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Stadt Kempen
Wenn es in der Bio-Tonne gärt

Stadt Kempen: Wenn es in der Bio-Tonne gärt
Es gibt verschiedene Ausführungen von Mülltonnen für Bio-Abfälle: Diese braune Tonne hat an den Seiten Löcher zur besseren Entlüftung. FOTO: Raupold
Stadt Kempen. In Kempen hat kürzlich ein Feuer in einer Abfalltonne mit Biomüll fast zu einem Großbrand in einem Wohnhaus geführt. Die Feuerwehr konnte Schlimmeres verhindern. Doch wie kann man vorsorgen? Die RP hat Experten befragt. Von Willi Schöfer

Nach den Erkenntnissen von Polizei und Sachverständigem hatte in der vergangenen Woche der Brand eines Wohnhauses am Asternweg im Kempener Ortsteil Kamperlings seinen Ursprung durch den dort in einer Bio-Tonne gelagerten Abfall, hervorgerufen wohl durch eine thermische Reaktion.

Die Selbstentzündung von Bio-Abfällen ist zwar selten, kommt aber hin und wieder vor. Da diese Abfälle leicht zersetzbar sind, könnte es in der Tonne unter ungünstigen Bedingungen Gärungs- und Fäulnisprozesse geben. Dadurch entsteht Wärme. Und da diese nicht im ausreichenden Maße nach außen entweicht, kann dies zu einer starken Erhitzung des organischen Materials und schließlich zur Selbstentzündung führen, so wie unter anderem an Wohnhäusern in Bielefeld oder im hessischen Laisa passiert. Außerdem führt eine unzureichende Belüftung je nach Art des Bio-Abfalls zu extremen Gerüchen.

Damit die Hitze aus den Biotonnen entweichen kann, haben Bauhöfe, Gemeinschaftsbetriebe, so in Willich, oder Entsorger "löchrige Tonnen" geordert beziehungsweise aufgestellt. Das heißt: Durch zahlreiche kleine Löcher in der Tonne erfolgt dann eine Belüftung.

Allerdings wird dies sehr unterschiedlich gehandhabt. "Wir liefern die Tonne, die bestellt wird", sagte zum Beispiel eine Mitarbeiterin der Städtereinigung Gerke, die unter anderem den Bio-Abfall in Willich und Tönisvorst abholt, ihren Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte. Und ihr Kollege, der beim Telefonat seinen Kommentar abgibt, sagt: "Eine Selbstentzündung des Bio-Abfalls ist bei uns noch nie vorgekommen, so etwas gibt es überhaupt nicht."

Die Städtereinigung Schönmackers, die unter anderem in Kempen sowie in den Kreisen Kleve, Wesel und Neuss die Bio-Tonnen anliefert und entsorgt, stellt schon seit vielen Jahren nur dichte Tonnen bereit. "Generell sollen dadurch keine Flüssigkeit oder stinkenden flüssigen Stoffe austreten", erklärte eine Mitarbeiterin des Kempener Entsorgungsunternehmen. Diese Tonne habe sich bewährt, ergänzte sie. Außerdem kämen derartige Zwischenfälle bei den Millionen von aufgestellten Tonnen nur sehr selten vor. Sie rät den Gartenbesitzern, keinen nassen Rasen in das Bio-Gefäß zu pressen und hat einen weiteren Tipp: "Damit die Wärme entweichen kann, sollte man direkt unter dem Deckel der Tonne einen flachen Stein oder einen kleinen Ast legen und so für einen Luftspalt sorgen."

Experten sind sich einig: Eine ausreiche Belüftung muss sichergestellt sein. Außerdem sollte der Bio- und Grünabfall immer locker in die entsprechende Tonne eingefüllt und nicht verdichtet werden. Zu vermeiden sei ferner, dass nicht nur nasser Abfall darin zwischengelagert wird. Die Bio-Tonne sollte schattig stehen.

Zum konkreten Fall am Asternweg in Kamperlings kann auch der Kreis Viersen keine Angaben machen. Auf Nachfrage erklärte Rainer Röder, Amtsleiter Technischer Umweltschutz und Kreisstraßen, dass ihm hierzu wichtige Parameter wie Standort der Tonne, Tagestemperatur oder Inhalt und Menge der Befüllung nicht bekannt seien.

"So etwas, dass der Brand von einer Bio-Tonne ausgeht, hatten wir hier bisher nicht", sagte auf Nachfrage der Rheinischen Post Kempens Wehrführer Franz-Heiner Jansen. Es hatte einmal in Kempen einen größeren Mülltonnen-Brand gegeben. Allerdings standen da mehrere Gefäße nebeneinander. Es wurde nicht weiter geforscht, da sich dieser Brand nicht auf ein Gebäude ausdehnte.

Was alle paar Jahre vorkommt, ist allerdings, ergänzte Jansen, dass sich Landwirte an die Wehr wenden, wenn das gemähte und frische Gras in den Heuschobern sehr heiß wird. "Entweder raten wir dann, das Gras draußen an die Luft zu transportieren oder es gibt bei uns so genannte Löschlanzen, aus denen feinster Wassernebel versprüht werden kann und die dann in den Schobern die heißen Temperaturen etwas herunterkühlen."

Dem Chef der Willicher Feuerwehr, Thomas Metzer, ist ebenfalls kein Fall bekannt, bei dem sich der Bio-Abfall in einer Tonne selbst entzündet habe. Metzer sagte: "Wir hatten aber wohl schon Einsätze, als Komposthaufen brannten oder ein Heuschober, wenn dort vor allem feuchtes Gras lagerte."

Quelle: RP
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