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Stadt Kempen
Wo Kinder zu kleinen Händlern werden

Stadt Kempen: Wo Kinder zu kleinen Händlern werden
Ein großes Angebot an Spielzeug gab es am Samstag wieder beim Kindertrödelmarkt auf dem Kempener Buttermarkt. FOTO: Achim Hüskes
Stadt Kempen. Beim traditionellen Trödelmarkt des Kempener Kinderschutzbundes wechselte so manches Spielzeug den Besitzer. Von Silvia Ruf-Stanley

Wenn Eltern mit geschulterten Kinderrädern oder Bobby-Cars und voll gepackten Taschen durch die Stadt ziehen, kann man sich sicher sein, dass auf dem Buttermarkt gerade Kindertrödelmarkt vom Kinderschutzbund ist. Rund hundert Stände sind es wohl dieses Mal - weniger als im vorigen Jahr, so Uli Nieting vom Kinderschutzbund.

Viele Trödler kommen schon gegen 5.30 Uhr oder 6.30 Uhr. Am beliebtesten sind die Plätze in den Rathausarkaden oder auch an den Bänken unter den Bäumen. Sie seien schon mit dem Jüngsten im Kinderwagen her gekommen, erzählt eine Mutter. Der ist inzwischen neun Jahre alt und stöbert gerade am Nachbarstand in einer Kiste mit Spielzeug. "Jedes Teil 50 Cent" steht auf einem Schild.

Lob gibt es von Michaela Reske für den Markt. Die Kempenerin trägt schwer an zwei gut gefüllten Taschen. Sandspielzeug ist da vor allem drin. Ihre Jungen, zwei, vier und sechs Jahre alt, brauchen möglichst alle das gleiche Spielzeug. Und dank des Trödelmarktes kann sie verlorene Teile ersetzen. Außerdem hat sie bei den vielen Kleiderangeboten zugegriffen. Sie verfolgt eine besondere Strategie, um das Beste zu finden. Erst läuft sie einmal herum um das Angebot zu checken, dann geht sie gezielt noch einmal los. Besonders angetan ist sie von den fairen Preisen, zu dem die Kinder hier ihre Sachen verkaufen.

So ein fairer Händler ist auch Tom Ungerechts. Der Neunjährige verkauft seine Eisenbahn. Ein tolles Modell aus Kunststoff für den Garten, sogar regenfest, wie Toms Vater erzählt. Und so bekommt Lennart, der noch im Kinderwagen sitzt und wohl kaum weiß, was Eisenbahn bedeutet, seine erste eigene Eisenbahn. "Ich gebe Dir fünf Euro statt der geforderten zwei", sagt seine Mutter, sonst hätte sie ein schlechtes Gewissen. Und Tom freut sich über mehr Taschengeld für die Ferien. Auch bei der Familie Niklaus aus Klixdorf wurde aufgeräumt. Hier werden komplette Technikspielzeuge angeboten. Denn es gibt ein neues Spielzeug von Lego, das muss es jetzt sein. Also hat der Sohnemann aussortiert.

Die Organisatoren vom Kinderschutzbund sind rundherum zufrieden. "Solange noch mindestens hundert kleine Händler kommen, machen wir weiter", sagt Uli Nieting. Darum muss er sich wohl kaum Sorgen machen. Zufrieden ist er mit der gelassenen, fröhlichen Stimmung auf dem Markt. Ärger gibt es mit dem gezeigten Angebot eigentlich nicht. Jeder hält sich an das Gebot, dass es kein Kriegsspielzeug und Waffen gibt und dass hier Kinder trödeln, Eltern oder andere erwachsene Verwandte sind allenfalls als Helfer und Schlepper der ganzen Waren gestattet. Auch beim Zusammenrechnen der Preise darf mal geholfen werden. Und wenn, wie bei einem Stand, trotz aller Ausreden auch nach einer Stunde noch kein Kind auftaucht, werden solche Händler vom Platz verwiesen, so Nieting.

Und dann gibt es noch eine witzige Begegnung auf dem Heimweg. Auf dem Kinderwagen von Anton Kroppen (18 Monate) aus Grefrath thront ein großes Stoffpferd. Und da dies exakt so aussieht wie "Kleiner Onkel" von Pippi Langstrumpf, stimmt der Straßenmusikant auf der Engerstraße zur Freude von Antons Eltern und den Passanten das Pippi-Langstrumpf-Lied an. Und für die Mutter gibt's obendrein noch "Oh Champs Elysees", für Anton anschließend die "Biene Maja". So hat der Kindertrödelmarkt Spaßcharakter für die ganze Familie, freut sich Antons Mutter, während sein Vater mit ihm ein kleines Tänzchen wagt.

Quelle: RP
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