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Serie 175 Jahre Sparkasse (3)
Wozu man Banken braucht

Serie 175 Jahre Sparkasse (3): Wozu man Banken braucht
Lutz Goebel (Jahrgang '55), Chef des in Krefeld ansässigen Maschinenbauers Henkelhausen FOTO: Lothar Strücken
Kempen. Der Krefelder Unternehmer Lutz Goebel ist Präsident des Verbandes der Familienunternehmer. Wir sprachen mit ihm über den Sinn von Banken, die Abschaffung des Geldes und die Frage, warum Deutschland die Lehman-Krise gut überstanden hat.

Können Sie sich an den Moment erinnern, als klar war, dass die Weltbankenkrise wirklich bedrohlich ist?

Goebel Das waren zwei Momente. Der eine war, als bekannt wurde, dass die Deutsche Industrie Bank (IKB) in Schieflage geraten war; der andere, als Bundeskanzlerin Merkel und Finanzminister Steinbrück vor die Kameras traten und sagten: Die Spareinlagen sind sicher. Da merkt man, dass es gefährlich wird. Das vergisst man nicht so leicht.

War das der Punkt, an dem Sie gedacht haben: Die Bänker sind eben doch zu gierig?

Goebel Nein, die Wahrheit ist sehr viel komplizierter. Wir in Deutschland waren und sind zudem mit unserem Drei-Säulen-Modell mit den Sparkassen als öffentlich-rechtliche Banken, den genossenschaftlichen Banken und den Privatbanken gut aufgestellt. Sparkassen und Raiffeisenbanken haben aufgrund ihres Geschäftsmodells ganz anders agiert, als es die Landesbanken und großen Banken mit Investmentsparten getan haben, die diese Krise verursacht haben.

War diese Risikobereitschaft illegal?

Goebel Nein. Die haben damals gemacht, was rechtlich möglich war, und deshalb musste man auch die Banken neu regulieren und Grenzen ziehen. Wenn Banken "too big to fail" sind, also zu groß, um sie abwickeln zu können, dann muss man Regeln für mehr Haftung erlassen.

Und die Gier der Bänker zügeln.

Goebel Grundsätzlich ist das keine Frage von Bänkern. Der Mensch neigt dazu, auf seinen Vorteil zu schauen. Allerdings war es in internationalen Investmentabteilungen ein Problem, dass es Riesen-Boni gab, die dazu führten, dass die Leute dort erhebliche Risiken in Kauf genommen haben. Das haben die Banken geändert. Boni sind jetzt zum Glück langfristiger angelegt.

Too big to fail, sagten Sie. Braucht man Banken wirklich? Es gibt ja Stimmen, die sagen: Hört auf, Banken zu retten.

Goebel Wir brauchen Banken auf jeden Fall, und zwar zwei Arten: Banken, die weltweit aufgestellt sind und Unternehmen weltweit begleiten können, und Banken, die nahe am Kunden sind wie die Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Dies sind in der Regel langfristige Partner, auch wenn das Unternehmen mal in Schwierigkeiten kommt.

Warum sind Banken überhaupt systemrelevant?

Goebel Na ja, der komplette Zahlungsverkehr wird über Banken abgewickelt, und von da kommen Kredite, die Unternehmen zum Wirtschaften brauchen. Es ist ja nicht so, dass Unternehmen das Geld für Investitionen komplett haben. Firmen, die wachsen, oder junge Unternehmen brauchen immer Darlehen, weil sie nur dann ihr Geschäft in Gang bringen können, um Geld zu verdienen.

Allein mit Eigenkapital ist das nicht zu machen?

Goebel Nein, und das gilt auch für Familienunternehmen, bei denen teils 60 Prozent der Investitionen aus Eigenkapital kommen. Ohne Banken geht es eben nicht. Deshalb gab es auch das reale Risiko, dass im Zuge der Lehman-Pleite Banken weniger oder gar keine Kredite an Unternehmen geben wollten. Deutschland hat diese Phase der Verunsicherung aber erfreulicherweise schnell überstanden.

Gehen wir noch einen Schritt weiter. Im Blockupy-Milieu gibt es auch den Ruf nach Abschaffung des Geldes. Wäre das nicht das einfachste Heilmittel gegen Finanzkrisen?

Goebel Das ist völlig absurd. Wenn die Wirtschaft zur Tauschwirtschaft würde, würde vieles zusammenbrechen. Wir werden bei unserer hoch arbeitsteiligen Weltwirtschaftsgesellschaft Geld und Banken immer brauchen; wir müssen nur darauf achten, dass Banken nicht so große Risiken eingehen, dass am Ende der Staat einspringen muss.

Sie sind Präsident des Verbandes der Familienunternehmer. Warum engagieren Sie sich?

Goebel Familienunternehmen sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Wir stellen 60 Prozent der Beschäftigten, 45 Prozent der Umsätze und 80 Prozent der Ausbildung. Das ist ein Erfolgsmodell besonderer Art. Kleine Familienunternehmen gibt es in der ganzen Welt. Aber mittlere und große in diesem Ausmaß gibt es nur bei uns. Wir werden von der ganzen Welt darum beneidet.

Was unterscheidet Familienunternehmen von Dax-Unternehmen an der Börse?

Goebel Die Nachhaltigkeit. Konzerne müssen schnell wachsen, die Gewinne müssen steigen, am besten von Quartal zu Quartal. Familienunternehmen denken langfristig, wollen unabhängig sein. Gewinn ist nicht alles. In der Bankenkrise 2008/ 2009 gab es in der Fahrzeugbranche Familienunternehmen, bei denen der Umsatz um 70 Prozent eingebrochen ist. Die haben das überstanden, weil sie eine hohe Eigenkapitalquote hatten und Banken, die an ihrer Seite geblieben sind, weil sie Zutrauen in das Unternehmen hatten.

Welche Rolle spielt in solchen Situationen die Kategorie Vertrauen?

Goebel Banken sind nicht blauäugig. Vertrauen in ein Unternehmen wächst mit der Kontinuität der Ansprechpartner. Ich halte das für ein Erfolgskriterium einer Bank. Sie lernt durch Kontinuität der Ansprechpartner einen Unternehmer besser kennen, weiß, wie er tickt.

JENS VOSS FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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