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Reihe Denkmalschutz
Wie rettet man ein denkmalwürdiges Parkett?

Reihe Denkmalschutz: Wie rettet man ein denkmalwürdiges Parkett?
Denkmalschützer Gerhard Hanisch bei der Begehung der Häuser Lange und Esters. Das Parkett, sagt er, sei "unser Sorgenkind". FOTO: Lammertz Thomas
Kempen. Die Krefelder Museumsvillen Haus Lange / Haus Esters werden restauriert. Allein die Rettung des einzigen Parketts, das noch auf Mies van der Rohe zurückgeht, ist ein Krimi. Von Jens Voss

KREFELD Gar nicht so einfach, ihn zu erwischen, diesen Moment, in dem der Blick vom Ganzen ins Detail kippt: Denn die Magie der Räume in den Häusern Esters / Lange ist ungebrochen. Proportionen, Blickführung, Öffnung nach draußen, das ganze Körpergefühl in diesen kubischen Gesamtkunstwerken umfängt einen - bis der Blick dann doch wie unter einer Lupe ins Kleine geführt wird. Plötzlich sieht man, wie verwundbar und verwundet Krefelds Mies-van-der-Rohe-Welthäuser sind. Zum Beispiel das Parkett: "Es ist der einzige von Mies original verlegte Parkettboden, der erhalten ist", sagt Gerhard Hanisch von der Krefelder Denkmalbehörde, "die Frage ist: Wie schaffen wir es, dieses Parkett für die Zukunft zu sichern."

Diese Hausaufgabe hat es in sich: Einfach abschleifen und lackieren ist keine Option, weil es gilt, die Substanz zu erhalten. Das Parkett ist ohnehin teilweise so dünn, dass jeder neue Schleifvorgang einer Zerstörung gleichkäme. Schon 1998 bei der letzten Sanierung der Häuser wurde aus diesem Grunde auf das Abschleifen der Böden aus Eiche und Nussbaum verzichtet.

Das Parkett ist nur ein Projekt. Das kostbare Villen-Ensemble wird im Rahmen des Programms "Nationale Projekte des Städtebaus" für rund 700.000 Euro saniert und restauriert. Bei einem Ortstermin zur Vorsondierung hat sich geballte Fachkompetenz versammelt: Neben Hanisch und Eva-Maria Eifert von der Unteren Denkmalbehörde gehören der Architekt Marcus Wrede, Klaus Palm vom Städtischen Gebäudemanagement und die Restauratoren Werner Schorlemmer und Norbert Engels - Holzexperten und in Diensten des Landschaftsverbandes Rheinland - zu einem Team, das die Villen begutachtet. Im Verlauf der Sanierung werden noch weitere LVR-Experten einbezogen - Experten etwa für Farbe und Metall. Der Parkettboden ist eins von vielen Themen oder, wie Denkmalschützer Hanisch sagt - "unser großes Sorgenkind". Wie schützt man Parkett im Sinne des Denkmalschutzes? In dem Villen-Ensemble ist der Boden normalen Belastungen ausgesetzt: Ausstellungseröffnungen zum Beispiel, bei denen die Gäste auch schon mal aus dem Haus in den Garten und zurück wechseln. So gibt es Kratzer, Druckspuren und Ausbleichungen durch Licht - all das, was man auch aus jedem Parkettwohnzimmer kennt. Nur dass man hier in einem einmaligen Stück Weltarchitekturgeschichte steht. Wie also konserviert und restauriert man den so von Gebrauchsspuren angegriffenen Boden? Im Gespräch fallen zunächst Optionen, die nicht in Frage kommen: Eine Glasplatte über allem zum Beispiel. "Niemand weiß, welches Mikroklima darunter entstehen würde und welche Auswirkungen das auf den Boden hätte", sagt Restaurator Schorlemmer. Auch moderne Zwei-Komponenten-Lacke kommen nicht in Frage: "Sie sind extrem hart, aber nicht reversibel", sagt Schorlemmers Kollege Engels - sprich, man kann sie nicht mehr entfernen, und das ist Restauratoren mit Blick auf kommende Generationen ein Graus.

Zudem werden auch die härtesten Lacke irgendwann brüchig und grau - der optische Eindruck wäre nach 15, 20 Jahren verheerend, "und dann droht der Totalverlust".

Was ist mit Filzpantoffeln für die Besucher, wie man es aus Schlössern mit Parkett-Intarsien kennt? Viele Schlösser seien von der Methode wieder abgekommen, berichtet Schorlemmer. Wenn sich doch ein Steinchen unter einen Pantoffel verirrt - und es verirrt sich immer ein Steinchen unter den Pantoffel -, ist der Schaden beim schlurfenden Gang des Besuchers enorm, viel schlimmer, als würde der Pantoffelträger ohne Pantoffeln normal laufen. Vielleicht muss man also über die Option nachdenken, die Böden nach einer wie auch immer erfolgten Auffrischung bei Veranstaltungen durch Teppiche zu schützen. Denn: "Die Originalsubstanz steht an oberster Stelle", sagt Hanisch über eines der zentralen Prinzipien des Denkmalschutzes.

Entschieden wird noch nichts an diesem Tag. Restaurator Schorlemmer entnimmt vorsichtig eine Lackprobe vom Parkett, um analysieren zu können, womit man es zu tun hat. Erst danach beginnt die fachliche Arbeit der Experten, um auf die Ausgangsfrage zu antworten: Wie schaffen wir es, dieses Parkett für die Zukunft zu sichern?

Quelle: RP
 
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