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Stadt Kempen
Zwei Positionen, zwei Temperamente

Stadt Kempen: Zwei Positionen, zwei Temperamente
Marlies Witte mit ihren Landschaften (links) und Sonia Ruskov mit ihren figurativen Gemälden sind die beiden Neuen, die der Berufsverband bildender Künstlerinnen und Künstler am Niederrhein in diesem Jahr aufgenommen hat. Der Niederrhein-Gruppe gehören mittlerweile 80 Künstler an. FOTO: WOLFGANG KAISER
Stadt Kempen. Die Ausstellung "Zwei x neu im BBK" zeigt Malerei von Sonia Ruskov aus Krefeld und Marlies Witte aus Mönchengladbach. Morgen Abend wird die Präsentation in der Galerie von Edith Stefelmanns eröffnet. Von Heribert Brinkmann

Bei der Vorbesichtigung gestern machte sich Gilbert Scheuß, Vorsitzender des BBK Niederrhein, eifrig Notizen. Er eröffnet morgen um 19.30 Uhr die Ausstellung "zwei x neu", die einen kleinen Einblick in die Arbeit zweier neuer Mitglieder gibt: Sonia Ruskov aus Krefeld und Marlies Witte aus Mönchengladbach. Im kleinen Galerieraum der Kempener Künstlerin Edith Stefelmanns prallen zwei Welten aufeinander: links die kühlen, farblich reduzierten Landschaften von Marlies Witte, rechts die Akte und figurativen Bilder von Sonia Ruskov, in der Mehrzahl von Rot-Tönen dominiert.

Innerhalb der Präsentation sticht Ruskovs Triptychon "Balance" heraus. Dieses Bild hat sie extra aus ihrer laufenden Ausstellung im Hause der Müllerei-Pensionskasse an der Leyentalstraße 16 in Krefeld herausgenommen und nach Kempen mitgebracht. Jeder suche im Leben ein Gleichgewicht, eine Balance. Ob sie das auch biografisch meint, sei dahin gestellt. Die gebürtige Bulgarin lebt seit dem Jahr 2000 in Deutschland. Auf jeden Fall versteht sie "Balance" philosophisch: Der Betrachter kann schnell fündig werden. Da gibt es Figurengruppen, wie Menschen, die im Leben nur Zuschauer sind, und es gibt die "Vortänzer", die jonglieren, balancieren oder mit dem Seil hüpfen. Das Bild gibt keinen wertenden Kommentar, es zeigt eine Momentaufnahme. Es bleibt dem Betrachter überlassen, sich in die Figuren hineinzudenken und sie zu bewerten, ob sie scheitern werden, ob ihnen ihre Kunststücke gelingen, ob sie auf Dauer und nur kurz in der Balance sind.

Für die Ausstellung wählte die Künstlerin einen Schwerpunkt auf Akt-Motiven aus. Sehr ausdrucksstark sind die beiden Mischtechniken auf Papier, eine mit Tusche angelegte Aktzeichnung, die dann farblich ausgemalt und mit Papierschnipseln collagiert wird. In einem Zeitungsausschnitt ist die Aufforderung "Nutze die Zeit" zu lesen. Viel Muße scheint das Aktmodell zu haben, die als "Muse" gleich zweimal erscheint. Die Künstlerin hat dieses Motiv in vier verschiedenen Farbstimmungen variiert. In Kempen sind zwei davon zu sehen. In einer Version sind Papierstreifen für die Bettdecke auf die Leinwand geklebt. Die Künstlerin experimentiert gerne mit verschiedenen Techniken und Materialien. Sonia Ruskov, die in Sofia nicht nur Malerei studierte, sondern auch Restauration, zeigt hier ihre sichere Hand für die pfiffige Behandlung von Oberflächen. In "Berührung" muss man schon genau hinschauen, um den Rückenakt noch zu erkennen. In der fast abstrakten Malfläche haben die Farbeffekte die figurative Darstellung in den Hintergrund gedrängt.

Farbe ist auch das spannende Rätsel in den Gemälden von Marlies Witte. Die Künstlerin malt ausschließlich Landschaften - und das mit höchst unterschiedlicher Verortung. In Kempen sehen wir eine Rheinansicht, einen Blick auf die Nordküste Mallorcas, ein Detail vom Berchtesgadener Königssee und eine Ecke des Grabens rund um Schloss Rheydt. Ein wenig muss man das wissen, denn sofort erkennbar ist das Dargestellte nicht, weil die Künstlerin die Farblichkeit der Landschaft verfremdet. Man sieht die Landschaften wie durch einen Filter, der keine Rot-und Blautöne durchlässt. Alle Arbeiten tendieren ins Monochrome. Dabei ist es spannend, nachzuvollziehen, wie die Formen der Landschaft sich ohne die Kraft der Farben in den Vordergrund schieben. Die Fichten an den bayrischen Berghängen, die Pappelreihe in der niederrheinischen Winterlandschaft stehen in ihrer Struktur und Unruhe im Kontrast zu den ruhigen Flächen von Wasser, Wiesen und Himmel.

In die Mitte des Raumes gestellt, erfährt der Besucher das ganze Yin und Yang der Doppel-Ausstellung.

Quelle: RP
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