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Stadt Kempen
Über Sternstunden mit Flüchtlingen

Stadt Kempen: Über Sternstunden mit Flüchtlingen
Altfrid Spinrath trat nach 20 Jahren an der Spitze des regionalen Laiengremiums nicht mehr zur Wahl an. FOTO: BUSCH
Stadt Kempen. Gabi Terhorst aus Viersen ist in Kempen zur neuen Vorsitzenden des Katholikenrates für die Region Kempen-Viersen gewählt worden. Bei einer Podiumsdiskussion in St. Josef Kamperlings ging es um die Arbeit mit Asylsuchenden. Von Silvia Ruf-Stanley

Einen ganz neuen Ansatz hatte die neue Vorsitzende des Katholikenrates der Region Kempen-Viersen, Gabi Terhorst, am Mittwochabend für die Podiumsdiskussion zum Thema Flüchtlinge gewählt. Die eingeladenen ehren- und hauptamtlichen Helfer aus der Region sollten einmal von den Sternstunden ihrer Arbeit mit Flüchtlingen erzählen.

Das zog sich durch alle Berichte der Beteiligten: die Hochachtung vor dem großen Einsatz der vielen Helfer und die Warnung davor, dass sich diese bei der schweren Aufgabe übernehmen. So gab es immer wieder die Mahnung, sich auch um die Helfer zu kümmern.

Hans-Günther Krambrodus von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung Brüggen-Bracht stand noch ganz unter dem Eindruck von 15 Familien, die gerade nach Bracht gekommen waren. Sternstunden der Flüchtlingsarbeit sind für ihn die Deutschkurse und die Ausbildungspatenschaften. 118 Schüler kommen zur Zeit zu den Kursen, wenn auch nicht immer ganz regelmäßig, berichtete er. Und wenn dann einige jedes Mal kommen, ist das so eine Sternstunde. Brigitte Müller aus der Pfarre St. Remigius in Viersen findet es eine Sternstunde, dass im alten Pfarrhaus Wohnungen für Flüchtlinge entstanden sind. Alles wurde mit tatkräftiger Hilfe vieler Ehrenamtler und mit Spenden wohnlich eingerichtet. So kam sie einmal in eine Wohnung, wo gerade Deutschunterricht für Christen, die aus dem Iran geflohen waren, stattfand. Noch so ein Glücksmoment. Und sie betont, dass sie immer wieder erfahre, dass alle Helfer viel Freundlichkeit und Dankbarkeit erfahren.

Schwester Patricia Meyer erzählte von den 570 Asylbewerbern, die zur Zeit im Tönisvorst in Turnhallen und Gewerbegebäuden untergebracht sind. Sie sei überwältigt gewesen, wie viele Menschen sich zum Helfen gefunden hätten. Man hat Untergruppen für verschiedene Aufgaben gebildet, damit alles gut koordiniert werden kann. Altfrid Spinrath, bisheriger Vorsitzender des Katholikenrates, hatte seine Sternstunde, als er vor einigen Wochen seinen ehemaligen Schulleiter vom Albertus-Magnus-Gymnasium in Dülken in umgewidmeten Lehrer-Dienstwohnungen antraf, wo er Deutschunterricht gab. Das Gymnasium hat inzwischen so etwas wie eine Patenschaft für die Flüchtlinge in den Wohnungen übernommen. Und Spinrath hofft, dass die Schüler hierbei viel lernen und "gegen Pegida und AfD geimpft werden".

Im umgebauten Katharinen-Hospital in Willich ist für Anna Riewe vor allem dienstagsabend Sternstunde. Nämlich dann, wenn Musiker aus dem Ort kommen und mit den Flüchtlingen Musik machen. Da begegnen sich die Musikstile von Ost und West ganz selbst verständlich. Und es ist für sie immer noch unfassbar, welcher Ruck angesichts des menschlichen Elends durch die Gemeinde gegangen ist.

Seit 1990 ist der Katholische Verein für Soziale Dienste (SKM) bereits in der Flüchtlingsarbeit tätig. Stephan Fiedller berichtete von einer ganz besonderen Sternstunde. Ein kleiner, ungerader Betrag auf dem Spendenkonto brachte ihn ins Grübeln. Es stellte sich heraus, dass ein Zwölfjähriger auf Geschenke zum Geburtstag verzichtet hatte und stattdessen um Spenden gebeten hatte.

Gabi Terhorst fragte sowohl das Podium als auch die Besucher nach ihren Erwartungen an den Katholikenrat, das Bistum als auch die Politik. Fiedler wünschte sich, dass das Bistum auch in den nächsten Jahren die Flüchtlingsarbeit finanziell unterstützt. Bei aller guten Zusammenarbeit mit den Kommunen wünschte er sich doch mehr Aktivität des Kreises. Dem schloss sich eine Frage aus dem Publikum an: Wie sich der Kreis denn mit der Frage der minderjährigen Flüchtlinge beschäftige? Und dann kam auch noch eine gute Anregung von einem Zuhörer: Flucht und Vertreibung habe man in Deutschland doch mehrfach erlebt. Warum seien die Notwendigkeiten nicht notiert und könnten so auch späteren Generationen zu Gute kommen?

Ausführlich erläuterte Dr. Alfred Etheber vom Caritasverband die Arbeit der Caritas. Man habe neue Schwerpunkte gesetzt - zum Beispiel in der psychosozialen Betreuung der Menschen, der Beratung der Gemeinden, der Unterstützung von Projekten. Insgesamt wurde der Etat für die Regionen angehoben.

Quelle: RP
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