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Stadt Kempen
Zum Tod von Robert Koth: Ein Mahnmal als Mission

Stadt Kempen. Alles, was er sagte und tat, kam von Herzen, und er war Kempener mit Leib und Seele: Am Mittwoch, 23. September starb nach dreijähriger, tapfer ertragener Krankheit Robert Koth, Metzgermeister im Ruhestand. Er hat Spuren hinterlassen in seiner Stadt. Von Hans Kaiser

Am 25. Juli 1937 geboren, wuchs Robert Koth an der St. Huberter Straße im Elternhaus auf, das in der Bombennacht vom 2. Oktober 1942 zerstört worden war und das seine Eltern nach dem Krieg in Eigenleistung wieder aufbauten. Das Erlebnis des Krieges hat ihn für sein Leben geprägt. In diesem Haus übernahm er im September 1956 die Metzgerei seines Vaters Robert. 1959 heiratete er Helga, geborene Lufen, mit der er zwei Kinder hatte: Monika und Andreas. Zwei Jahre später legte er die Meisterprüfung ab, 2001 - mit 64 Jahren - gab er aus Altersgründen sein Geschäft auf.

Aber die eigentliche Herauforderung seines Lebens sollte für Robert Koth noch kommen. Anlass war eine Gedenkminute, die er 2007 mit seinem Volksschuljahrgang 1936/37 im Rahmen eines Treffens am Gedenkstein an der Ellenstraße abhielt. Künftig ließ ihn die Erinnerung an die Gefährten, die nicht aus dem Krieg zurückgekommen waren, nicht mehr los. Sie wurde für den Ur-Kempener zu einer Verpflichtung: Namen und Lebensdaten der Umgekommenen sollten für die Öffentlichkeit sichtbar in Form eines Mahnmals dokumentiert werden.

Diese Verpflichtung hat Robert Koth sich zur Lebensaufgabe gemacht. Er gründete eine Bürgerinitiative, knüpfte Kontakte zur Stadt, zu Historikern und Archiven, rief zu Spenden auf. Und er hatte Erfolg, sein guter Name bürgte für ihn. Am 12. Juli 2011 gab der Stadtrat seinem Vorhaben, Tafeln auch für die Toten des Zweiten Weltkrieges in der Gedenkstätte vor der Burg aufzustellen, einstimmig grünes Licht. Umfangreiche Forschungsarbeiten setzten ein. Eine Ausstellung, die vom 16. Januar bis zum 10. Februar 2012 im Rathausfoyer die bis dahin recherchierten Namen der Opfer zeigte, rief die Bürgerschaft zu Hinweisen auf.

Am Volkstrauertag, Sonntag, 18. November 2012, hatte Robert Koth sein Ziel erreicht. Nach einer würdigen Feierstunde in der Paterskirche wurden unter großer Beteiligung der Bevölkerung vor der Burg 18 Gedenktafeln eingeweiht, die 676 Namen mit ihren Geburts- und Todesdaten zeigen. In ihrer Mitte ein Aufruf, der Robert Koths Gesinnung entspricht: "Euer Opfer sei uns Mahnung zum Frieden!" Im darauf folgenden Jahr veranlasste er, dass Alben mit detaillierten Angaben zu den Schicksalen aller 745 Kriegsopfer aus Kempen und Schmalbroich in der katholischen Pfarrkirche, im Kreisarchiv, im Rathaus und im evangelischen Pfarrbüro niedergelegt wurden.

Robert Koths Familie nimmt im engsten Kreis von ihm Abschied. Aber immer wird sie vor Augen haben, was er geschaffen hat.

Quelle: RP
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