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Stadt Kempen
Unterkünfte für Flüchtlinge kommen doch nicht aus Willich

Stadt Kempen. Die Stadt Kempen hat der Firma "Mega-Village" abgesagt. Für den Standort am Schmeddersweg soll es eine andere Lösung geben. Von Willi Schöfer

"Etwas überrascht war ich schon", sagte gestern Ingo Brust von seiner Firma "Mega Village". Er hatte vor wenigen Tagen telefonisch vom Technischen Beigeordneten der Stadt Kempen, Stephan Kahl, erfahren, dass sein Unternehmen nun doch nicht das zunächst für etwa 250 Personen ausgelegte Flüchtlingsdorf am Kempener Schmeddersweg errichten soll. Noch bis vor Kurzem hatte es so ausgehen, dass Brusts Firma, die das Flüchtlingsdorf an der Willicher Moltkstraße errichtet hatte, den Zuschlag bekommt.

Die genauen Gründe der Absage kennt der Schiefbahner Unternehmer nicht, sie waren auch gestern offiziell nicht zu erfahren. Sozialdezernent Michael Klee ist in Urlaub, Stephan Kahl tagsüber zu anderen Terminen unterwegs. Wie aus gut unterrichteten Kreisen aber bekannt wurde, sollen Baufachleute der Kempener Stadtverwaltung zu dem Ergebnis gekommen sein, dass diese Lösung mit den Leichtbau-Modulhäusern nun doch nicht als die geeignetste Variante angesehen werde. Die Stadt Kempens wird möglicherweise schon in der kommenden Woche eine andere Lösung präsentieren.

Die Stadtverwaltung soll aber, dies war auch von einigen Kommunalpolitikern zu erfahren, am Standort Schmeddersweg festhalten. Erst Anfang Juli hatte bei einer Bürgerversammlung in der Mensa der Martinschule der Sozialdezernent erklärt, dass nach der Schließung der "Via Stenden" bald mit einem großen Schub von Flüchtlingen gerechnet werden müsse, da die Stadt Kempen ihre Quote nur zu etwa 44 Prozent erfüllt habe. Diese Quote solle in den nächsten Monaten bis etwa 90 Prozent ansteigen. Bis Ende September rechnet Klee mit etwa 300 Neuzuweisungen. Bereits im Juli waren rund 200 Flüchtlinge größtenteils im eigens hergerichteten früheren Volksbank-Gebäude im Kempener Industriegebiet an der Peter-Jakob-Busch-Straße untergebracht worden.

Bereits im September sollten eigentlich die ersten Flüchtlinge am Schmeddersweg - zwischen Sporthotel und Reithalle - Unterkünfte vorfinden. Bei der Bürger-Information hatte es viel Kritik der Anwohner an diesem Standort gegeben. Schon damals hatten Redner kritisiert, dass sich die zunächst favorisierte Modul-Bauweise nicht für diesen Zweck eigne. Zumal im Juli von den Verwaltungsvertretern gesagt wurde, dass man erst einmal für die nächsten fünf Jahre mit Unterkünften am Schmeddersweg plane. Jetzt wird wohl eine etwas dauerhaftere Lösung bevorzugt. Noch unklar ist, ob und in welcher Weise sich diese Planungen geändert haben. Notwendigen Vorarbeiten zur Herrichtung des Geländes - so müssen noch Versorgungsleitungen auf dem so genannten Festplatz verlegt werden - sind bislang nicht angelaufen.

Indes macht der Willicher Unternehmer Ingo Brust weiter Werbung für seine Leichtbau-Modellhäuser, die eigentlich zur schnellen Unterbringung von Menschen in Katastrophengebieten gedacht waren. "Dafür hat sich jetzt auch die Bundeswehr interessiert", sagte Ingo Brust gestern. Näheres dazu, auch zu anderen laufenden Ausschreibungen in Großstädten, könne er erst in einigen Wochen mitteilen. Auch in Vorst werde gerade mit solch einer Bauweise am Sportplatz Platz für 50 Flüchtlinge geschaffen.

Quelle: RP
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