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Kreis Viersenen
Viel Arbeit für die Suchtberatung

Kreis Viersenen: Viel Arbeit für die Suchtberatung
Mehr junge Klienten und mehr Angehörige von Suchtkranken nahmen die Unterstützung der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe in Anspruch. Auf dem Foto von links: Yella Lennartz, Michael Hartges, Vorsitzender Hans Josef Kampe, Dietmar Lufen und Reiner Lennertz. FOTO: kreis viersen
Kreis Viersenen. Immer mehr Menschen suchen erstmals die Unterstützung der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe. Unter ihnen waren im Jahr 2016 auffallend viele junge Drogenkonsumenten. Von Peter Müller

"Unsere Klienten werden jünger", sagt Hans Josef Kampe, Vorsitzender der Suchtberatung. Die Zahl der elf bis 26 Jahre alten Konsumenten illegaler Substanzen stieg um mehr als ein Drittel auf 209 - im Jahr davor waren es noch 154 jüngere Klienten gewesen. Kampe führt die Zunahme auch auf eine verstärkte Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit zurück.

297 Klienten im Alter von 11 bis 78 Jahren wandten sich erstmals an die Suchtberatung - eine deutliche Steigerung, denn im Jahr zuvor waren es 266 gewesen. Insgesamt betreute der im gesamten Kreis Viersen für alle Arten von Sucht zuständige Verein 1033 Klienten. "Bei 406 Klienten wurde die Betreuung abgeschlossen - 60 Prozent davon lebten abstinent oder aber die Situation hatte sich verbessert", berichtet Reiner Lennertz, Leiter der Suchtberatung.

Mehr als doppelt so viele Angehörige von Abhängigen nehmen die Unterstützung der Suchtberatung in Anspruch. Ihre Zahl stieg von 30 auf 65. Darunter sind auch Kinder. Jedes siebte Kind wachse mit mindestens einem abhängigen Elternteil auf, erläutert Dietmar Lufen, Koordinator des Fachbereichs Prävention: "Diese Kinder gehören zu einer Hoch-Risikogruppe, denn erfahrungsgemäß werden zwei Drittel von ihnen später selbst suchtkrank oder entwickeln eine psychische Problematik."

Er kenne Grundschüler, "die zu Hause den Haushalt schmeißen und damit natürlich vollkommen überfordert sind". Für betroffene Mädchen und Jungen im Alter von acht bis zwölf Jahren bietet die Suchtberatung die Gruppe "Trampolin" an. "Hier entdecken Kinder aus suchtbelasteten Familien ihre Stärken", erklärt Lufen. Das Programm ist für die Familien kostenlos.

Auch Partner und Angehörige von Suchtkranken wissen oft nicht mehr ein noch aus. "Viele erleben einen Teufelskreis und schaffen es alleine nicht, ihn zu durchbrechen. Sie wollen dem Konsumierenden helfen, fühlen sich für ihn verantwortlich und sind gleichzeitig selbst extrem belastet", sagt Dietmar Lufen. Die Suchtberatung bietet neben Einzelgesprächen auch Kurse für betroffene Partner und Angehörige an. Hier können sie eigene Strategien zum Ausstieg aus dem Teufelskreis entwickeln.

Verstärkt hat die Suchtberatung die vorbeugende Arbeit vor allem bei Jugendlichen. "Wir gehen dorthin, wo die jungen Menschen sind, und warten nicht darauf, dass sie zu uns kommen", sagt Mitarbeiter Michael Hartges. Seine Kollegin Yella Lennartz beispielsweise gestaltet jedes Jahr für die neuen Auszubildenden bei Mars eine Info-Veranstaltung im Betrieb.

Die Arbeit wird für die Suchtberatung in den nächsten Jahren sicher nicht weniger. "Wir sind die Anlaufstelle im Kreis Viersen, unabhängig davon, ob jemand selbst abhängig ist und wovon oder ob er als Partner oder Angehöriger eines Suchtkranken betroffen ist", betont Hans Josef Kampe. Seit 1973 kümmert sich der Verein Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe um suchtkranke Menschen. Als einziger Träger im Kreis Viersen bietet er Hilfe und Unterstützung für alle Formen von Sucht und ist für das gesamte Kreisgebiet zuständig. Sitz und Anlaufstelle des Vereins ist das Haus Kreuzherrenstraße 19 in Viersen-Dülken, Außenstellen gibt es in Nettetal, Willich und Kempen. Der Verein unterhält zudem mehrere ambulant betreute Wohngemeinschaften. Er beschäftigt zurzeit 42 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Kontakt: Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe e.V., Kreuzherrenstr. 19, 41751 Viersen, Tel. 02162-95110,

Quelle: RP
 
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