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Gemeinde Grefrath
Vom Flüchtling zum Unternehmer

Gemeinde Grefrath: Vom Flüchtling zum Unternehmer
Landschaftsgärtner Isuf Memeti mit seinem Team bei der Arbeit. Der 56-jährige Grefrather ist 1990 aus dem Kosovo nach Deutschland geflohen, hat danach hier beruflich Fuß gefasst und einen Gartenbaubetrieb eröffnet. FOTO: Kaiser
Gemeinde Grefrath. Isuf Memeti ist Landschaftsgärtner und lebt seit mehr als 25 Jahren in Deutschland. Er kam als Flüchtling aus dem Kosovo und gründete vor rund zehn Jahren in Grefrath seine eigene Firma. Eine Erfolgsgeschichte. Von Jannetta Janssen

Isuf Memetis Arbeitstag ist selten kürzer als 17 Stunden. Und das nicht nur im Sommer, wenn im Garten- und Landschaftsbau Hochsaison herrscht. Auch im Winter hat er viel zu tun, wie die Grünflächenpflege seiner Kunden. Der 56-Jährige hat sich alles selbst erarbeitet und weiß, wie schwer es ist, eine Firma wirtschaftlich zu führen. 1990 kam er aus dem Kosovo als Flüchtling nach Deutschland. An die ersten Jahre denkt er mit gemischten Gefühlen zurück: "Auf der einen Seite war das genau die richtige Entscheidung, auf der anderen Seite blieb die Familie zurück, das war sehr schwer", erzählt der gelernte Maurer.

Seit rund zehn Jahren führt er ein erfolgreiches, kleines Garten- und Landschaftsunternehmen mit vier Mitarbeitern in Grefrath. Isuf Memeti ist Optimist und setzte damals alles auf eine Karte: "Bei meinem ersten Auftrag habe ich viel zu hohe Preise verlangt, das könnte ich heute vergessen, das würde niemand mehr bezahlen", sagt Memeti, der zwei erwachsene Söhne hat und verheiratet ist. Damals war er noch zu unerfahren, wie er selbst sagt.

An die Flucht aus dem Kosovo erinnert er sich noch gut: "Ich musste verschwinden, weil ich verfolgt wurde, in Deutschland hatte ich Bekannte, es sollte nur für kurze Zeit sein", so der 56-Jährige. Daraus sind mittlerweile 26 Jahre geworden. Aber "richtig" zuhause fühlt er sich in Deutschland nicht: "Ich habe einen deutschen Pass, aber das interessiert viele nicht, hier bin ich Ausländer", sagt er. Wenn er in seine alte Heimat fährt, ist er auch dort fremd. "Wir passen nicht mehr in die Kultur, kennen nur die alten Zeiten, die Welt dreht sich auch dort weiter", erklärt der Grefrather. Seine Söhne sind beide hier geboren, voll integriert, sprechen perfektes Deutsch. Einer unterstützt den Landschaftsbauer im Familienbetrieb. Wenn Isuf Memeti an die vielen Flüchtlinge denkt, die vor kurzem nach Deutschland gekommen sind, kommt er ins Grübeln: "Ich habe mir damals zwei Zimmer mit zwölf Personen teilen müssen, die ersten Jahre waren sehr hart", sagt er. Er bekam damals 16 D-Mark pro Woche "Taschengeld" vom Staat. "Das Geld habe ich im Kopfkissen versteckt, jede Woche", erzählt er. Denn er wollte es sparen, um seine Frau nach Deutschland zu holen.

Die Zeiten waren nicht immer so gut wie heute. Denn nach einem Diebstahl seines Lastwagens samt neuem Bagger und zahlreichen motorisierten Gartengeräten stand er kurz nach Beginn seiner Selbstständigkeit bereits vor dem Aus. "Schadensumme waren rund 50.000 Euro", sagt Memeti und schüttelt den Kopf. Bekommen hat er gerade einmal 6000 Euro von der Versicherung. Auch zahlungsunfähige Kunden sind immer wieder ein Thema. "Ohne meinen Optimismus hätte ich gar nicht erst angefangen", erklärt er. Ob die Zeiten heute schwerer sind als früher, etwas aufzubauen? Isuf Memeti hat dazu eine klare Meinung: "Jeder kann es schaffen, man muss nur mutig genug sein und ohne Kontakte geht es nicht." Mit seinen Mitarbeitern pflegt er ein freundschaftliches Verhältnis und das hat sich ausgezahlt: "Bei mir arbeiten nicht nur Ausländer, auch Deutsche und wir sind ein tolles Team", sagt er und lächelt. Wie viele Arbeitgeber heutzutage hat der Grefrather auch Probleme, "gute Leute" zu finden, die anpacken können. Er könnte sofort drei bis vier neue Mitarbeiter einstellen. "Vielleicht bin ich da aber auch zu deutsch", sagt Memeti mit einem Augenzwinkern.

Quelle: RP
 
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