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Stadt Kempen
Willkommenslotsen für Flüchtlinge

Stadt Kempen: Willkommenslotsen für Flüchtlinge
Sie haben viele Probleme erkannt und fungieren mithilfe der IHK künftig in Kempen als Willkommenslotsen für Flüchtlinge. FOTO: wolfgang kaiser
Stadt Kempen. Noch haben es Flüchtlinge schwer, eine Arbeits- oder Ausbildungsstelle zu bekommen. Es gibt viele Hemmnisse, beispielsweise die Sprache. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) hilft dabei mit, die Lage zu verbessern. Von Wiili Schöfer

Auf dem neuen Flyer der IHK lacht ein junger Mann, der offensichtlich ausländische Wurzeln hat. Über dem Bild steht "Willkommenslotsen - Für eine erfolgreiche betriebliche Integration von Flüchtlingen". Seit April dieses Jahres gibt es auch für den Kreis Viersen mit Lawin Osman einen entsprechenden IHK-Fachberater, der die Asylbewerber schneller als bisher in eine Ausbildung führen möchte. Jetzt wurde das Projekt in der Johannes-Hubertus-Schule in St. Hubert vorgestellt.

Vielen Flüchtlingen, die seit langem in Deutschland wohnen, Deutsch lernen und hier arbeiten wollen, dürfte das Lachen bei den vielen Hemmnissen, bei der Bürokratie, den unterschiedlichsten Sprach-Leistungskursen oder ihrer Hoffnung auf Arbeit sicherlich vergangen sein. Es soll besser werden. "Wir haben einmal viele Betriebe und Unternehmen gefragt, ob sie sich vorstellen können, dass bei ihnen ein Asylbewerber ausgebildet wird und haben bislang viel positive Reaktionen bekommen, so unter anderem von den Stadtwerken in Kempen", sagt eingangs Lawin Osman, der selbst irakische Wurzeln hat.

Der neue Fachberater weist auf den Integrations Point der Arbeitsagentur hin, die es sich zum Ziel gesetzt hat, mit für eine schnelle Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt zu sorgen. Und damit dies zukünftig effektiver und schneller passieren kann, bietet die IHK ihre Hilfestellungen aus. Osman: "Die Flüchtlinge sollen mir ihre Lebensläufe und ihre beruflichen Vorstellungen schicken, damit in Gesprächen mit den Betrieben festgestellt werden kann, ob dies passt oder nicht." Der Berater weist in dem Zusammenhang auf eine besondere Einstiegs-Qualifikation hin: auf ein sechs- bis zwölfmonatiges Praktikum, das von der Arbeitsagentur gefördert wird. "Eine gute Sache, dann können beide Seiten feststellen, ob es zu einem Ausbildungsvertrag kommen soll", sagt Theo van Treeck, der bei der Stadt Kempen für die Betreuung der Flüchtlinge zuständig ist.

Oft scheitert die Arbeitsaufnahme aber an den fehlenden Sprachkenntnissen und auch daran, dass es bei den Integrationskursen mit den unterschiedlichsten Niveaus nicht vorangeht. So berichtete der 19-jährige Asim Kahn aus Pakistan, der seit 17 Monaten in einer St. Huberter Unterkunft lebt, dass er zwar den Anfängerkurs A 1 gemacht habe, aber für ihn bislang kein Platz für den notwendigen Aufbaukurs gefunden worden sei. "Ich möchte gerne arbeiten, auch ein Praktikum wäre okay", meinte Asim. "Dies könnte so ein Fall für uns sein, schicken Sie mir mal Ihren Lebenslauf", bietet ihm der "Willkommenslotse" an.

Andere in der Runde, darunter weitere Vertreter des Kempener Jugendamtes und des SKM, wünschen ebenfalls schnellere Hilfen. Und zum Beispiel bessere Informationen darüber, wie sich die Integrationskurse mit den Langzeitpraktika vereinbaren lassen oder was die jungen Leute verdienen können, damit ihnen nicht andere Hilfen, so der Mietzuschuss, gestrichen würden. Von diesen Sorgen berichtete Christa Kadagies, die sich derzeit ehrenamtlich um acht Flüchtlinge in Kempen kümmert. "Auch uns werden immer mal wieder Fragen zur betrieblichen Ausbildung gestellt", sagen übereinstimmend Hedwig Stirken und Claudia Stox von der Freiwilligen Agentur in Kempen.

Zukünftig soll dazu von der IHK mehr informiert werden. Hingewiesen wurde noch darauf, dass einige Betriebe selbst intensive Deutsch-Kurse anbieten würden. Und der Ehrenamts-Koordinator der Stadt Kempen, Barne Norlander, führte unter anderem aus, dass es gelingen muss, dass die Flüchtlinge nicht nur bei den Kursen Deutsch sprechen, sondern auch in ihrer Freizeit. Von daher arbeite er weiter daran, Kontakte mit Vereinen und anderen Gemeinschaften herzustellen. Zum Gespräch erschien auch der 52-jährige Morteza Dastsari aus St. Tönis. Er war bereits 1994 nach Deutschland gekommen, besitzt die deutsche und iranische Staatsangehörigkeit, und hatte zuletzt bis zur Insolvenz der Firma dort zehn Jahre lang als Maschinenbauer gearbeitet. Jetzt macht er bei der Stadt Kempen ein Bundesfreiwilligenjahr, hilft dabei ehrenamtlich den Flüchtlingen und sagt. "Du hast hier in Deutschland keine Chance, wenn du die Sprache nicht beherrschst."

Quelle: RP
 
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