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Stadt Kempen
Wie das Blut Christi: Das erste Osterei war rot

Stadt Kempen: Wie das Blut Christi: Das erste Osterei war rot
Die Sammlerin Monika Lennartz zeigt einen Teil ihrer Exponate zum Thema Osterbräuche im Städtischen Kramer-Museum. FOTO: WOLFGANG KAISER
Stadt Kempen. Die Ausstellung "Osterzeit" im Städtischen Kramer-Museum beleuchtet alte Bräuche von Palmsonntag bis zur Auferstehung. Viele Exponate stammen aus der Sammlung von Monika Lennartz. Von Heribert Brinkmann

Es ist durchaus ein merkwürdiges Gefühl, mitten in der Passions- und Fastenzeit durch eine Ausstellung zur Auferstehung mit jeder Menge Ostereier zu gehen. Aber das kennt man ja auch aus den Supermärkten, wo seit geraumer Zeit bereits Schokohasen und Nougateier angeboten werden. Das Städtische Kramer-Museum stellt mit der Ausstellung "Osterzeit" alte Bräuche und kirchliche Traditionen zwischen Palmsonntag und Auferstehung, vorwiegend aus dem süddeutschen und alpenländischen Bereich, in den Mittelpunkt. Und da in diesem Jahr das Osterfest (27. März) sehr früh ist, wird die Ausstellung bereits jetzt am Sonntag eröffnet.

In einer Hinsicht kann der Besucher dieser Ausstellung bereits jetzt schon eine Art Auferstehung feiern. Denn aus dem Depot des Kramer-Museums ist das expressive Bild "Kreuzabnahme" des Malers Fritz Wingen aus dem Jahr 1927 nach oben geholt worden (2005 gab es eine große Gedächtnisausstellung in Kempen). Wingen ist in Kempen aufgewachsen, nachdem sein Vater, der Lehrer war, 1908 nach Kempen zog. Fritz Wingen wurde Lehrer, hat aber später als freier Maler mehr im Berliner Raum gearbeitet. Er starb 1944 im KZ Majdanek nahe Lublin, wo er noch aus Wachsresten ein Kruzifix formen konnte. Ein Berliner Pfarrer schmuggelte es nach draußen, so dass dieses tiefgläubige Werk im Angesicht des Todes bekannt wurde.

Die Figur des Prager Jesulein, Reproduktion in einem Pappmaché-Ei. FOTO: Kaiser, Wolfgang (wka)

Als Kempener Besucher wird man auch die Nachbildung des Kuhtores mit der Pietà erkennen. Durch diesen nachgebauten Bogen betritt der Besucher die Ausstellung - die natürlich mit der Karwoche und den Marterwerkzeugen Christi beginnt. Der erste Raum ist den vorösterlichen Tagen gewidmet. Zu sehen sind etwa eine große oberschwäbische Eierkrone, die am Palmsonntag durch die Straßen getragen wurde und dann auf dem Land zwischen Wohnhaus und Scheune aufgestellt wurde. Und da zwischen Gründonnerstag und der Osternacht die Glocken schweigen, wurde mit Ratschen oder Klappern zur Messe gerufen. Auch diese Gerätschaften sind zu sehen. Zu den ältesten Objekten der Sammlung gehört eine Station eines schmerzensreichen Rosenkranzes aus dem 18. Jahrhundert, wie sie in Klöstern verbreitet waren. Das Kramermuseum steuert Christus-Gemälde aus dem 16. Jahrhundert bei, etwa die Emmaus-Szene, 1605 vom flämischen Künstler Peter Candid de Witte (1548-1628) gemalt, der in Florenz und München arbeitete.

Im hinteren Saal dreht sich alles um Ostereier. Unter den rund 180 Exponaten finden sich "beschriebene" Eier aus Oberhessen, sorbische Wachs-Batik-Eier und Lackeier aus Russland. Aber erst bei einer Führung kann man lernen, wie die Redewendung "einen Korb geben" bei der Brautwerbung auf dem Land entstand oder wie nach der Aufhebung des Osterzinses in Naturalien (Eier) die Sitte entstand, Ostereier an wichtige Personen zu verschenken. Seit dem 19. Jahrhundert werden Ostereier für alle versteckt.

Quelle: RP
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