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Stadt Kempen
Wo Ausländer einen Arbeitsplatz finden

Stadt Kempen: Wo Ausländer einen Arbeitsplatz finden
Die Mitarbeiter Frank Krupka (links) und Detlef Pachke (2.v.l.) demonstrieren den ausländischen Gästen einen speziellen Herstellungsschritt bei der Produktion der Lackwerke Peters in Kempen. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Kempen. Die Lackwerke Peters in Kempen hatten gestern ausländische Besucher zu Gast. Sie besuchen einen Integrationskursus der Volkshochschule Mönchengladbach. Peters-Geschäftsführer Ralf Schwartz gab ihnen Tipps für die Jobsuche. Von Willi Schöfer

Es war ein Pilotprojekt, das sich künftig auch auf die aktuellen Asylbewerber übertragen lässt. Etwa 20 Ausländer, die größtenteils schon vor Jahren aus der EU aber auch aus Pakistan oder Syrien nach Deutschland gekommen waren, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern, schauten sich gestern die Lackwerke Peters in Kempen an. Es waren allesamt junge Menschen aus Mönchengladbach und Rheydt, die an einem so genannten Integrationskursus der Volkshochschule (VHS) der Stadt Mönchengladbach teilnehmen und in Kürze den für Migrantinnen und Migranten angebotenen "Deutschtest für Zuwanderer" machen wollen.

Für den Kontakt zum Kempener Unternehmen hatten junge Dienstleister, Banker oder Unternehmensmitarbeiter gesorgt, so unter anderem Dirk Peters oder Joachim Köllmann, die als die "Mönchengladbacher Wirtschaftsjunioren" die jungen Leute begleiten. Vor allem kannten dieses Junioren den Vorsitzenden der Unternehmerschaft Niederrhein, der zugleich seit etwa 28 Jahren der Manager und Geschäftsführer der Lackwerke Peters ist: Ralf Schwartz.

In zwei Gruppen wurden die jungen Leute von Ralf Schwartz und vom Prokuristen Michael Müller durch das Unternehmen geführt. Sie lernten dabei die Büros der Kundenbetreuer, Schlosserei, Labor, das Rohstofflager oder den Versand kennen. "Ich möchte gerne Elektrotechnik studieren", sagte schon in relativ gutem Deutsch der 20-jährige Sergiu Tescut, der in Rumänien sein Abitur gemacht hatte und seit sieben Monaten in Rheydt lebt. "Ich möchte auch einmal Elektroingenieur werden, interessiere mich erst einmal für einen Praktikumsplatz", meinte Nouman Mehmood, ein 25-Jähriger aus Pakistan.

"Ich bemühe mich, langsam und deutlich zu sprechen", sagte bei der Präsentation des Unternehmens, das seit 1984 in Kempen beheimatet ist und im Gewerbegebiet am Hoogheweg 165 Mitarbeiter beschäftigt und dort unter anderem eine Produktions- und Lagerfläche von rund 7200 Quadratmetern hat, der Geschäftsführer. Schwartz führte aus, dass das Kerngeschäft die Fertigung von so genannten Leiterplatten sei. Also von kleinsten elektrisch isolierendem Material, das sich unter anderem in Kraftfahrzeugen, Handys oder in Fernsehgeräten befindet; auch Schutzlacke für LED-Produkte kommen aus der Thomasstadt.

"Ohne unsere Arbeit würde zum Beispiel kein Mercedes funktionieren", erklärte Schwartz. Den Umsatz aus 2015 bezifferte er auf rund 25 Millionen Euro. Größte Abnehmer seien Firmen in Deutschland (zu 43 Prozent), Europa (26) und Asien (20). Unter anderem arbeiten die Lackwerke, die 65 Auslandsvertretungen haben, für Bosch, Siemens, Philips, VW, Boeing und sogar für die Nasa. So findet man in einer Raumsonde auf dem Mars eine Leiterplatte aus Kempen. Die jungen Leute wollten natürlich wissen, welche Ausbildungsmöglichkeiten sie dort haben.

Schwartz erinnerte an die vielen Kooperationen, so mit dem Kempener Luise-von-Duesberg-Gymnasium oder mit der Hochschule Niederrhein. "Jederzeit können sie bei uns ein Praktikum machen", meinte er. Vor allem sei es in der Vergangenheit sehr schwer gewesen, junge Menschen für den zweijährigen Ausbildungsberuf einer Produktionsfachkraft Chemie zu finden. Darüber hinaus würden Fachkräfte fehlen. Vor allem in einigen Jahren, wenn aufgrund des erreichten Alters viele Mitarbeiter ausscheiden.

Derzeit sind bei den Lackwerken acht Auszubildende beschäftigt. Zuletzt wurden zwei neue Bürokaufleute und ein Auszubildender für den IT-Bereich eingestellt. Wie sind die Einstellungsvoraussetzungen, etwa für einen Industriekaufmann? Die Antwort von Schwartz: "Mittlere Reife wäre gut." Wichtig seien die deutsche Sprache, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Und was verdient man als Fachkraft? Schwartz: "Bei uns ist der Mindestlohn kein Thema, 14 Euro die Stunde sind die unterste Grenze."

Mit einer Fülle von Eindrücken verließen die jungen Leute das Werk. Einige werden wohl dort bald ein mehrwöchiges Praktikum machen. Die VHS Mönchengladbach macht mit ihren Integrationskursen weiter. Nach den Sommerferien soll ein neuer Lehrgang beginnen.

Quelle: RP
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