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Kempen
Wirtschaft ist vorsichtig optimistisch

Kempen: Wirtschaft ist vorsichtig optimistisch
FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Kempen. IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz widerspricht der Prognose von Krefelds DGB-Chef Ralf Köpke, die Industrie in der Seidenstadt werde in diesem Jahr weitere 500 Stellen abbauen. Gestern stellte Steinmetz Ergebnisse der Konjunkturumfrage vor. Von Norbert Stirken

Vorsichtig optimistisch blickt die Wirtschaft in Krefeld auf die kommenden Monate. Rund 35 Prozent der Unternehmen in der Seidenstadt bezeichnen die Lage als gut, nur 14 Prozent als schlecht. Das geht aus einer aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern Düsseldorf und Mittlerer Niederrhein unter mehr als 900 Betrieben mit 80.000 Beschäftigten hervor.

Obwohl die Industrie nicht mehr wie in den zurückliegenden Jahren Taktgeber der Aufwärtsentwicklung ist - diese Rolle hat das Baugewerbe sowie die Dienstleistungswirtschaft übernommen - ist es für Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, ein Rätsel, wie die Gewerkschaft in Krefeld zu der pessimistischen Prognose komme, der zufolge die Industrie in Krefeld in diesem Jahr weitere 500 Stellen abbaue. "Die Ansichten des Krefelder DGB-Vorsitzenden Ralf Köpke erschließen sich mir nicht", sagte Steinmetz. Solche Annahmen würden durch die Ergebnisse der IHK-Umfrage nicht gestützt, betonte er.

Gleichwohl sei die Industrie in Krefeld starken Risiken ausgesetzt. Mit einer Exportquote von mehr als 50 Prozent drohe ihr von Seiten der Politik Ungemach. Sollten die Grenzen wegen der Flüchtlingsthematik im Schengenraum wieder geschlossen und kontrolliert werden, würde das zu spürbaren Einbußen bei den exportstarken Unternehmen führen. Dessen ungeachtet rechnen die Verantwortlichen in den Konzernen für 2016 mir einer "leicht steigenden Exportnachfrage". Das trifft insbesondere auf die Ernährungsbranche und die chemische Industrie zu. Im Gegensatz dazu habe sich das Geschäftsklima bei den Metallerzeugern merklich eingetrübt.

Diesmal ist es vor allem die Inlandsnachfrage im Bausektor sowie im Groß- und Einzelhandelsbereich, die als Konjunkturmotor antreibt. Niedrige Zinsen und ein gestiegener Bedarf an Wohnungen auch für die Unterbringung der vielen Flüchtlinge sorgen in der Branche für volle Auftragsbücher.

Für die Industrie entstünden daraus durchaus auch Probleme, erklärte Gregor Berghausen von der IHK Düsseldorf. Brachflächen gingen verloren, und Wohngebiet rückten immer näher an produzierendes Gewerbe heran. Das führe zu Konflikten, sagte er. Steinmetz kam dabei auf das Projekt Rheinblick am Uerdinger Rheinufer zu sprechen. Das ambitionierte Vorhaben mit hoher städtebaulicher Qualität soll in unmittelbarer Nachbarschaft zum Chempark entstehen. Die Currenta als Betreiber des Chemparks sorgt sich um die Entwicklungsmöglichkeiten am Standort. "Die Stadt ist gut beraten, dort für eine gute Trennung von Arbeiten und Wohnen zu sorgen, damit alle zu ihrem Recht kommen", sagte Steinmetz. Wohnen am Wasser finde auch er schick. Doch lege er sich für die Interessen der Betriebe ins Zeug. Die böten Arbeitsplätze und zahlten nicht unerhebliche Gewerbesteuer an die Stadt Krefeld. Der Hafen in Neuss liefere ein Beispiel, wie es zu Konflikten kommen könne. Das Problem seien nicht etwa unzureichende Normen im Bau- und Planungsrecht, sondern die Individualinteressen der zukünftigen Anwohner, urteilte Berghausen.

Die Investitionstätigkeit der Unternehmen für dieses Jahr erfolgt, aber nur zögerlich. Dies liegt auch an der nur durchschnittlichen Kapazitätsauslastung der Industrie, die sogar in geringem Umfang rückläufig ist. Die Auslandsinvestitionen dagegen gewinnen wieder leicht an Bedeutung. Die Unternehmen investieren in den Ausbau des Vertriebs sowie der Erschließung neuer Märkte.

Erfreulich ist, dass nahezu alle Wirtschaftszweige von einem anhaltenden Beschäftigungsanstieg ausgehen. "Doch wird dies kein Selbstläufer", gibt Berghausen zu bedenken. "Denn gut 40 Prozent aller Unternehmen haben Schwierigkeiten, vorhandene Fachkräftestellen zu besetzen. Am kritischsten ist die Lage auf dem Bau, bei dem diese Quote sogar bei 55 Prozent liegt."

Die Beschäftigung von Flüchtlingen dürfte kurzfristig kaum Auswirkungen auf den Fachkräftemangel haben. Denn ohne eine vorherige Vermittlung ausreichender Sprachkenntnisse und Mindestqualifikationen sehen die Betriebe keine Beschäftigungschancen. Insgesamt erwartet nur ein Drittel, dass mit der Zuwanderung asylsuchender Menschen mittelfristig der Fachkräftemangel wenigstens abgemildert werden kann. "Ein Drittel ist gegenteiliger Ansicht.

Die Konjunkturumfrage steht zum Download unter: www.mittlerer-niederrhein.ihk.de/6934

Quelle: RP
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