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Stadt Kempen
Zwei Konkurrenten, die sich helfen

Stadt Kempen. Seit 25 Jahren verbindet das Luise-von-Duesberg-Gymnasium und das Thomaeum eine Kooperation in der Oberstufe. Schüler beider Gymnasien nutzen Leistungs- und Grundkurse gemeinsam. Von Bianca Treffer

Schülern beste Möglichkeiten zu bieten, ihren Neigungen entsprechend Leistungs- und Grundkurse wählen zu können, das war im Schuljahr 1991/92 der Wunsch der beiden Gymnasien in Kempen. Um das Angebot vergrößern zu können beschlossen die damaligen Schulleiter Georg Strasser vom Thomaeum und Dr. Helmut Grießmann vom Luise-von-Duesberg-Gymnasium (LvD) eine Zusammenarbeit in der Oberstufe.

"Oft war es so, dass sich an unserer Schule eine Hand voll Schüler einen bestimmten Leistungskurs wünschten, dieser aber aufgrund der geringen Schülerzahl nicht zustande kam. Am Thomaeum war es nicht anders. Durch die Zusammenlegung der Oberstufe wurde es uns möglich, viel mehr Wünsche der Schüler zu erfüllen. Wir konnten gemeinsam eine größere Palette an entsprechenden Kursen anbieten", erinnert sich Irmgard Linssen vom LvD.

Was Thomaeum und LvD im Alleingang nicht leisten konnten, schafften sie gemeinsam. Die räumliche Nähe der beiden Gymnasien, die nur wenige Hundert Meter auseinander liegen, begünstigte die Kooperation zudem. Das Kunstwerk war und ist es aber immer noch, den Stundenplan von zwei Schulen in einem Teilbereich zu kombinieren. "Wenn es an die Stundenplanerstellung geht, hat die Oberstufe immer Vorrang. Wenn der Plan für sie steht, geht es in jeder Schule an den Aufbau des restlichen Stundenplans", erklärt LvD-Schulleiter Benedikt Waerder.

Die große Auswahl, gerade im Bereich der Leistungskurse, bringt noch einen weiteren Vorteil mit sich. Kempen hat sich als gymnasiale Stadt einen Namen gemacht. "Wir sind aufgrund unseres Angebote auch für das Umland mehr als nur attraktiv. Schüler aus der Umgebung, bis hin aus Goch, besuchen unsere Oberstufe, weil sie hier Leistungskurse finden, die es aufgrund zu geringer Schülerzahlen für einen bestimmten Kurs woanders nicht gibt", sagt Marion Köhler, die kommissarische Schulleiterin des Thomaeums.

Auch die Grundkurse in der Oberstufe sind breit aufgestellt. So hat das Thomaeum Lehrer für Niederländisch und das LvD für Psychologie. Dank der Zusammenarbeit können Schüler des jeweils anderen Gymnasiums in den Genuss der Fächer kommen. Unterrichtet wird dabei immer dort, wo der jeweilige Lehrer seine Stelle hat. Es gab sogar einmal eine Lehrerin, die an beiden Schulen unterrichtete. "Wir brauchten einst dringend einen Pädagogiklehrer, und das LvD konnte uns mit einer ihrer Lehrerinnen in diesem Bereich aushelfen", berichtet Köhler. Und das ohne Ablösesumme, wie Waerder scherzhaft anfügt.

Beide Schulen sind gut aufeinander abgestimmt. Die Fachschaften arbeiten eng zusammen, passen Themenblöcke an und tauschen sich aus - was in Anbetracht der späteren Zusammenarbeit wichtig ist, damit die Schüler den gleichen Stand haben. Gemeinsame Zeugniskonferenzen und Fahrten in der Oberstufe sind eine Selbstverständlichkeit, und auch die Projektkurse werden gemeinsam genutzt. "Wir sind mit der Kooperation sehr zufrieden", sagen Köhler und Waerder unisono.

Trotzdem sind die beiden Kempener Gymnasien eigenständige Schulen mit individuellen Schwerpunkten, wie beide betonen. "Wir sind eine kooperierende Konkurrenz", lautet der Tenor der beiden Schulleitungen. Die Kooperation zieht sich inzwischen aber noch in weitere Bereiche hinein. So gibt es eine gemeinsame Gottesdienstplanung für die fünf großen Gottesdienste pro Jahr. Schüler von Thomaeum und LvD können, je nach Wunsch, im Orchester vom Thomaeum oder in der Big Band vom LvD mitspielen. Geplant sind jetzt erstmalig ein gemeinsames Grillfest der Lehrer und ein Fußballturnier der Oberstufe.

Dass beide Schulen aktuell gleichzeitig ihre Auszeichnungsverlängerung "MINT freundliche Schule" erhalten haben, ist aber ein Zufall. "Wir haben uns beide im Jahr 2013 erstmalig beworben. Und da alle drei Jahre eine erneute Bewerbung um den Titel gemacht werden muss, werden wir immer gleichziehen", sagt Barbara Godizart-Heddergott vom Thomaeum. Bei den Schülern kommt die Kooperation indes hervorragend an. Alle sind sich einig, dass diese Zusammenarbeit ihnen gute Chancen für die Zukunft eröffnet.

Quelle: RP
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