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Kreis Viersen
Wie Teilzeitlehre Alleinerziehenden hilft

Kreis Viersen. Die Viersenerin Davina Zerreßen macht eine Ausbildung im Café Kerskens, aber nur 34 Stunden pro Woche. Die Arbeitsagentur will mehr Arbeitgeber im Kreis Viersen davon überzeugen, Auszubildende in Teilzeit einzustellen. Von Bianca Treffer

Davina Zerreßen ist Auszubildende zur Bäckereifachverkäuferin im zweiten Jahr. Eine ganz normale Ausbildung - und doch ist es in ihrem Fall etwas Besonderes. Die 30-Jährige absolviert ihre Lehre in Teilzeit. Statt einer 40-Stunden-Woche ist es bei ihr eine 34-Stunden-Woche. "Ich bin alleinerziehend. Ohne die Teilzeitausbildung könnte ich gar keine Lehre machen", sagt die Viersenerin. "Es sind zwar nur einige Stunden weniger als normal, aber mir helfen sie, meinen Alltag mit Tochter und Ausbildung zu bewältigen."

Zerreßen hatte nach dem Hauptschulabschluss ohne Ausbildung gejobbt, wurde dann schwanger. Für sie ist es ein Neustart ins Berufsleben - dank dem regionalen Netzwerk Teilzeitberufsausbildung und Armin Houben von Café Kerskens. Houben erklärte sich bereit, eine solche Art der Ausbildung anzugehen, bei der der Berufsschulpart ungekürzt bleibt, aber die Ausbildung im Betrieb reduziert wird. "Wir kriegen es gut hin. Es ist alles eine Sache der Absprache", sagt der Geschäftsinhaber. Nur wenige Unternehmen trauen sich, diesen Schritt zu machen, von dem Alleinerziehende und Menschen, die einen pflegenden Angehörigen betreuen, profitieren. Gerade einmal 0,4 Prozent aller Lehrlinge sind Teilzeit-Azubis.

"Wir betreuen allein 229 Alleinerziehende unter 25 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung", sagt Franz-Josef Schmitz, Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Viersen. "Viele denken bei Teilzeitarbeit an das Zeitfenster von 8 bis 12 Uhr. Aber dem ist nicht so", erklärt Anja Loeff, Beauftrage für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt. Die Arbeitszeit reduziere sich auf maximal 75 Prozent, ansonsten verlängert sich die Ausbildungszeit um ein Jahr. Die Ausbildungsvergütung könne entsprechend der Reduzierung angepasst werden.

Das Modell Teilzeitberufsausbildung komme langsam in das Bewusstsein der Arbeitgeber, sagt Nicole Rottes vom Bildungszentrum der Kreishandwerkerschaft. In Viersen unterstützen dabei unter anderem die Regionalagentur Mittlerer Niederrhein, das Bildungszentrum der Kreishandwerkerschaft Niederrhein und das Jobcenter Kreis Viersen. Sie sind Partner des "Regionalen Netzwerks Teilzeitberufsausbildung", in dem weitere Arbeitsmarktakteure wie etwa alle regionalen Agenturen für Arbeit und Jobcenter sowie Kammern aktiv sind. Das Bündnis verfolgt das Ziel, die Teilzeitberufsausbildung und deren Chancen insgesamt bekannter zu machen.

"Wir wollen besonders jungen Eltern Mut machen. Eine abgeschlossene Ausbildung ist für ein erfolgreiches Berufsleben maßgeblich und ist die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit", sagt Anja Loeff, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt des Jobcenters Kreis Viersen. Durch eine individuell angepasste vollzeitnahe Ausbildung erhielten auch Mütter und Väter die Chance, einen Berufsabschluss zu erreichen.

Armin Houben hat die Entscheidung, Davina Zerressen eine Chance zu geben, noch nie bereut. Er würde es jederzeit wieder tun. "Ich habe lieber jemanden in Teilzeit, dem die Arbeit Spaß macht, als jemanden, der zwar Vollzeit da ist, aber die Möglichkeiten nicht erkennt, die eine Ausbildung mit sich bringt", sagt der Viersener Geschäftsmann.

Quelle: RP
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