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Stadt Kempen
Wie Kempener in Haiti Aufbauhilfe leisten

Stadt Kempen. In der Reihe "Musik in der Thomaskirche" lädt die Evangelische Kirchengemeinde Kempen für kommenden Sonntag, 5. Juni, 17 Uhr, zu einer Lesung mit Pfarrer i. R. Horst Eckel ein. Der Erlös ist gedacht für das Haiti-Projekt des Berufskollegs. Von Silvia Ruf-Stanley

"Glückliche Momente" ist die Lesung mit Gedichten und Geschichten am kommenden Sonntag in der Thomaskirche an der Kerkener Straße in Kempen überschrieben. Da geht es um glückliche Erlebnisse in der Kindheit, um kleine Augenblicke von Glück und der Barmherzigkeit. Wünsche kommen zu Wort genauso wie Bleibendes. Wie immer hat sich Pfarrer Eckel in seiner Auswahl in der ganzen Bandbreite der Dichter und Erzähler bedient. So gibt es geliebte Klassiker genauso zu hören wie auch moderne Autoren. Begleitet wird die Lesung von musikalischen Zwischenstücken. Dafür sorgen Birgit Kühne und Bärbel Niese (Querflöte) sowie Kantorin Stefanie Hollinger an der Orgel.

Die Lesung ist eine Benefizveranstaltung zugunsten des neuesten Vorhabens des Projektes "Schüler bauen für Haiti" von Berufsschulpfarrer Roland Kühne. Gerade erst war er in der Osterzeit wieder mit Schülern in Torbeck. Nach dem verheerenden Erdbeben auf Haiti hatten Schüler gefragt, wie sie helfen könnten. Schnell war die Idee geboren, im wahren Sinne des Wortes tatkräftig zu helfen. In Liamcourt bauten die Schüler ein Lehrerausbildungszentrum auf. Danach folgte seit 2014 in Torbeck der Bau eines Hauses für obdachlose Jugendliche. Dieses ist nun fast fertig. Die letzten Arbeiten übernehmen einheimische Mitarbeiter, berichtet Roland Kühne im Gespräch mit der Rheinischen Post.

Doch schon gibt es eine neue Idee. Ein kleines Waisenhaus für Kinder soll entstehen, am besten kombiniert mit einer Vorschule für drei- bis sechsjährige Kinder sowie einer Medizinstation. Denn medizinische Betreuung gibt es im Hinterland des Inselstaates so gut wie gar nicht und sie ist für die arme Bevölkerung auch nicht bezahlbar. Beim jüngsten Besuch in den Osterferien erlebten die Schüler aus Kempen dies selbst. Ein Junge wurde von Tag zu Tag schwächer, aber das nächste Krankenhaus war weit entfernt. Schließlich finanzierte Roland Kühne aus den Spenden des Projektes die Fahrt zum Krankenhaus und den dortigen Arztbesuch. Es stellte sich heraus, dass der Junge sowohl an Tuberkulose als auch an HIV erkrankt war.

Die beiden Bauprojekte der Kempener stehen übrigens sehr eng in Verbindung zueinander. Frauen aus Torbeck sollen im Ausbildungszentrum in Liamcourt Montessoripädagogik für die Arbeit in der Vorschule lernen. Das alles motiviert die Schüler vom Rhein-Maas-Berufskolleg in Kempen immer wieder, nach Haiti zu reisen und dort zu helfen. Inzwischen haben sich schon engere Kontakte ergeben, erzählt Berufsschulpfarrer Kühne. Und so kam auch die Idee auf, drei Haitianern eine Möglichkeit der Ausbildung in Deutschland zu geben. "Wir arbeiten eng mit Jean-Rene Simon, Jean Romain Avril und Milca Dieujuste zusammen und haben sie als sehr engagierte Menschen kennen gelernt", sagt Roland Kühne. Der 42-jährige Avril möchte nun in Deutschland in einem Installationsbetrieb sein Wissen erweitern, Simon (38) will gerne in der Landwirtschaft lernen, und der Wunsch von Dieujuste ist eine Ausbildung in der Kinderkrankenpflege. Wegen eines Praktikums für die 25-Jährige ist Roland Kühne derzeit im Gespräch mit dem Johanniter-Krankenhaus in Bonn. "In Kempen gibt es viele Betriebe, die unser Haiti-Projekt unterstützen, so dass wir auch für die beiden Männer schnell Praktikumsplätze finden werden", meint Roland Kühne.

Schwierig wird es, die nötigen Visa zu beschaffen. Denn dafür müssen die drei in die benachbarte Dominikanische Republik fahren. Nicht nur das kostet Geld, sondern auch die notwendigen Fotos für die Visa. Dafür sowie für die Reise der drei Haitianer an den Niederrhein bitten Pfarrer Kühne und die Evangelische Kirchengemeinde Kempen nun um Spenden. Für den Flug nach Deutschland rechnet der Pfarrer mit Kosten von etwa 800 Euro pro Person. Die Krankenversicherung von 100 Euro pro Kopf und Monat für die drei Haitianer will die Evangelische Kirchengemeinde Kempen übernehmen. Die Gemeinde hat ebenso die für die Visa notwendigen Empfehlungsschreiben und Einladungen für Milca Dieujuste, Jean-Rene Simon und Jean Romain Avril geschrieben.

Damit sie am Niederrhein viel lernen, sucht der Pfarrer ehrenamtliche Dolmetscher, die gut und gerne französisch sprechen. Dolmetscher und Dolmetscherinnen, Spenderinnen und Spender sowie an dem Hilfsprojekt Interessierte können sich gerne bei Pfarrer Roland Kühne unter Ruf: 02152 557094 melden.

Quelle: RP
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