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Stadt Kempen
Turmbesucher genießen die Aussicht

Stadt Kempen. Mehr als 20 Interessierte nahmen am Samstag an der Burgturmbesteigung teil, die das Kempener Kulturamt angeboten hatte. Dabei wurde auch über die Zukunft des Denkmals diskutiert. Von Eva Scheuss

Es sind erstaunlich viele, die sich an diesem winterlichen Nachmittag aufgemacht haben, um einen der drei Türme der Kempener Burg zu erklimmen. Immerhin scheint das Wetter zu halten, die angekündigten Schnee- und Regenschauer sind bislang nicht in Sicht. Mehr als 20 Personen versammeln sich zunächst um das historische Stadtmodell im Kulturforum Franziskanerkloster. Es zeigt eine mittelalterliche Stadtansicht Kempens, mit einer vollständigen Stadtmauer, vier Toren, dem Kloster, der Mühle, der Propsteikirche und der ehemaligen kurkölnischen Landesburg, die gleich "erobert" werden soll.

Im Modell ist die Burg noch in ihren ursprünglichen Umrissen zu sehen, als geschlossenes Dreieck, von dem heute ein Flügel fehlt. Christiane Czwikla leitet die Burgturmbesteigung. Die 58-jährige Kempenerin macht die Gäste auf aktuelle "harte Diskussionen" zum Thema Burg aufmerksam. Der Stadtrat entscheide darüber, ob die Stadt Kempen die Trägerschaft der Burg vom Kreis Viersen übernehmen soll. Christiane Czwikla macht aus ihrer Meinung keinen Hehl: Sie wünscht sich eine Übernahme durch die Stadt. Draußen, vor dem Eingang zur Burg, erzählt sie in einem kurzen Abriss von der wechselvollen Geschichte dieses Baudenkmals. 1396 wurde die Burg vom damaligen Landesherrn, dem Kölner Erzbischof und Kurfürsten Friedrich von Saarwerden in nur vier Jahren Bauzeit errichtet. "Bis heute ist sie nach der Burg Zülpich die am besten erhaltene kurkölnische Landesburg", weiß die Stadtführerin zu berichten. Die Burg überstand den Einfall der Hessen im Dreißigjährigen Krieg und auch die Besetzung durch die Franzosen 150 Jahre später. Ein Brand im 19. Jahrhundert setzte dem eh schon angegriffenen Gebäude stark zu. Immer wieder fanden sich Nutzungsmöglichkeiten. Bis 1925 war hier das Gymnasium Thomaeum untergebracht, bis 1975 war sie der Sitz der Kreisverwaltung. Heute sind hier die Archive der Stadt und des Kreises, die Kreisvolkshochschule und das Büro des Kulturraums Niederrhein angesiedelt.

Dann geht es endlich los mit der Besteigung des Kempener Wahrzeichens, zunächst über die altmodischen und nach Aktenstaub duftenden Büroflure bis in den zweiten Stock hinauf. Dann erst erfolgt der Übergang in den mittleren der drei Türme, dessen Backsteinwände weiß verputzt sind. Über enge Treppen und eine Holzstiege geht es hinauf. Zum Schluss klettern alle durch eine Luke auf das Plateau des Turms. Die Gäste strömen zur Balustrade, schauen auf die Altstadt zu ihren Füßen, versuchen die vielen Wahrzeichen, die sich am Horizont abzeichnen, auszumachen.

Christiane Czwikla erzählt, dass von den Plattformen der beiden größeren Türme aus das alljährliche Feuerwerk zu St. Martin gestartet wird, vom niedrigen Turm spielen die Turmbläser zu Weihnachten ihre Klänge herab. All dies könnte gefährdet sein, wenn etwa ein privater Investor die Burg übernimmt, befürchtet Kurt van Doorn, der mit Fernglas ausgerüstet die Umgebung in Augenschein nimmt. Der 72-jährige Kempener hat eine deutliche Meinung: "Ist die Burg privat, dann hat die Stadt keinen Zugriff mehr", befürchtet er. "Die Kempener Burg gehört zur kulturellen Infrastruktur", sagt er. Er kritisiert Bürgermeister Volker Rübo, der sich auch aus finanziellen Erwägungen gegen eine Übernahme ausgesprochen hat. "Diese Kämmerergeneration hat damals so gespart, dass die Substanz, etwas beim Zustand der Schulgebäude, angegriffen wurde", sagt er. Auch Marianne Kamp findet, dass "die Burg zu Kempen gehört". Sie hofft, dass ein Verein oder eine Stiftung bei der Finanzierung helfen kann und bis zur erhofften Übernahme die Kempener Schulen bereits alle saniert sind. Erhard Muther ist zu Gast in Kempen: "Das Problem kennen wir auch von den Schlössern in Südtirol", berichtet er. Ludger Fleischmann und Margret Loerper aus Kempen schlagen Spendenaktionen vor, etwa durch den symbolischen Verkauf von Steinen. Margret Loerper ist die Burg bestens vertraut. Die frührere Angestellte der Kreisverwaltung hat hier ihre Ausbildung gemacht. Derweil treffen sich unten im Burggraben mehrere Hundebesitzer mit ihren Tieren. Sie erinnert sich daran, wie sie selbst als Kind dort gespielt hat. "Das ist ja auch das Schöne an Kempen, dass alles noch frei zugänglich ist", meint sie.

Quelle: RP
 
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