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Stadt Kempen
Wasserfuhr und Freunde: Kein Halten beim Jazz in der "Haltestelle"

Stadt Kempen. Der Musiker Marcel Wasserfuhr sei als Kind vor ein Auto gelaufen und habe auch kein Abitur gemacht. Deshalb hätte er "nur Schlagzeuger" werden können. Mit dieser Kurzbiografie hatte der Bandleader seinen Gastgeber Andreas Baumann für die Begrüßung des Publikums am Samstag in der "Haltestelle" präpariert und damit die Zeichen von vornherein auf gute Laune gestellt. Von Mojo Mendiola

Im Quartett mit Jan von Klewitz (Altsaxophon), Andreas Schnermann (Piano) und Martin Gjakonovski (Kontrabass) bot Wasserfuhr einen swingenden und boppenden Jazz-Abend von hohem Karat. Jerome Kerns "Nobody Else But Me" bildete den Auftakt, und die Band swingte vom ersten Takt an so flüssig, dass es eine Freude war. Von Klewitz, aus Zagreb über Kopenhagen nach Berlin und Köln gekommen und Sideman erstklassiger deutscher und internationaler Bandleader, begeisterte unter anderem mit seinen extra langen Legati. Schnermann, im Bergischen groß geworden und weit gereist als Jazz-Pianist, der am Samstag mehrfach an die herrlich sorglos klingende Spielweise von Michel Camilo erinnerte, wagte sich mit seinem perlenden Spiel auch schon mal an die Ränder der Tonalität. Der aus Skopje in Mazedonien stammende und in ganz Europa gefragte Gjakonovski spielte nicht nur virtuos, sondern auch so bodenständig, dass es eines Schlagzeugs als Rhythmusgeber kaum bedurft hätte, und Wasserfuhr seinerseits, der es auch ohne Abi an die Hochschulen von Köln, Hamburg und New York schaffte und seine Trommeln schon für Asse wie Bob Mintzer und Tito Puente schlug, glänzte mit Präzision und Einfallsreichtum.

Vor allem verstand es das Quartett prächtig, seine hohe technische Klasse ohne jede Kopflastigkeit zu zelebrieren, dafür mit viel Herz, einem Schuss Humor und vor allem - Duke Ellingtons Erstem Gebot folgend - jeder Menge mitreißendem Swing, der sich aus den verschiedenartigsten stilistischen Ansätzen heraus immer wieder triumphierend durchsetzte.

Von Klewitz' eigenes Werk "Capitano Palesano" beispielsweise zeigte zunächst Verwandtschaft mit dem "Spanish Heart"-Album von Chick Corea, Schnermanns "Little Poolie" begann, als suche eine rumänische Hirtenflöte ihre Mutter, andere Titel schöpften aus Bossa Nova, dem Marching Beat von New Orleans und sogar aus der Rock-Musik. Dichtes, kommunikatives Ensemblespiel, tolle Soli von allen Beteiligten und eine interessante Repertoire-Zusammenstellung sorgten für einen spannenden Abend, und der Umstand, dass die Musiker sich in der "Haltestelle" ohne Podium ebenerdig aufgebaut hatten, trug zur Intimität der Atmosphäre bei. Da war am Ende eine karibisch schäumende Zugabe einfach noch nicht genug.

Quelle: RP
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