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Gemeinde Grefrath
Wenn Sammlerherzen höher schlagen

Gemeinde Grefrath: Wenn Sammlerherzen höher schlagen
Großer Andrang beim Schätztermin für alte Puppen im Dorenburgmuseum (von links): Expertin Karin Schrey mit den Besuchern Harald Stillgen, Stefan Greiner und Silke Hecks. Rechts Sammlerin Bettina Dorfmann. FOTO: Achim Hüskes
Gemeinde Grefrath. Im Niederrheinischen Freilichtmuseum in Grefrath schätzten zwei Puppen-Expertinnen die mitgebrachten Sammlerstücke von Besuchern im Rahmen der aktuellen Ausstellung "Busy Girl". Der Andrang war groß. Von Jannetta Janssen

Bettina Dorfmann und Karin Schrey kennen sich seit fast 15 Jahren und ergänzen sich perfekt. Das Angebot der Spielzeugschätzung nehmen im Grefrather Museum viele Besucher gerne an. Bettina Dorfmann hat die weltweit größte Barbie-Puppensammlung, sie ist aber auch "Barbie-Doktorin" mit eigener "Klinik" in Düsseldorf. Karin Schrey ist Kuratorin und kennt sich bestens mit antiken Puppen aus. Bei der Bewertung hat Anonymität oberste Priorität. Karin Schrey erklärt, warum: "Sie könnten sich im Besitz einer wertvollen Puppe befinden, und das wird diskret behandelt."

Johanna ist früh in die Dorenburg gekommen und stellt vorsichtig ihre Sporttasche auf dem Tisch ab. Darin befindet sich eine alte Puppe. "Ich habe eine Puppe aus Porzellan mitgebracht", erklärt die Zwölfjährige, doch Expertin Karin Schrey muss korrigieren: "Sie ist aus Masse, ich schätze sie wurde in den 1930er- Jahren produziert, der Kopf wurde getrennt vom Körper hergestellt." Johanna ist beeindruckt, denn die Düsseldorferin lobt die sehr gut erhaltenen "Flirting eyes", aber auch den guten Gesamtzustand. Die Puppe gehört nicht dem Mädchen, sondern ihrer Mutter. Die Kuratorin schätzt den Wert der Wagner-und- Zetsche-Puppe auf 180 bis 200 Euro. Die Leidenschaft bei den beiden Schätzerinnen ist deutlich zu spüren. Vorsichtig nehmen sie die zum Teil, sehr alten Puppen und anderen Spielzeuge in die Hand, fühlen über den Stoff und geben schon nach wenigen Augenblicken eine Einschätzung ab.

Karin Schrey erinnert sich an eine französische Bru-Puppe von 1880 und schätzte den Wert damals auf 30.000 bis 40.000 D-Mark. Die Besitzer wären fast vom Stuhl gefallen, sagt sie und lacht. Die Barbie-Puppen in der Ausstellung gehören alle Bettina Dorfmann. Sie besitzt rund 17.000 Stück. Eine Barbie in der Ausstellung "Busy Girl" hat einen ziemlich hohen Wert: Sie trägt einen grünen Zweiteiler aus Samt, darunter einen geringelten Rollkragenpullover. Aktueller Sammlerwert: 1200 Euro. Bettina Dorfmann erklärt den Interessenten, wie man den Wert steigern kann: "Die Barbie darf keine Schramme haben, am besten ist sie noch originalverpackt und sie sollte unbespielt sein", sagt die Expertin. Hier schlagen Sammlerherzen höher. Auch ein Mann, der extra aus Karlsruhe angereist ist, ist leidenschaftlicher Sammler. Manche mögen verdutzt sein: Ein Mann als Puppensammler? Bettina Dorfmann weiß: "Frauen und Männer sammeln gleichermaßen."

Eine ältere Dame packt eine alte Puppe nach der anderen auf den Tisch von Bettina Dorfmann, auch viele Teddybären hat sie mitgebracht. Die Expertin begutachtet die Puppen, gibt die Bären an ihre Kollegin weiter. Am Ende ist die Besitzerin zufrieden: "Bei einigen bin ich positiv überrascht über ihren Wert", verrät die Besucherin und lächelt. Karin Schrey stellt zwei Bären vor sich auf den Tisch. "Sehen Sie den Unterschied?" Und sie beginnt direkt mit der Erklärung: "Clemens-Bär, deutsche Herstellung, Glasaugen, Mohair". Es sprudelt nur so aus ihr heraus. Die Expertin erkennt sofort: Einer hat gerade einmal Flohmarktwert, der andere würde bei Verkauf 80 Euro einbringen.

Der Andrang ist groß, viele nehmen das kostenlose Angebot in der Dorenburg gerne an, warten geduldig und schauen sich interessiert die Ausstellung an. Am Ende gehen einige hochzufrieden wieder heim, andere haben sich mehr erhofft. "Ich sehe diese Puppe jetzt mit ganz anderen Augen", sagt eine Frau. Ob positiv oder doch eher negativ, bleibt ihr Geheimnis.

Quelle: RP
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