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Stadt Kempen
Wo es in der Kempener Verwaltung hakt

Stadt Kempen: Wo es in der Kempener Verwaltung hakt
Bürgermeister Volker Rübo (rechts) und Sozialdezernent Michael Klee führten Regierungspräsidentin Anne Lütkes (2.v.r.) und ihre Mitarbeiterinnen am 20. April durch die für die Flüchtlingsbetreuung genutzten Räume der ehemaligen Johannes-Hubertus-Schule. Viel ist dort seitdem baulich nicht passiert. FOTO: Lübke
Stadt Kempen. Etliche Projekte in der Thomasstadt kommen nur schwer in die Gänge. Die Mitarbeiter in der Verwaltung scheinen überlastet. Immer mehr externe Büros müssen ran. Welche Erkenntnisse kann die Organisationsuntersuchung liefern? Von Andreas Reiners

Besucher von Veranstaltungen im Kulturforum Franziskanerkloster waren in den vergangenen Wochen nicht zu beneiden. Rührte sie beispielsweise in der Pause eines Konzerts, das in der Paterskirche gegeben wurde, allzu sehr ein menschliches Bedürfnis, mussten sie im wahren Sinne des Wortes austreten. Der Weg führte sie vor die Kirche, weil dort gleich nebenan im Schatten der Klostermauer mit Blick auf die Burgwiese ein gewisser Lemi seine Dienste im Auftrag der Stadt anbot. Zwei schnöde Toilettenwagen - einer davon zumindest für Rollstuhlfahrer geeignet - mussten herhalten, damit der kulturbeflissene Konzertbesucher sein kleines oder großes Geschäft erledigen konnte. Denn die neuen Toiletten im Kloster waren noch nicht fertig. Fertig ist auch noch nicht der Kreuzgang, der im Zuge der Umgestaltung des Kramer-Museums aufgefrischt werden soll. Auch der Eingang zum Museum gleicht weiterhin einer Baustelle. Kulturamtschefin Dr. Elisabeth Friese und ihrem Team ist die ganze Sache inzwischen schon peinlich, wenn sie darauf angesprochen werden. Im November, so heißt es weiterhin, soll alles fertig sein, was eigentlich schon in den Sommerferien abgeschlossen sein sollte.

Als Begründung für die Zeitverzögerung wird - auch bei anderen Projekten - hinter mehr oder weniger vorgehaltener Hand die Arbeitsüberlastung im städtischen Hochbauamt genannt. Das musste zuletzt vor allem Unterkünfte für Flüchtlinge planen. Am Schmeddersweg sollte beispielsweise ein Containerdorf für die Asyl suchenden Ausländer gebaut werden, die Kempen zugewiesen werden. Wenige Wochen später hieß es mal eben: "Kommando zurück!" Statt mobiler Wohnheime soll es zwischen Sporthotel und Reithalle jetzt zwei feste Häuser im rustikalen Schwedenstil geben. Inwieweit das Hochbauamt mit der neuen Planung betraut ist, ist unklar.

Besucher von Konzerten in der Kempener Paterskirche, die zur Toilette müssen, müssen seit Wochen mit provisorischen Toilettenwagen vorliebnehmen. Der Umbau der alten Toiletten ist noch nicht abgeschlossen. Statt der beiden Container steht inzwischen neben dem Eingang zur Paterskirche nur noch eine mobile WC-Einheit. FOTO: Wolfgang Kaiser

Genauso unklar ist, warum die Umgestaltung des Begegnungs- und Integrationszentrum in der früheren Johannes-Hubertus-Schule nicht so wirklich vorankommt. Vor sechs Monaten überreichte die Düsseldorfer Regierungspräsidentin Antje Lütkes bei ihrem Besuch im Kendeldorf den Bewilligungsbescheid für die Fördermittel an einen sichtlich stolzen Bürgermeister Volker Rübo. Der Glanz des Augenblicks färbte auch auf Sozialdezernent Michael Klee ab. Er war es schließlich, der quasi übers freie Wochenende ein Konzept für das Begegnungs- und Integrationszentrum ausgearbeitet hatte, mit dem Kempen die Fördermittel beantragen konnte und schließlich auch bewilligt bekam. Kürzlich musste sich Klee bei einem Treffen von ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern im alten Schulgebäude entschuldigen, dafür, dass der Zentrum noch nicht fertig ist. Das Hochbauamt sei überlastet, habe sich über die Sommermonate eben mit der Planung für die Flüchtlingsunterkünfte beschäftigen müssen.

