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Stadt Kempen
VTK-Vorsitzender Schürmann kritisiert Politik und Verwaltung

Stadt Kempen. Schwach besucht war die Mitgliederversammlung des größten Kempener Sportvereins, der 156 Jahre alten Vereinigten Turnerschaft Kempen (VTK). Von den gut 2000 Mitgliedern waren nur 25 zur Versammlung ins Vereinsheim in Schmalbroich gekommen. Ebenso stießen die Ehrungen auf keine große Resonanz, denn von 24 Mitgliedern, die geehrt werden sollten, waren nur vier anwesend. Das hinderte den ersten Vorsitzenden Detlev Schürmann jedoch nicht daran, "Tacheles" zu reden in Sachen "Sportstadt Kempen".

Mit Blick auf den abgelehnten Förderantrag für den weiteren Um-und Ausbau der ehemaligen Schmalbroicher Schule durch die Stadt Kempen meinte Schürmann: "Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass der Sport in Kempen leider nur dann eine Lobby hat, wenn sich die Stadtväter damit öffentlich in Szene setzen können." Schürmann sprach den Kunstrasenplatz an, der in Kempen "doppelt so teuer ist, wie in Grefrath". Er sprach von einer finanziellen Schieflage mit Blick auf die Kostenbeteiligung der Vereine. Rund 150 000 Euro habe Thomasstadt Kempen für den Kunstrasenplatz auf dem städtischen Grundstück beisteuern müssen. Ähnliches widerfuhr dem VfL Tönisberg beim Neubau der Kabinen am Sportplatz im Bergdorf.

Schürmann sah auch die Sportpolitik in Kempen in einer "massiven Schieflage". Dass die Jugend im Sport in Kempen durch die Stadt gefördert würde, sei eine "Lüge", so Schürmann. Er riet der Politik, mit der "Augenwischerei" aufzuhören, und machte das an Zahlen deutlich: 13 000 Euro zahle die VTK jährlich (überwiegend für die Jugend) an Hallennutzungsgebühren. Nur 3500 Euro bekommt der Verein als Zuschuss für die Jugendarbeit. Schürmann weiter: "Die Stadt bekommt pro Jahr 90 000 Euro vom Land für die Sportvereine. Dieses Geld verschwindet im Haushalt der Stadt." Schürmann kritisierte auch den Stadtsportverband. Der unterstütze immer die Meinung der Stadt.

Der VTK-Vorsitzende erinnerte an die Fürsorgepflicht der Stadt gegenüber den Bürgern. Die Sportentwicklungsplanung sei jahrelang von der Stadt ignoriert worden. Als Farce empfand er das vom zuständigen Beigeordneten Michael Klee ins Leben gerufene "Zukunftsforum Sport". Dazu sei kein einziger Vertreter der Sportvereine eingeladen gewesen. Mit Blick auf die demografische Entwicklung und sinkende Mitgliederzahlen riet Schürmann den großen Sportvereinen, näher zusammenzurücken. Am Ende gab es für Schürmann lang anhaltenden Beifall. Er hatte den Mitgliedern mit klaren Worten offensichtlich "aus der Seele" gesprochen.

Zu den Neubauplänen fürs Vereinsheim sagte Schürmann, dass der Verein diese auch ohne finanzielle Unterstützung der Stadt werde umsetzen können. Man habe die Hoffnung, noch in diesem Jahr mit den Arbeiten beginnen zu können. Zufriedenheit löste der Kassenbericht von Finanzwart Hans von Beckerath aus, denn die Beitragserhöhung zahlte sich aus.

(mab)
 
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