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Serie Unsere Stadtwerke (4)
Wenn die Wärme aus der Ferne kommt

Serie Unsere Stadtwerke (4): Wenn die Wärme aus der Ferne kommt
Jürgen Tepaß (l.) und Rinel Mullagaleev verlegen im Neubaugebiet an der Kreuzkapelle einen Hausanschluss für die Versorgung mit Fernwärme. FOTO: Kaiser, Wolfgang (wka)
Kempen. Seit mehr als 50 Jahren bieten die Stadtwerke Kempen ihren Kunden Fernwärme an. Woher die Wärme kommt und wie sie funktioniert, das erklärt dieser Teil der Serie für Grundschüler. Von Stephanie Wickerath

KEMPEN Fernwärme - das klingt, als würde auf fernen Kontinenten, auf denen es sehr heiß ist, zum Beispiel in Afrika, die Wärme eingefangen und in dicken Rohren zu uns gebracht. Ganz so ist es aber nicht. Wobei das mit den Rohren nicht falsch ist. Tatsächlich liegen unter der Erde im Kempener Stadtgebiet Leitungen, durch die heißes Wasser fließt. Hausbesitzer, deren Häuser keine Heizung haben, können ihr Haus an diese Rohre anschließen lassen. Wird dann in einem Zimmer ein Heizkörper aufgedreht, strömt das warme Wasser aus den unterirdischen Rohren in den Heizkörper, erwärmt ihn und damit das Zimmer. Und damit das auch immer gut klappt, sind Jürgen Tepaß und Torsten Nilkens jeden Tag in Kempen unterwegs. Die beiden Mitarbeiter der Stadtwerke halten das unterirdische Fernwärmenetz in Schuss. Sie müssen Regler austauschen, Zähler erneuern, Leitungen kontrollieren und neue Wohngebiete an das Netz anschließen. Zurzeit sind die beiden Fachmänner oft im Baugebiet "An der Kreuzkapelle" unterwegs. Dort wird seit einiger Zeit kräftig gebaut und viele der neuen Häuser werden mit Fernwärme versorgt. Das warme Wasser kommt dann aber nicht aus Afrika, sondern aus den beiden Kempener Blockheizkraftwerken, die die Stadtwerke 1991 und 2014 gebaut haben. Dort wird das Wasser auf 110 Grad erhitzt und in spezielle Stahlrohre gepumpt. Und weil diese große Heizung nicht im Haus, sondern in dem etwas entfernten Kraftwerk steht, heißt die Wärme Fernwärme. Die Stadtwerke bieten ihren Kunden aber schon länger Fernwärme an. 1964, also bevor das erste Blockheizkraftwerk gebaut wurde, begann die Erfolgsgeschichte der Fernwärme. Die Politiker im Stadtrat beschlossen damals, das Neubaugebiet "Neue Stadt" hinter dem "Hagelkreuz" komplett mit Wärme zu versorgen. Die neuen Häuser brauchten also keine Heizung und, was damals noch viel häufiger war, keinen Ofen. Sie konnten an die städtische Fernheizzentrale angeschlossen werden. Diese Heizzentrale, der Vorläufer der heutigen Blockheizkraftwerke, bestand aus zwei Kesseln, die mit Kohlenstaub beheizt wurden. Das reichte aber schon bald nicht mehr aus. Bereits drei Jahre später war ein dritter Kessel erforderlich. "Angefangen haben wir in den 1960er Jahren mit 50 Kunden", erzählt Barbara Brocke von den Stadtwerken, "Mitte der 1970er Jahre waren es schon 20 000 Kunden."

Mit Rüdiger Leibauer, noch heute Leiter des großen Blockheizkraftwerks, kam ein Tüftler zu den Stadtwerken, der in den 1990er Jahren viele Neuerungen einführte. Statt mit Kohlenstaub wurde fortan mit dem umweltfreundlicheren Erdgas geheizt, später wurde die so genannte Kraft-Wärme-Kopplung eingesetzt, bei der die Abwärme, die bei der Stromerzeugung anfällt, zum Erhitzen des Wassers für die Fernwärme genutzt wird. Nach und nach wurden auch die unterirdischen Leitungen modernisiert. 2014 kam aufgrund der großen Nachfrage ein zweites, hochmodernes Heizkraftwerk hinzu. "Fernwärme ist praktisch", sagt Oliver Troost von den Stadtwerken, "sie ist sauber, geruchsfrei und sicher." Es entstehen keine Abgase und kein Ruß, weshalb kein Schornstein benötigt wird. "Und für die Umwelt ist die Fernwärme, besonders wenn sie über die Kraft-Wärme-Kopplung gewonnen wird, auch gut", sagt Oliver Troost.

Quelle: RP
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