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Stadt Kempen
Tönisberg: Baugebiet fällt kleiner aus

Stadt Kempen: Tönisberg: Baugebiet fällt kleiner aus
Weniger Baugrundstücke, keine Anbindung an den Feldweg, westlich des Feldweges gar keine Bebauung, dafür Erhalt des Waldstücks (oben auf der Skizze) - mit diesem Planentwurf ging die Stadtverwaltung gestern Abend in die Sitzung des Planungsausschusses. FOTO: Stadt Kempen
Stadt Kempen. Die Bauverwaltung hat gestern Abend im Kempener Planungsausschuss eine geänderte Planung für das Baugebiet Bergstraße/Feldweg vorgestellt. Das ursprüngliche Konzept wird abgespeckt. Kritik kam dazu von der CDU. Von Andreas Reiners

Während sich die künftige Bauleitplanung der Stadt Kempen in der öffentlichen Wahrnehmung zuletzt sehr stark auf ein neues Stadtquartier im Kempener Westen fokussiert hatte, blieb das städtische Planungsamt aber auch in anderen Stadtteilen nicht untätig. Gleich für zwei Planungsprojekte wurden gestern Abend in der öffentlichen Sitzung des zuständigen Ausschusses für Umwelt, Planung und Klimaschutz aktuelle Sachstandsberichte der Bauverwaltung abgeliefert. Eins davon ist die geplante Erweiterung des Baugebiets im Bereich Bergstraße/Feldweg in Tönisberg. Die Stadt will dort am Ortsrand weitere Grundstücke für eine Wohnbebauung ausweisen. Hier könnten bestehende Baulücken geschlossen werden und mit Blick auf eine Ausweitung des Ortskerns weitere Flächen, die derzeit landwirtschaftlich genutzt werden, in Bauland umgewandelt werden.

Als die Planung vor einem Jahr erstmals präsentiert wurde, war die Euphorie im Bergdorf durchaus groß. Vor allem der CDU-Ortsausschuss machte sich für das Vorhaben stark. Die Christdemokraten freuten sich darüber, dass mit der Erweiterung der Wohnbebauung und dem erwarteten Zuzug von Neubürgern die bestehende Infrastruktur im Ort (Grundschule, Kindergärten oder Netto-Markt) erhalten werden könne. Bei einer Bürgerinformation im November 2016 wurde die vorläufige Planung dann den Anwohnern und anderen Interessierten im Bergdorf vorgestellt.

Nach weiteren planerischen Untersuchungen in den vergangenen Monaten kommt die Stadtplanung nun zu dem Ergebnis, dass das geplante Baugebiet kleiner ausfallen wird als ursprünglich vorgesehen. Die Stadt hatte ein Bodengutachten in Auftrag gegeben. Das Resultat: Vor allem östlich des Feldweges ist der Boden für eine Wohnbebauung nicht tragfähig genug. Die Flächen weisen bis in eine Tiefe von vier Metern so genannte humose Schluffe und Feinsande auf. Sollte hier gebaut werden, müssten die Häuser mit besonderer Tiefengründung gesichert werden, was für die Bauherren zu erheblichen Mehrkosten führen würde. Außerdem befindet sich das Grundwasser teilweise sehr nah an der Oberfläche, so die Stadt in ihrer Beratungsvorlage für die gestrige Ausschusssitzung.

Eine ökologische Bestandsaufnahme im Plangebiet hat nach Angaben der Stadt zudem ergeben, dass Teile der Wiesen und eine kleinere Waldfläche durchaus schützenwert sind. Auch wenn sie aus Sicht des Bundesnaturschutzgesetzes keine schützenswerten Biotope darstellen, sei ihr Wert so hoch, dass eine Umsetzung des Bebauungsplanes in diesem Bereich schwierig werde. Auf diesen schützenswerten Bereich hatte der Naturschutzbund (Nabu) bereits hingewiesen. Nun sollen zunächst 14 Baugrundstücke ausgewiesen werden. Anfangs war noch von rund 20 Parzellen die Rede. Wegen der schwierigen Bodenverhältnisse soll auf die ursprünglich vorgesehene Anbindung der Straße in dem neuen Wohngebiet an den Feldweg verzichtet werden. Der Straßenbau wäre wegen des nicht unproblematischen Unterbaus wohl zu aufwendig. Der Verzicht auf die Anbindung an den Feldweg hat aus Sicht der Planer zudem zur Folge, dass die geplante Bebauung westlich des Feldweges wegen der fehlenden Erschließung entfällt. Die Stadt wollte aber noch einen Schritt weiter gehen: Pläne, das Baugebiet in einem zweiten Schritt in Richtung Schaephuysener Straße weiter auszudehnen, sollen zu den Akten gelegt werden.

Die CDU-Vorsitzende Rita Ulschmid - sie lebt in Tönisberg - übte massive Kritik an der abgespeckten Variante des Neubaugebietes. "Das Ergebnis ist niederschmetternd", sagte sie. Se betonte erneut, wie wichtig das Baugebiet für die künftige Entwicklung im Bergdorf sei. Außerdem müssten Grundstückseigentümer auch an anderen Stellen im Ort mit schwierigen Bodenverhältnissen leben. Der Technische Beigeordnete Stephan Kahl wies die Vorwürfe zurück. Die Entwicklung von Tönisberg solle keineswegs blockiert werden, sagte er. Die geänderte Planung kommt jetzt noch einmal in Ausschuss und danach erneut in die planungsrechtliche Offenlage. Zumindest ein zweiter Bauabschnitt soll möglich bleiben. Der ursprünglich für Anfang 2018 vorgesehene Baubeginn verzögert sich.

Quelle: RP
 
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