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Stadt Kempen
Westöstlicher Dialog über Mystik

Stadt Kempen: Westöstlicher Dialog über Mystik
Pfarrer Michael Gallach, gleichzeitig Vorsitzender des Thomas-Vereins, hatte zum Vortrag ins Gemeindezentrum der Evangelischen Thomaskirche eingeladen. FOTO: WOLFGANG KAISER
Stadt Kempen. Am Thomastag setzte Ilhan Avci von der muslimischen Gemeinde in Kempen die persischen Mystiker des 13. Jahrhunderts, Rumi und Imre, in Verbindung zu Thomas von Kempen. Von Silvia Ruf-Stanley

Der letzte Sonntag stand einmal wieder ganz im Zeichen von Thomas à Kempis. Traditionsgemäß feiert der Kempener Thomasverein am Sonntag nach dem Todestag von Thomas (25. Juli 1471) den Thomastag. Dieses Mal in der evangelischen Thomaskirche. Der Tag begann mit einem Gottesdienst, gefolgt von einem Vortrag von Pfarrer Markus Trautmann zur Verbindung von den Schriften der "Nachfolge Christi" zu Papst Franziskus. Anschließend führte Martina Hirop die Teilnehmer auf den Spuren von Thomas durch die Stadt.

Rund 40 Besucher kamen dann noch einmal am Nachmittag im evangelischen Gemeindezentrum zusammen. Es ging um ein - gerade an diesem Tag, wo in Köln die große Demonstration in Deutschland lebender Türken stattfand - auf einmal sehr aktuelles Thema. "Über Mystik zum Dialog" hieß die Veranstaltung und zog Vergleiche zwischen den Gedanken von Thomas von Kempen und zwei Mystikern aus der muslimischen Welt.

Moulana Dschalaluddin Rumi und Yunus Imre wurden im 13. Jahrhundert in Persien beziehungsweise der Türkei geboren, also rund 100 Jahre, bevor Thomas Hemerken in Kempen zur Welt kam. Drei Blätter mit Zitaten der Mystiker erleichterten die Diskussion darüber. Damit diese besser möglich wurde, gab es gleich zu Beginn die Aufforderung von Gastgeber Michael Gallach zum großen Stühlerücken. So entstand ein Kreis im Gemeindesaal. "Sie haben die Freiheit zu fragen und zu sprechen", sagte er schon in seiner Begrüßung.

Schon wenn man die Textblätter las, stellte man fest, dass es viele Gemeinsamkeiten bei den drei Autoren gibt. Tiefe Lebensweisheit, die mit Gläubigkeit verbunden ist. Ilhan Avci von der muslimischen Gemeinde Kempens fasste es gut zusammen: "Es gibt einen Weg von Herz zu Herz". Er bezeichnete die drei Mystiker als "Geistesbrüder".

Schnell entspann sich ein Dialog in der Gruppe. Es war eine gute Idee, dass die Besucher aufgefordert waren, sich ein Zitat auszusuchen und dazu zu fragen oder zu reden. Allerdings ging es an diesem Nachmittag vor allem um die unbekannteren muslimischen Mystiker. Avci musste viele Fragen beantworten, aber auch Pfarrer Trautmann sowie Propst Dr. Eicker und Pfarrer Gallach. Warum braucht es Mystiker? Trautmann meinte, der Glaube brauche diese Botschafter. Und Eicker ergänzte, dass Religion immer wieder Kritiker brauche.

In den Wortbeiträgen wurde oftmals klar, dass die Besucher von der inneren Einkehr, die sich durch alle Texte zog, angesprochen wurden. Gleichzeitig betonten die Theologen, dass die Mystiker auch die Gemeinschaft brauchen. Avci brachte als Beispiel, dass Rumi viele seiner Gedanken aus dem ganz normalen Dorfleben bezog. Eicker sagte, dass Thomas von Kempen die Klostergemeinschaft brauchte. Allen Mystikern sei wichtig gewesen, dass sie Lehrer gehabt hätten.

Eine interessante Meinung kam schließlich aus dem Publikum. Lukas Gallach meinte, dass die Mystik doch ein "Spagat zwischen Staunen und Suchen, ein Spagat zwischen Ruhe und Trubel" sei. Das wurde von vielen Zuhörern bestätigt. Und auch die Aufforderung zur Menschenliebe gab es in vielen der rezitierten Texten. Am Ende des Nachmittags zog Pfarrer Gallach eine zufriedene Bilanz. Ganz im Sinne von Thomas könne man dankbar sein, in solch ökumenischer Runde in Frieden reden zu können.

Quelle: RP
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