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Gemeinde Grefrath
Von Gabelschmuck und Pestglöckchen

Gemeinde Grefrath: Von Gabelschmuck und Pestglöckchen
Auch zeitgenössische Musik boten Musiker in historischen Kostümen beim Mittelaltermarkt am Wochenende auf dem Gelände des Niederrheinischen Freilichtmuseums in Grefrath. FOTO: Achim Hüskes
Gemeinde Grefrath. Altes Handwerk entdecken, Spielleuten zuhören, sich im Ritterturnier erproben oder die Zukunft wahrsagen lassen - im Niederrheinischen Freilichtmuseum in Grefrath war dies alles und viel mehr möglich. Der Mittelaltermarkt lockte. Von Bianca Treffer

Hell lodert die Flamme in der Esse auf. "Das sieht gut aus", sagt Fossi, der Gabelkönig, zu seinem Gehilfen Thomas, der den Blasebalg bedient und damit dem Feuer immer wieder Luft zuführt. Der in mittelalterliche Gewänder gekleidete Mann zieht Lederhandschuhe an und greift zu einer Tiegelzange. Unter den neugierigen Blicken der Zuschauer, die dicht gedrängt vor seinem Stand stehen bleiben, holt er einen Tiegel aus dem Feuer. "Wir gießen hier Bronze. Die Gießtemperatur beträgt 1200 Grad. Sie muss 200 Grad höher sein als die Schmelztemperatur", erklärt Fossi und lässt die rot glühende Masse aus Kupfer und Zinn in eine Form laufen. Kurze Zeit später öffnet der Gabelkönig die Form und präsentiert eine Rautenfibel. Wie diese nach dem Schleifen und Polieren aussieht, das können die Besucher an seinem Stand anhand der fertigen Produkte sehen und auch woher er seinen Namen hat. "Ich fertige unter anderem Schmuck aus Bestecken", sagt Fossi und deutet auf eine Gabel, die zu einem ungewöhnlichen Armreifen umgeformt ist.

Ein Stückchen weiter ist ein gleichmäßiges Klopfen zu hören. Johannes Bertrams arbeitet mit Beitel und Holzhammer an einem Fichtenstück. Unter seinen Händen entsteht eine Salatschüssel. Bei Robert Boos dreht sich dagegen alles um das Leder. "Wir färben und fixieren Leder nach althergebrachter Art. Wir haben Farben, die sind älter als 30 Jahre", berichtet Boos, der mit einem Pinsel eine Tinktur auf Lederstücke aufträgt. Eichenrindenfarbe ist das Zauberwort. Vermahlende Eichenrinde und Wasser ergeben nach dreieinhalb bis vier Jahren einen hellbrauen Farbton. Je länger die Tinktur steht, je dunkler wird die Farbe.

In den Dingen, die die Natur zur Verfügung stellt, kennt sich auch die Kräuterfrau Klaudia aus. Ein Schild verkündet, dass hier historische Salben hergestellt werden. Unter ihrem Standdach hängen die verschiedenen Kräutergebinde. Blütengefüllte Gläser, verkorkte Fläschchen mit Flüssigkeiten und Cremes auf Muschelschalen sind zu sehen. "Das ist eine Handwaschpaste aus Rosskastanien, Mandelkleie, Veilchenwurz und Mandelöl. Sie säubert nicht nur, sie riecht auch lecker und hat eine desinfizierende Wirkung, das wusste man schon früher", erzählt sie. Auf einmal sind das Klingeln von Pestglöckchen und das Schlagen eines Tamburins zu hören. Spielleute ziehen umher, wobei einer alle überragt. Es handelt sich um den Stelzenmann, der neugierig gemustert wird. Neugierig sind auch die Besucher, die über die Wiesen des Freilichtmuseums schlendern. Hier pulsiert das mittelalterliche Leben. Zeltkonstruktionen aus Holz und Stoffen stehen hier. Mal sind es farbenprächtige Varianten von Rittern mit im Wind flatternden Wimpeln, mal sind es einfache weiße Zelte. Doch egal, um was es sich handelt. Sie alle geben einen Einblick in die damalige Zeit. Hölzerne Bettstätten und Stühle mit Fellen sind zu sehen. Ritter in schweren Kettenhemden gehen ein und aus. Frauen in langen, bäuerlichen Gewandungen stehen neben knisternden Feuern, über denen schwarz gefärbte Kessel mit Eintöpfen hängen. Holzlöffel liegen neben hölzernen Schalen auf groben Tischen. Aus der Seifensiederei ziehen Düfte nach Lavendeln und anderen Kräutern, Heil- und Entdeckerpflanzen werden angeboten, Wappen und Fahnen verkünden, wer hier lebt. Die jüngsten Ritter und Besucher üben sich gleichermaßen im Ringe werfen und Lanzenstechen. Ein geschäftiges Treiben liegt über dem Mittelalterlager und nimmt die Besucher mit auf eine unterhaltsame und informative Zeitreise.

Quelle: RP
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