, gab er ehrlich zu. Glücklicherweise konnten dank schnell herbei geschaffter Stühle dann doch noch alle Besucher einen Platz finden. Gallach machte schon in seinen Begrüßungsworten neugierig auf den folgenden Vortrag. Thomas von Kempen, ein geistlicher, der Welt entfremdeter Mensch, sollte auf Satire im Barock treffen.

Dieses ungewöhnlichen Zusammentreffens hatte sich Professor Dr. Nikolaus Staubach vom Institut für Frühmittelalterforschung der Universität Münster angenommen. Mehrfach gibt es Themen aus der Nachfolge Christi, die in der Literatur aufgenommen wurden, so Staubach. Zum Beispiel finden sich bei Balzac Hinweise darauf. Staubach war in der Literaturgeschichte noch weiter zurückgegangen. zum barocken Schriftsteller Johann Beer (1655-1700). Der der hat in seinem Doppelroman "Die teutschen Winternächten" und "Die kurtzweiligen Sommertage" im Buch über die Sommertage immer wieder Zeilen aus der Nachfolge Christi einfließen lassen.

Auch an der Stadtführung nahmen viele Gäste teil. FOTO: Achim Hüskes

Das Buch ist ein klassischer Schelmenroman mit allem, was damals den Leser vergnügen konnte. Von Liebe über Lebensgenuss und Schabernack bis hin zu Schauergeschichten. Hindurch ziehen sich dann wie ein roter Faden die Zitate von Thomas von Kempen. Dieser wird auch mehrfach erwähnt bei Beer. So mit dem 20. Kapitel über die wahre Einsamkeit oder mit dem 22. Kapitel über die Betrachtung des menschlichen Elends. Beer erweist sich als Kenner der Lehren von Thomas, so Staubach. Als Protestant in einer katholischen Umgebung aufgewachsen kannte Beer beide Lebensanschauungen.

Zurück zum Roman: Kurz fasste Staubach die Kerngeschichte zusammen. Eine fröhliche Gruppe von Landadeligen entschließt sich, quasi als Spiel für einige Zeit dem weltlichen Leben zu entsagen und in die Einsiedelei zu gehen. Bis auf einen gehen alle in die Einsamkeit der Natur, tauschen ihre schöne Kleidung mit Mönchskutten. Einer bleibt in seinem Schloss und sucht seine Einsamkeit in einem Burgturm. Die Zeit wird ihm vertrieben durch Bücher, die er leihweise aus einem nahen Kloster bekommt. Darunter ist dann auch die Nachfolge Christi, die er zum besseren Verständnis aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt. Am Ende des Spiels steht für alle die Rückkehr in die Welt. Und die Einsicht - ganz im Sinne von Thomas -, dass innere Einkehr nichts mit Äußerlichkeiten zu tun hat. Eine Änderung des Lebens, verbunden mit Selbstkritik ist die Moral der Geschichte.

Eine Geschichte, die Staubach offensichtlich nicht nur genau studiert hat, sondern wohl auch sehr genossen hat. Er legte Wert auf die Betonung, dass hier Satire genutzt wird, moralische Grundsätze zu verbreiten. Und dies in leicht nachvollziehbarer Weise. Allerdings enthielt Staubachs interessanter Vortrag zum Schluss hin leider sehr viele lateinische Zitate. Was es schwierig machte, ihm immer zu folgen. Schade, dass er sich nicht mehr auf sein größtenteils aus Laien bestehendes Publikum einstellen konnte.

Der Thomas-Tag, der bereits mit einer Messe im Gedenken an Thomas begonnen hatte, endete mit einer Stadtführung. Matthias Mertens zeigte Plätze in der Stadt, die einen Bezug zu Thomas haben.

Quelle: RP
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