| 00.00 Uhr

Kempen
Vom Ledereimer zum Atemschutz

Kempen. Kempens Feuerwehr hat eine ehrwürdige Tradition. 1841 wurde in der Stadt die erste systematische Feuerbekämpfung organisiert und 1883 die erste einheitliche Löschmannschaft aufgestellt. 1908 wurde sie neu formiert und ausgerüstet als Freiwillige Feuerwehr. Deshalb feierte die Wehr 1958 ihr 50-jähriges, 1983 ihr 100-jähriges und 2008 ihr 125-jähriges Bestehen. Einige Anmerkungen von Hans Kaiser.

Am 18. Oktober 1883 beschloss eine Bürgerversammlung die Gründung einer geschlossenen städtischen Feuerwehr, die einer einheitlichen Führung unterstand. Aus dieser Zeit stammt diese Spritze, die die Kempener Wehr 1970 bei einer Schauübung vorführte. Die Alarmierung erfolgte 1883 noch durch die Kirchenglocken, und statt einer Uniform trugen die Wehrleute Armbinden und Abzeichen.

Als Folge des Feuerschutzgesetzes von 1904 wird 1905/06 an der Umstraße ein Gerätehaus für die Feuerwehr gebaut, das auch ein Polizeigefängnis enthält und eine Polizistenwohnung. 1926 kauft die Wehr von der Eisenmöbelfabrik Arnold ihr erstes Motorfahrzeug: einen gebrauchten Buick-Pkw. Der wird von der Feuerwehrgerätefabrik in Hagen zunächst zu einem Mannschaftswagen umgebaut und 1928 mit Leiter und Alarmglocke aufgerüstet.

1904 erließ die preußische Regierung ein Gesetz über den kommunalen Feuerschutz und die Hilfeleistung bei Bränden. Daraufhin richtete Kempen am 7. Juli 1908 eine den neuen Anordnungen entsprechende Freiwillige Feuerwehr ein, die drei Löschzüge mit je 28 Mann umfasste, dazu acht Sanitäter und fünf Hornisten. Nunmehr war die Wehr eine kommunale Einrichtung. Sie wurde entsprechend modernisiert und erstmals uniformiert. Ihre Übungen führte sie am Steigerturm auf der Baselsbleiche am Hülser Weg durch.

Seit 1290 bekam Kempen zunehmend städtische Rechte, und damit waren die Bürger offiziell zur Brandbekämpfung verpflichtet. Wer das Bürgerrecht bekommen wollte, musste einen Ledereimer einbringen, wie er heute noch im Kramer-Museum aufbewahrt wird. 1768 beschaffte dann Bürgermeister Bartholomäus Bücker aus den Niederlanden die erste Brandspritze; unser Bild (unten), das gleichfalls im Kramer-Museum hängt, zeigt ihn mit der neuen Technologie im Rücken. 1772 wird der erste städtische Brandmeister ernannt.   

Seit 1938 werden die deutschen Wehren auf den Kriegseinsatz vorbereitet. Als Bestandteil der Polizei erfolgt ihre Ausbildung auch in Kempen als militärischer Drill. Auf dem rechten Bild sind die Wehrleute vor ihrem Gerätehaus an der Umstraße zum Appell angetreten. Nach den ersten Luftangriffen werden 1941 Schnellkommandos gebildet, die abwechselnd Bereitschaft haben. Als sich 1944 die Angriffe häufen, kommen die Männer kaum noch zum Schlafen. Im Keller des Mädchengymnasiums Ecke Moorenring/Thomasstraße stehen ihre Feldbetten. Dort liegen sie und warten auf den nächsten Luftangriff.

Die nationalsozialistische Gleichschaltung erfasst auch die Kempener Feuerwehr, hier abgebildet bei einem Kreistreffen 1931. Am 24. Juli 1933 werden von den 60 aktiven Mitgliedern 39 entlassen. An ihre Stelle treten jetzt politisch zuverlässige. Die Wehr wird schleunigst durch SA-, SS- und Stahlhelmmänner ergänzt und politisch linientreu. Aber was eine politische Säuberung ist, wird offiziell Verjüngungsaktion genannt.    Foto: Feuerwehr

Am Vormittag des 2. März 1945 explodiert beim letzten Luftangriff auf Kempen eine Bombe vor dem Gerätehaus an der Umstraße und zerstört es bis auf die Grundmauern. Aber die Fahrzeuge bleiben bis auf eines, das am Nachmittag von einer Panzergranate getroffen wird, heil; am 26. Februar sind sie in Erwartung des amerikanischen Einmarschs von drei Feuerwehrleuten an der Mülhauser Straße bei der Gaststätte Fiekers im Wald versteckt worden. Nach gründlichem Aufräumen erinnert eine einsame Schlauchkarre an der verwüsteten Umstraße an den einstigen Gerätehaus-Standort.

Nach der Zerstörung des Gerätehauses an der Umstraße kommt die Wehr provisorisch in der Eisenmöbelfabrik Arnold unter, dann in einer Baracke des ehemaligen Wehrmacht-Pionierparks an der Kleinbahnstraße. Am 22. Oktober 1950 leitet eine große Schauübung vor der Badeanstalt den Einzug in die neue Feuerwache ein, 1950 an der Stelle der heutigen Orsaystraße neben dem Hohenzollernbad errichtet.

In den 1960er-Jahren wird der Fahrzeugpark erweitert. Im Oktober 1966 verfügt er über (von links) zwei VW-Kombi als Krankenwagen; ein Löschgruppenfahrzeug mit Anhänger; einen VW-Käfer als Kommandowagen; ein Tanklöschfahrzeug; einen VW-Kombi als Ölalarmfahrzeug; eine Drehleiter.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kempen: Vom Ledereimer zum Atemschutz


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.