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Stadt Kempen
Wenn Kinder unter Scheidung leiden

Stadt Kempen: Wenn Kinder unter Scheidung leiden
Annetraud Hüskes (l.) und Verena Klingen leiten den neuen Kursus, der im März beginnt. FOTO: wolfgang kaiser
Stadt Kempen. Die Katholische Beratungsstelle hat ein neues Angebot für Trennungs- und Scheidungskinder. Der Kursus ist für Sechs- bis Achtjährige konzipiert. Oberstes Ziel ist es, die Kinder zu entlasten. Von Heiner Deckers

Ein neues Angebot für Kinder, die an der Trennung oder Scheidung ihrer Eltern leiden, macht jetzt die Katholische Beratungsstelle am Oedter Pfad. Es ist so eine Art von Premiere, die da Anfang März beginnt: Angesprochen sind diesmal nämlich Kinder von sechs bis acht Jahren, in den bisherigen Kursen waren es Acht- bis Zwölfjährige. "Die jüngeren Kinder leiden genauso an der Situation wie die größeren und müssen aufgefangen werden", sagt Annetraud Hüskes, die die Gruppe gemeinsam mit Verena Klingen leitet.

Viele Eltern sind, das ist die Erfahrung der beiden Sozialpädagoginnen, in einer Trennungssituation vor allem mit sich selbst beschäftigt und haben ihre Kinder nicht im Blick. Die Mädchen und Jungen werden vielfach mit den für sie neuen Gefühlen nicht fertig - sie haben plötzlich Angst, Trauer und Wut. "Alles ist erlaubt", sagt Verena Klingen.

Der Kursus soll über zehn Wochen laufen, die Teilnehmerzahl zwischen sechs und acht liegen. Jeder der Mittwochnachmittage hat ein anderes Thema, da geht es beispielsweise um die persönliche Situation der Kinder und ihre Zukunftswünsche. "Das alles machen wir auf kindgerechte Art, mit Geschichten, Malen und Rollenspielen", sagt Annetraud Hüskes. Das Angebot ist heruntergebrochen auf Kinder mit niedrigem Alter, die in ihrer Entwicklung noch nicht so weit sind.

Kein anderer wisse die Lage so einzuschätzen wie die Kinder selber: "Sie werden daher bei uns als Experten angesprochen und profitieren dabei voneinander." Sie stecken in verschiedenen Phasen der Trennung und können sich gegenseitig unterstützen, zum Beispiel bei den Themen Besuchsregelung und Ferienzeit. "Sie haben das Gefühl, dass sie nicht allein sind", weiß Verena Klingen aus Erfahrung. Bei dem neuen Angebot gibt es auch zwei Termine für Eltern. "Sie sollen wissen, was wir mit ihren Kindern vorhaben", sagt Verena Klingen. Sie erfahren auch, was sie tun sollen und vor allem nicht tun sollen - nämlich vor den Kindern streiten und den anderen schlecht machen: "Eltern bleiben Eltern und haben Elternverantwortung."

Oberstes Ziel der Gruppenarbeit ist es, die Kinder in ihrer Familiensituation zu entlasten. Sie sollen ihre eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen (wieder)entdecken und stärken. Das gelingt erfahrungsgemäß am besten, wenn auch beide Elternteile das Wohl ihres Kindes im Blick haben und möchten, dass sie die Trennung oder Scheidung halbwegs gut verkraften. Am schlimmsten ist für Kinder aller Altersstufen die Vorstellung, ihr vertrautes Umfeld und die Freunde verlassen zu müssen. Eine ganz wichtige Aufgabe für die Eltern, die sich trennen: So zerstritten sie auch sein mögen, sie müssen den Kindern klar machen, dass nicht sie die Schuld tragen, sondern ganz alleine sie als Eltern.

In der vertraulichen Gruppenatmosphäre gelingt es den Kindern besser, die Trennung der Eltern zu beklagen und zu betrauern. Gemeinsam entwickeln sie Techniken und Strategien, mit der Trennung besser zurecht zu kommen. Wobei viele Kinder diese Trennung regelrecht herbeisehnen, weil dann der ewige Streit zwischen den Eltern endlich vorbei ist.

Damit die Kinder herausfinden können, ob sie sich in der Gruppe auch wirklich wohlfühlen, ist die erste Stunde als Schnupperstunde konzipiert.

Informationen gibt es unter Telefon 02152 522 13 oder www.beratung-caritas-ac.de

Quelle: RP
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