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Stadt Kempen
Wenn es mit der Müllabfuhr nicht klappt

Stadt Kempen. Wolfgang Kühr aus Voesch hat Probleme mit seinen Mülltonnen. Er wohnt im Außenbereich. Die Müllentsorgung ist dort nicht einfach. So genannte Fremdbefüllungen haben zudem zum Entzug der gelben und braunen Tonne geführt. Von Bianca Treffer

Im Gebiet "Zum Bruch" in Voesch wohnt man idyllisch. An den Wirtschaftswegen, die entlang der Felder, Wiesen und Waldstücke führen, liegen vereinzelte Hofanlagen und Häuser. An der Hausnummer 10 geht es sogar noch ein Stück weiter in die Natur hinein. Wer das freistehende Haus erreichen möchte, der muss in einen nicht asphaltierten Weg abbiegen, der ein wenig bergab führt. 150 Meter sind es bis zum Haus, in dem Wolfgang Kühr seit dem Jahr 2005 wohnt. "Vom Wohnzimmerfenster aus können wie die Rehe beobachten. Es wohnt sich hier wirklich schön", sagt Kühr. Die Idylle bringt allerdings auch Probleme mit sich und zwar bei der Müllabfuhr.

Was früher völlig problemlos lief, verursacht seit fast zwei Jahren Ärger, der jetzt eskaliert ist. Kühr besitzt nur noch eine graue Restmülltonne und eine nicht mehr benutzbare grüne Papiertonne. Die gelbe Variante für den Plastikmüll sowie die Biotonne wurden ihm vom Müllentsorger entzogen. Der Ärger begann, als Mitarbeiter der Stadt Kempen sowie des Entsorgungsunternehmens Schönmackers den Kempener aufsuchten und ihm mitteilten, dass die Müllfahrzeuge nicht mehr bis zu seinem Grundstück fahren könnten, da dies zu gefährlich sei. Was Kühr am Anfang für einen schlechten Scherz hielt, bewahrheitete sich. Die Fahrzeuge, die jahrelang entweder rückwärts oder vorwärtsfahrend und an einem Waldweg drehend, seine Tonnen an der Grundstücksgrenze vor seinem Haus abholten, rückten nicht mehr an. "Ich habe gefragt, wie es sein kann, dass die schweren Fahrzeuge, die unser Dreikammersystem leerpumpen, weiterhin problemlos bei uns vorfahren können, dies aber den Müllwagen nicht mehr möglich sein sollte? Wir sind nicht an die Kanalisation angeschlossen und die Entsorgung erfolgt mit entsprechenden großen Fahrzeugen", berichtet Kühr.

Eine Erklärung vom Müllentsorger bekam der Kempener nicht. Stattdessen musste er seine Tonnen den 150 Meter langen, leicht ansteigenden öffentlichen Weg hinaufziehen. Vor dem Hintergrund, dass er gesundheitlich angeschlagen ist und es ihm schwerfällt, die gefüllten Tonnen an Ort und Stelle zu bewegen, beschloss er, sie an der neuen Abholstelle stehen zu lassen. "Die vollen Müllbeutel habe ich immer ins Auto gepackt, und wenn ich einkaufen gefahren bin, hielt ich an und warf sie in meine Tonnen", berichtet er seine Vorgehensweise.

Doch seine Mülltonnen schienen auch fremde Leute. zu interessieren. Die Behälter wurden mehrmals gestohlen. Andere Menschen benutzten sie für die Entsorgung des eigenen Mülls, der ansonsten in der abgeschiedenen Randlage von Kempen womöglich in der Natur gelandet wäre. Wo sie ihren Müll allerdings hineinstopften, war den Unbekannten egal. So landete Hausmüll in der Biotonne, Restmüll in der gelben Tonnen - Hauptsache, der Müll war weg. "Diese Fehlbefüllungen wurden mir zu Last gelegt", berichtet Kühr.

Dazu kommt: Irgendwelche Leute finden es lustig, Mülltonnen nachts hinter Autos zu hängen und mit ihnen über die Wirtschaftsweg zu fahren. "Ich habe meine Tonnen schon auf der Autobahnbrücke gefunden und mit meinem kleinen Transporter nach Hause gefahren", erzählt Kühr. Anfangs erhielt er für die zerstörten oder gestohlenen Tonnen noch Ersatz. Doch damit ist jetzt Schluss. Zudem wurden seine gelbe Tonne und der Behälter für den Biomüll aufgrund der mehrfachen so genannten Fehlbefüllungen vom Müllentsorger eingezogen. "Wie soll ich jetzt entsprechend getrennt entsorgen?", fragt sich Kühr.

Auf Nachfrage der Rheinischen Post hat die Kempener Stadtverwaltung das Problem nun mit der Firma Schönmackers Umweltdienste besprochen. "Dort hat man uns zugesagt, dass eine kostenlose Schlossmontage auf den Tonnen erfolgen soll", sagt Alexandra Arnhold, stellvertretende Amtsleiterin vom Tiefbauamt und unter anderem auch für die Müllentsorgung zuständig. Warum es überhaupt zu der Problematik gekommen ist, kann sie ebenfalls erläutern: Die berufsgenossenschaftlichen Vorschriften haben sich geändert. Den Unternehmen in der Entsorgungsbranche sind entsprechende Empfehlungen zugegangen, die Abfallentsorgung so zu planen, dass unfallträchtiges Rückwärtsfahren vermieden wird. Nach Ansicht des Entsorgungsunternehmens Schönmackers und auch der Stadt Kempen ist die Adresse "Zum Bruch 10" nur per Rückwärtsfahrt für den Müllwagen zu erreichen. Zudem sei die 150 Meter lange Strecke entlang der Wiese auf der einen Seite und dem Wald auf der anderen zu gefährlich. Dennoch will man Kühr nicht mit seinem Entsorgungsproblem alleine lassen, heißt es aus dem Rathaus.

Quelle: RP
 
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