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Kempen
Zu viele Barrieren für Rollstuhlfahrer

Kempen: Zu viele Barrieren für Rollstuhlfahrer
FOTO: Pressmaster/Shutterstock
Kempen. Der Arbeitskreis für Behindertenfragen ist trotz einiger Erfolge noch nicht am Ziel. Studenten der Fontys-Hochschule Venlo stellten nun ein Marketing-Projekt vor. Von Manfred Baum

Barrierefreiheit ist in der Kreisstadt gewiss kein Fremdwort. Gleichwohl ist sie noch längst nicht überall dort gegeben, wo sie die behinderten Menschen gerne hätten. Rollstuhlgerechte Eingänge zu Geschäften beispielsweise sind die Ausnahme. Laut Heinz-Jürgen Antwerpes vom Arbeitskreis für Behindertenfragen würde das aber nicht an den Geschäftsleuten in der Fußgängerzone liegen. Die wären oft bereit, kleine Rampen zu schaffen. Doch die Stadt Viersen lehne dies ab.

Ein anderes Beispiel für fehlgeleiteten guten Willen: Das Amtsgericht in Viersen habe beim Umbau einen Aufzug erhalten. Doch "es passt kein Rollstuhl dort hinein", so Antwerpes während der Vorstellung eines Marketingprojektes - entwickelt von Studenten der Fontys-Hochschule in Venlo. Ziel ist es, mehr Menschen für die Barrierefreiheit zu interessieren und zu sensibilisieren.

Dazu wurden Fragebögen an Ladenlokalbesitzer und Betreiber, an Restaurants, an kulturelle Einrichtungen und an die Kommunalverwaltung verteilt. 152 Personen wurden befragt. Nur 6,2 Prozent hatten auf den Fragebögen die barrierefreien Orte eingetragen. Die Tendenz, die rasch erkennbar war: "60 Prozent der Einrichtungen und öffentlichen Plätze sind nicht behindertengerecht."

Fakt sei weiterhin, dass es schon seit einigen Jahren einen gedruckten Stadtführer für behinderte Menschen gibt. "50 Personen haben 150 Nennungen abgegeben, wo es Orte mit Einschränkungen für Behinderte gibt. Mit einem Anteil von 26 und 22 Prozent lagen die Restaurants und Cafés vorn."

Karl Boland, Geschäftsführer der Kreisgruppe Viersen "Der Paritätische", stellte fest: "Die Stadt Viersen ist noch lange nicht barrierefrei. Es ist doch teilweise sehr dünn. Es besteht eine dringende Notwendigkeit für Barrierefreiheit, auch mit Blick auf den demografischen Wandel." Boland schränkte ein: "Die privaten Unternehmer sind dazu nicht verpflichtet." Es gab auch Aussagen von den Geschäftsinhabern, warum sie bisher noch nichts unternommen haben. Die Gründe waren vielfältig: Zu hohe Kosten, Zielgruppe zu klein, es mindere den Komfort, man sei sich des Problems nicht bewusst. Oder auch: "Wir sehen keine Notwendigkeit."

Es gab von den Studierenden aus Venlo Handlungsempfehlungen an den Arbeitskreis für Behindertenfragen in Viersen. Und die sahen wie folgt aus: Man solle ein Siegel vergeben an Geschäfte und Restaurants, die für Barrierefreiheit gesorgt hätten. Zudem sollten Plakate und Flyer erstellt und verteilt werden. Auch Werbung auf Bussen sei eine Möglichkeit - ebenso wie einen Aktionstag in der City veranstalten.

Zudem sollen die beiden Internetseiten Wheelmap.org und mayhandicap.de bekannter gemacht werden: Bei der Stiftung MyHandicap.de gibt es für Behinderte und Schwerkranke Infos in Hülle und Fülle. Stellung bezogen wird zu verschiedenen Erkrankungen, zu Hilfen für die Betroffenen. Es gibt Hinweise und Informationen über Jobs für behinderte Menschen. Die Stiftung ist nicht nur in Deutschland tätig, sondern international. Wheelmap.org dagegen ist eine Karte um behindertengerechte Orte zu finden. "Es liegt noch viel Arbeit vor uns", so Karl Boland, der im Namen des Arbeitskreises den Studierenden für ihren Einsatz dankte.

Quelle: RP
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