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Stadt Kempen
Unsichere Aussichten für die Landwirte

Stadt Kempen: Unsichere Aussichten für die Landwirte
Fachsimpeln am Kuhstall: Kempens Bürgermeister Volker Rübo (2.v.l.) informierte sich auf dem Hof der Familie Buschhaus in Schmalbroich über die aktuelle Lage der Landwirtschaft. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Kempen. Kempens Bürgermeister Volker Rübo und sein Stellvertreter Otto Birkmann informierten sich auf zwei Kempener Bauernhöfen über die aktuelle Lage in der hiesigen Landwirtschaft. Die steigenden Kosten bereiten den Bauern Sorgen. Von Willi Schöfer

Den 130 Milchkühen auf dem Buschhaus-Hof war es eigentlich egal. Einige dösten in der großen Halle, andere machten sich gerade auf den Weg zur Melkstation. Sie hatten vom Besuch nicht allzu viel mitbekommen. Im ersten Stock trafen sich nämlich gerade zu Kaffee und Gebäck Kempens Bürgermeister Volker Rübo und sein Stellvertreter Otto Birkmann mit einigen Landwirten. "Derartige Besuche sind mir sehr wichtig, zumal die Landwirtschaft in unserer Region ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist", sagte der Bürgermeister, der außerdem davon überzeugt schien, dass der Fortbestand vieler Betriebe gesichert sei.

Auf dem Buschhaus-Hof braucht man sich über die Weiterentwicklung keine Gedanken zu machen. "Unseren Familienbetrieb gibt es unter diesem Namen schon seit Jahrhunderten", sagte Heiner Buschhaus, der neben den Kühen - darunter sind auch etwa 150 Kälber und Jungtiere - auf insgesamt 65 Hektar größtenteils Futtermais, Kartoffeln und Rote Bete anpflanzt. Neben dem 57-Jährigen saß mit am Tisch seine Ehefrau Regina, die sich um den kaufmännischen Bereich kümmert, sowie sein Sohn Bernd (28), mit dem er den Betrieb führt.

In der Runde saß ferner der 23-jährige Thomas Birmes vom gleichnamigen großen Kartoffelhof an der Vorster Straße in Kempen. Vor wenigen Tagen hatte Thomas den landwirtschaftlichen Betrieb, zu dem unter anderem auch der Weizen- und Zuckerrüben-Anbau gehört, von seinem Vater Johannes gepachtet. Birmes beliefert größtenteils große SB-Märkte in der Region. "Und wir möchten diese regionalen Segmente gerne weiter ausbauen", sagte der Jungbauer. Volker Rübo und Otto Birkmann hatten sich zuvor den Kartoffelhof angeschaut.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Kempens Bürgermeister den Schweinezüchter und Ortslandwirt Peter Josef Coenen auf seinem Hof besucht und sich dabei vorgenommen, in regelmäßigen Abständen auch anderen Viehwirten, den Kartoffel-, Getreide-, Gemüse- oder Obstanbauern mal über die Schultern zu schauen. "Auch bei mir ist schon die nächste Generation da", wies Coenen in der Runde darauf hin, dass sein Mastbetrieb von seinem 30-jährigen Sohn Christian mit geführt werde.

Mit dabei war ferner Landwirt und Kartoffel-Anbauer Josef Impelmanns und Kreis-Landwirt Paul-Christian Küskens. Positiv stellte Küskens die relativ guten Böden in der Region heraus. Und den Umstand, dass die Betriebe im Kreis Viersen als auch im Krefelder Raum zu etwa 75 Prozent nach wie vor im Haupterwerb betrieben würden. Langsam ginge zwar die Zahl der Nebenerwerbsstellen nach oben, aber dies sei immer noch kein Vergleich zur Eifel oder zum Bergischen Land, wo es viel schlechtere Böden gebe. Küskens meinte aber auch, dass die Landwirtschaft weiter daran arbeiten müsse, den Kunden und Nachbarn den Betrieb und die Produktionsabläufe näher zu erläutern. Küskens: "Wir müssen davon weg kommen, dass der Verbraucher mittlerweile Angst vor dem Kauf bestimmter Lebensmittel hat."

Angesprochen wurden weitere Probleme. So die enormen Kosten, die seit einigen Wochen durch die Bewässerung der Felder entstehen. Zur Sprache kam ferner der Mindestlohn. Die Preise seien deshalb beim Gemüse, fuhr Küskens fort, nicht so gestiegen wie die Lohnkosten. Hinzu käme, dass die vielen benötigen Erntehelfer, die größtenteils aus Polen und Rumänien kommen, nur befristet und streng reglementiert arbeiten dürften: "Maximal zehn Stunden täglich, aber nur sechs Tage in der Woche und dass auch nur über einen begrenzten Zeitraum." All dies müsse strengstens protokolliert werden. "Wir müssen mal abwarten, ob die Betriebe das überstehen", so Küskens.

Und auch für Heiner Buschhaus und seine Kollegen aus der Viehwirtschaft läuft es derzeit alles anders als profitabel. Abhängig sind die Milchbauern vom Weltmarkt. Und da es nach wie vor den Milch- und Käse-Boykott Richtung Russland gibt und auch die Chinesen viel zu viel Milchpulver gehortet haben, gibt es derzeit zu viel Milch auf dem Markt. Kreislandwirt Küskens veranschaulichte: "Konnte vor etwa einem Jahr noch ein Grundpreis (ohne die Qualitätszuschläge) von etwa 40 Cent je Liter erzielt werden, waren es im Mai nur 29 und sind es derzeit nur 28 Cent." Alleine für die Fütterung der Tiere lägen die Kosten zwischen zehn bis zwölf Cent. Sowohl Küskens als auch Buschhaus hoffen, dass die Preise in den nächsten Monaten wieder anziehen. Sie sind aber eher skeptisch.

Quelle: RP
 
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