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Stadt Kempen
Wartsberg: Baubeginn fürs Musterhaus

Tönisberger Zechensiedlung: Baubeginn für Musterhaus auf Wartsberg
Das Einfamilienhaus am Birkenweg 8 in Tönisberg wird zu einem Musterhaus für die gesamte Wartsbergsiedlung umgebaut. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Kempen. In der ehemaligen Tönisberger Zechensiedlung wird ein leer stehendes Einfamilienhaus vor allem unter energetischen Gesichtspunkten umgebaut. Es soll als Muster dienen für andere Häuser. Die Quartiersarbeit soll nun richtig anlaufen. Von Bianca Treffer

Dreck und Lärm gab es für die Nachbarn in den vergangenen beiden Wochen schon reichlich. Seit zwei Wochen laufen nämlich die Entkernungsarbeiten im dem Einfamilienhaus am Birkenweg 8 auf dem Wartsberg in Tönisberg. Und das geht nicht ohne die genannten Belästigungen ab. Das schon lange von den Kempener Stadtwerken angekündigte Projekt, eines der Häuser in ein Musterhaus zu verwandeln, mit dessen Hilfe gezeigt werden soll, wie aus einem Altbau ein energieeffizientes Gebäude werden kann, ist gestartet.

"Dazu mussten wir zunächst mit einem Rückbau beginnen, um die Ursprünglichkeit zu erreichen", erklärt Siegfried Ferling von den Stadtwerken Kempen. Das Haus verfügte über einen zusätzlich geschaffenen Kellerraum und der Spitzboden war über eine weitere Treppe an den Wohnbereich angeschlossen worden. Dazu gab es einige weitere interne Umbauten, die nicht mit dem Grundriss übereinstimmten.

Stephanie Paas (r.) vom Planungsteam der Hochschule Düsseldorf erläuterte den Besuchern beim Ortstermin im Musterhaus das Gesamtkonzept für die Siedlung. FOTO: Kaiser Wolfgang

Von der Vorderfront sieht die das Wohnhaus noch so aus wie die Nachbarhäuser. Aber im Inneren präsentiert es sich völlig entkernt. Nackte Wände, Betonböden und -treppen in die erste Etage oder den Keller bestimmen das Bild. Um den Bewohnern des Wartsbergs einen ersten Einblick in das Projekt zu ermöglichen, bevor die eigentlichen Bauarbeiten beginnen, gab es jetzt einen offiziellen Startschuss, zu dem alle Interessierten eingeladen waren, um sich mit den Projektpartnern Stadtwerke, Quartiersmanagement, Hochschule Düsseldorf und dem betreuenden Architekturbüro Thelen auszutauschen. Das Interesse war vorhanden, wenngleich nicht alle Fragen beantwortet werden konnten. So blieb beispielsweise die Frage nach der Energieeffizienz, die einer der Anwohner stellte, offen. "Das müssen wir noch ausrechnen. Aber es wird in Richtung Neubaustand gehen", meinte Mario Adam, Professor für erneuerbare Energien an der Hochschule Düsseldorf.

Zu den einzelnen Bauvorhaben gehören neue Fenster mit einer Zweifachverglasung, die Isolierung der Kelleraußenwände, die Installation einer neuen Fernwärmestation mit Warmwasseraufbereitung sowie die Dach- und Fassadenisolation. Dazu ist eine Photovoltaikanlage geplant. "Es handelt sich um realistische Maßnahmen, die der Substanz gerecht werden", erklärt Architekt Udo Thelen.

Aus dem Altbau - die Siedlungshäuser stammen allesamt aus Anfang der 1960er-Jahre - wird kein so genanntes Passivhaus. In Sachen der Dachisolation setzt Thelen auf die Dämmung der Decke des zweiten Obergeschosses, da der Spitzboden als Wohnraum eh nicht zugelassen ist. Von einer Außenfassadendämmung mit einem Wärmedämmverbundsystem sieht man aufgrund der Kosten ab. Stattdessen werden die Hohlräume zwischen Klinker und Hintermauerung mit Styrodorkügelchen verfüllt.

Das Ziel bei allem ist ein hoher Nachahmungseffekt durch die anderen Hauseigentümer und dieser soll nicht an zu hohen Kosten scheitern. Das Interesse an dem Vorhaben ist dabei vorhanden, wie beim ersten Treffen am Birkenweg 8 festzustellen war. "Fenster und Türen haben wir bereits erneuert, als wir Anfang 2012 hier unser Haus gekauft haben. Die Isolation von Dach und Wänden interessiert uns schon sehr. Energie einzusparen ist immer von Vorteil und es ist gut zu wissen, welche Möglichkeiten bestehen", meinen Dagmar und Dieter Pannhausen.

Die Stadtwerke als Haubesitzer planen weitere Bürgerinformationen. "Dazu besteht über die Quartiersmanagerin die Möglichkeit, zusätzliche Termine vor Ort im Haus abzusprechen", sagt Ferlings. Quartiersmanagerin Bettina Nabbefeld setzt bei ihrer Arbeit ganz auf das Musterhaus. "An meinem jetzigen Standort kann nichts umgesetzt werden. Hier haben wir ganz andere Möglichkeiten", sagt Nabbefeld, deren Quartiersbüro sich derzeit in einer Mietwohnung am Wartsberg 2 befindet. Für die Zukunft sieht sie Aktivitäten wie gemeinsames Kochen, Fernsehabende, Skatrunden, Treffen für Mütter mit Kindern und auch einen Anlaufpunkt für Jugendliche im Musterhaus. Allerdings müssen diese Projekte noch warten, denn das Musterhaus ist erst im späten Frühjahr 2018 fertig.

Quelle: RP
 
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