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Stadt Kempen
Wartezeiten bei Schwimmkursen

Stadt Kempen. Die Wartelisten sind lang. Die Bäder sind überlastet mit Kursen. Auch Schließungen sind schuld daran, dass die Zahl der Nichtschwimmer bei Grundschülern steigt. Von Jannetta Janssen

Einmal pro Woche Schwimmunterricht. Oft gerade einmal 25 Minuten Wasserzeit. Das ist Alltag beim Schulschwimmen in Kempen und Grefrath. Michael Grohe vom Landesverband NRW der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (kurz: DLRG) warnt: "Jeder zweite Grundschüler macht kein Schwimmabzeichen." Damit meint Grohe nicht das Frühschwimmerabzeichen "Seepferdchen", sondern die darauf aufbauenden Abzeichen in Bronze, Silber und Gold. "Seepferdchen ist lediglich die Vorbereitung, aber danach kann niemand ,sicher' schwimmen", so Michael Grohe. Rund 25 Prozent der Schulen in Deutschland haben keinen Zugang zum Schwimmbad. Tendenz steigend. "Konkrete Zahlen für den Kreis Viersen gibt es nicht", sagt Gabriele Gotzen von der Pressestelle der Viersener Kreisverwaltung auf Anfrage der Rheinischen Post.

Lothar Messerschmidt, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Kempen, und Thomas Türk, DLRG Ortsgruppenleiter in Grefrath, bestätigen beide: "Die Kurse sind proppenvoll und die Wartelisten für einen Schwimmkursus sehr lang." In Kempen warten Kinder rund zwei Jahre auf die Teilnahme an einem Lehrgang, in Grefrath stehen bislang 120 Kinder auf der Warteliste. Den Bedarf zu decken, ist für die Schwimmtrainer unmöglich. "In Kempen finden zwei Kurse im Jahr statt, daran nehmen jeweils 16 Kinder teil", sagt Lothar Messerschmidt. Mehr Möglichkeiten, Kurse anzubieten, gäbe es nicht.

Die Gründe seien vielseitig. Bäder werden geschlossen oder sind mit ihren Kapazitäten am Ende. Grundschulen hätten zu wenig Möglichkeiten zum Schwimmen, aber auch die Lehrer wären nicht gut genug ausgebildet. Thomas Türk ist Sportlehrer am Werner-Jaeger-Gymnasium in Lobberich. Dort haben die Fünftklässler ein Halbjahr lang Schulschwimmen. Die Schüler haben eigentlich zwei Schulstunden Schwimmen im Stundenplan - also 90 Minuten. Und so sieht es bei Thomas Türks Kursen tatsächlich aus: "Rein in den Bus nach Kaldenkirchen zum Hallenbad, schnell umziehen, ab ins Wasser, wieder anziehen, schnell zum Bus und wieder zur Schule", erklärt Türk. Die reine Zeit im Wasser beschränke sich auf gerade einmal 25 Minuten. Das Problem liegt aber nicht nur im Mangel an Kurszeiten. Lothar Messerschmidt und Thomas Türk bemängeln übereinstimmend das Verhalten vieler Eltern bereits im Vorfeld der Schwimmkurse. "Von 16 Übungseinheiten verbringen wir die Hälfte mit Wassergewöhnung", sagt Messerschmidt, der seit 57 Jahren Mitglied bei der DLRG ist. Kopf unter Wasser halten, sei für viele schon eine Überwindung und mit großen Hemmungen verbunden. Deshalb appellieren beide Schwimmlehrer an die Eltern: "Gewöhnen Sie das Kind ans Wasser in der Badewanne, unter der Dusche, gehen sie selbstständig mit ihren Kindern ins Schwimmbad." Recherchen der Rheinischen Post in Schwimmbädern im Kreis Viersen haben ergeben, dass besonders die Schwimmkurse für Grundschüler überlastet sind. Das bestätigt auch Michael Grohe: "Die Wartelisten sind voll. Zum Teil zwei bis drei Jahre Wartezeit." Ein anderer Grund für den DLRG-Pressereferenten: Die vermehrte Schließung von Schwimmbädern in ganz Deutschland und die wachsende Zahl von Anfragen von Schwimmkursen für Flüchtlinge. "Es werden mehr Bäder geschlossen als eröffnet", so Grohe. Die Konsequenz: Überlastung. Betroffen davon seien nicht nur Schulen, sondern auch Schwimmvereine und die DLRG selbst. Die Übungszeit einer Schwimmgruppe würde sich wöchentlich im Durchschnitt auf anderthalb Stunden begrenzen, die Ausbilder kämen in der Zeit dann meist nicht einmal ins Wasser: "Man muss als Leiter auch trainieren und das kommt definitiv zu kurz", sagt Grohe.

Auch Schwimmkurse für Babys und Kleinkinder sind sehr beliebt. Viele Bäder bieten für Babys und deren Eltern Kurse an, wo Neugeborene ihre ersten Erfahrungen mit Wasser machen. Ab dem zweiten bis vierten Lebensjahr entsteht oft eine Lücke. Die Bäder haben dafür oft keine freien Kapazitäten mehr. Viele Eltern aus dem Kreis Viersen müssten dann auf Angebote in Städten wie Mönchengladbach, Krefeld oder sogar Düsseldorf ausweichen. Im Alltag ist das jedoch kaum umsetzbar. Und auch dort gibt es dieselben Probleme: lange Wartelisten.

Quelle: RP
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