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Stadt Kempen
Wenn jeder seinen Senf dazu geben muss

Stadt Kempen: Wenn jeder seinen Senf dazu geben muss
Volker Weininger stammt aus Waldbröl, wuchs im Rhein-Sieg-Kreis und lebt mit seiner Familie in der früheren Bundeshauptstadt Bonn. FOTO: Dieker
Stadt Kempen. Volker Weininger begeisterte mit seinem Programm "Euer Senf in meinem Leben" das Publikum im Forum St. Hubert. Der Kabarettist, Autor und Büttenredner aus Bonn strapazierte die Lachmuskeln. Von Silvia Ruf-Stanley

Das kennt der Niederrheiner ja bestens: "Von nix 'ne Ahnung, aber zu allem eine Meinung." Kein Wunder, dass der Kabarettist Volker Weininger am Montag- und Dienstagabend mit seinem Programm "Euer Senf in meinem Leben" geradezu offene Türen beim Publikum im St. Huberter Forum einlief.

Volker Weininger, 2014 mit dem renommierten Kabarettpreis "Das schwarze Schaf" ausgezeichnet, macht dem Namensgeber für diesen Preis, dem großen Hanns Dieter Hüsch, alle Ehre. Wie er sieht er die kleinen Dinge im Leben des Einzelnen wie auch die große Welt drum herum. Und nimmt sie gekonnt und pointiert auf die Schippe. Er suche nach Antworten, nach Orientierungsmöglichkeiten, sagte Weininger zu Beginn seines Auftritts in St. Hubert. Aber genau dazu gibt jeder seinen Senf dazu. Weininger hat auch direkt die Erklärung dafür, woher diese Redewendung kommt. Senf war mal so kostbar, dass er zu jedem Gericht, selbst zur Sahnetorte gereicht wurde. Ob die Erklärung stimmt, sei mal dahin gestellt, aber den Senf, den jeder gerne so bereitwillig zu den Befindlichkeiten der anderen hinzu gibt, ist nicht immer willkommen.

Politiker kleben an ihren Sesseln, bestes Beispiel für Weininger Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl. Trotz Steuerskandal eisern verschwiegen zwecks Machterhaltung. Ob eine Annette Schavan, deren Doktortitel wankte und dann schließlich kippte, oder ein Ronald Pofalla, der sich überall einschleimt - niemand ist vor Weiningers Spott sicher. Und dem Gelächter im Publikum nach zu urteilen, spricht er damit aus des Volkes Seele.

Dies tut er übrigens auch in der einzigen Nebenfigur, die er im Laufe seines Programms immer wieder einbaut. Ein gestandener rheinischer Karnevalist, der die Welt über den Rand des Bierglases hinweg analysiert. Dieser betrunkene Karnevals-Bütten-Ton mag nicht jeden im Publikum begeistern. Aber in vielen Dingen steckt doch auch in diesen Texten das berühmte Körnchen Wahrheit und vor allem Wiedererkennen mit dem eigenen Alltag.

Weininger legt ein hohes Tempo vor. Er springt gelassen von einem Thema zum nächsten und erwartet, dass das Publikum mitkommt. Gerade eben hat er noch die Waffenlieferungen an Katar und Saudi-Arabien kommentiert. Die beiden Länder brauchen halt deutsche Panzer, um sich gegen die Gefahr aus dem Irak zu wehren. Der liegt aber über einen weiten Meeresweg entfernt - wozu also Panzer? Und ganz schnell ist Weininger schon dabei, wie viele die Ukraine-Krise erklären wollen. Einen Atemzug weiter geht es in die Adelswelt. "Die Welt ist ein komplexes Tierchen", meinte er am Anfang und am Ende des Programms weiß der Besucher, was er damit gemeint hat.

Gegen Ende des Kabarettabends gibt es vor zwei Zugaben noch einen guten Rat: "Tut was Ihr für richtig haltet, egal wie viel Senf dabei ist." Gut auf jeden Fall, dass dieser Mann seinen Senf nicht für sich behalten hat, sondern bereitwillig mit dem Kempener Publikum teilte. Und wie es schien, hat dieser Abend nicht nur den Besuchern, sondern auch dem Kabarettisten auf der Bühne Spaß gemacht.

Demnächst gastiert Michael Elsner in der Kabarett- und Comedyreihe des Kempener Kulturprogramms mit , "Schlaraffenland - Da kann ja jeder kommen". Termine: Montag, 20. April, und Dienstag, 21. April, jeweils 20 Uhr im St. Huberter Forum.

Quelle: RP
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