Dass das Hochbauamt personell dünn besetzt ist, ist bekannt. Neues Personal, das die Politik seit Jahren für das Bauamt fordert und das sich auch Bürgermeister Rübo und der Technische Beigeordnete Stephan Kahl sehnlichst wünscht, ist auf dem Arbeitsmarkt nicht aufzutreiben. Junge Architekten oder Ingenieure wollen nicht in Kommunalverwaltungen arbeiten, nehmen viel lieber einen Job in der freien Wirtschaft an.

Ein Windabweiser soll den empfindlichen Mechanismus der Eingangstür zum Museum schützen. Dazu soll ein Test stattfinden. FOTO: Kaiser

Immer mehr muss die Stadtverwaltung daher externe Planungsbüros mit Aufgaben betrauen, die eigentlich im eigenen Hause abgearbeitet werden müssten. Und immer wieder ist das Hochbauamt dabei besonders betroffen. Um die Modernisierung der weiterführenden Schulen in Kempen konzeptionell voranzubringen, wurde - nach vielen Monaten des Stillstands - ein Planungs- und Architekturbüro mit ins Boot genommen. Das soll sich auch um das leidige Problem der beiden fehlenden Aufzüge an den Gebäuden von Real- und Gesamtschule kümmern. Vor allem die Kempener Grünen zeigten sich verärgert, dass eine von einem Viersener Architekturbüro für viel Geld erarbeitete Machbarkeitsstudie im Frühjahr nicht weiterverfolgt wurde und die Aufzüge nun - nach wahrscheinlich neuer Planung - erst zum Beginn des kommenden Schuljahres im Sommer 2017 fertig sein werden.

Gut im Geschäft mit der Stadt Kempen sind auch andere Planungsbüros. Sei es ein städtebauliches Workshopverfahren für einen Neubau an der Ellenstraße oder auf dem Gelände der Post am Moorenring, sei es die Erarbeitung eines großräumigen Planungskonzeptes für ein neues Wohngebiet im Kempener Westen, immer wieder wird externer Rat eingeholt. Auch für die Beantwortung der Frage, ob es für die Stadt Kempen Sinn macht, nach dem Auszug des Kreises in der Burg eine Verwaltungsnebenstelle einzurichten, ist der Sachverstand eines Planungsbüros erwünscht.

Nicht zuletzt: Für die von der Politik geforderte Organisationsreform innerhalb der Stadtverwaltung arbeitet ebenfalls ein externes Fachbüro derzeit im Rathaus und seinen Nebenstellen eine Analyse aus. Die hatte im Vorfeld bereits für einige Verwirrung bei einer Reihe von Stadtbediensteten gesorgt. Sie fürchteten schon um ihren Arbeitsplatz oder sahen sich demnächst in einem neuen Amt arbeiten. Auch wenn die Politik darum bemüht war, den Stadtmitarbeitern ein gutes Gefühl zu vermitteln und betonte, dass keine Stellen gestrichen werden sollten, geht trotzdem ein wenig die Angst um den Job in den Amtsstuben um. Welche Erkenntnisse die Organisationsuntersuchung am Ende liefern wird, ist ungewiss. Unklar ist auch, inwiefern sie öffentlich diskutiert werden oder ob die Politik sie zum Schutz der Betroffenen nicht doch lieber im stillen Kämmerlein, sprich: in nicht-öffentlichen Sitzungen, beraten und entscheiden wird.

Was bleibt, ist noch eine einzige Frage. Und die betrifft mal wieder das Hochbauamt: Wann findet eigentlich der Versuch mit einem provisorischen Windschutz am neuen Museumseingang statt? Angekündigt wurde dieser in den vergangenen Monaten mehrfach in Sitzungen des Bauausschusses. Dass er stattgefunden haben könnte, darüber wurde die Öffentlichkeit noch nicht informiert. Dabei sei der doch so wichtig, um entscheiden zu können, wie der Türmechanismus am Museumseingang bei starkem Wind weniger beansprucht werden kann.

Quelle: RP
 
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