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Stadt Kempen
Zwei sehr feinsinnige Positionen junger Künstler in Kempen

Stadt Kempen. Es ist wie eine Fügung. Gerade in einer Zeit, in der das Kramer-Museum ausfällt, bietet eine Arztpraxis eine exzellente, hochrangige Ausstellung mit zwei jungen Künstlern der Kunstakademie Düsseldorf: "Steine und Licht" mit Werken von Julius Linnenbrink und Philipp Röcker in der Urologischen Gemeinschaftspraxis an der Arnoldstraße 13b. Das Zustandekommen ist schnell erklärt: Dr. Gudula Linnenbrink, seit zehn Jahren Fachärztin in der Praxis, ist sehr kunstsinnig. Ihr Bruder ist Künstler, sein Sohn - ihr Neffe - Julius studiert an der Kunstakademie. Der Maler Julius Linnenbrink ist mit dem Bildhauer Philipp Röcker befreundet, sie kennen sich von der Akademie her und bestreiten jetzt die Ausstellung in den Praxisräumen gemeinsam (zu besichtigen bis zum 30. April 2017). Von Heribert Brinkmann

Die Ausstellung ist weder eine Familiengeschichte, noch Praxismarketing. Der Zuspruch bei der Eröffnung am Freitagabend hat gezeigt, dass diese Ausstellung keine Werbung braucht, sondern so schon viel Zuspruch findet. Aber auch für Kempen ist die Ausstellung bemerkenswert, und Kunstinteressierte, die keine Patienten dieser Praxis sind, sollten ihre Schwellenangst überwinden und das ernst gemeinte Angebot von Dr. Jan Marin annehmen, die Ausstellung zu besuchen - wobei einige Arbeiten in den Behandlungsräumen natürlich nicht zugänglich sind. Aber die Werke in den Gängen und Wartezonen sind beeindruckend genug. Die sensiblen, gleichzeitig sehr reduzierten Arbeiten lohnen einen Besuch.

Gleich neben der Eingangstür hängt ein großes Gemälde von Julius Linnenbrink (26), ein grüner Farbakzent. Es geht dem jungen Künstler in seinen nichtgegenständlichen Arbeiten nicht bloß um die Farbe. Nicht ohne Grund heißt die Ausstellung "Steine und Licht". In seiner Malerei geht es um Licht. Seine Bildflächen sind komplex, mehrere Schichten, teilweise transparent, lassen Strukturen entstehen, die in der Wechselwirkung mit Licht den Betrachter ins Bild ziehen. Die Bilder, eigentlich statisch, verändern sich durch den Blickwinkel. Eine Lila-Partie wandert im Bild, wenn man in die Knie geht. Die Farbe ist im Bild angelegt, wird aber durch das einfallende Licht verschieden aktiviert. Julius, der bei Katharina Grosse studiert, geht der Frage nach, wie sich Farben begegnen, wie sich durch sie Räumlichkeit herstellen lässt.

Philipp Röcker (31) hat in diesem Jahr als Meisterschüler von Didier Vermeilen die Akademie abgeschlossen. Sein belgischer Professor hat sich in seinen kontemplativen Werken sehr mit der Identität und der Entstehung von Skulptur beschäftigt. Röcker folgt ihm auf dem Weg der Identitätssuche. In seinen Werken, die Oberflächen vielfach mit Graphit behandelt, geht er der Frage der Wirkung im Raum nach. Seine Arbeiten sind eigens für die Praxis entstanden, reflektieren Raumsituationen. Manchmal kommentiert er seine Arbeit mit Fotografien, in denen seine Hand eine Arbeit hält oder Materialien zeigt.

Dr. Gudula Linnenbrink freut sich über das große Interesse bei der Eröffnung. Kunst ist für sie nicht ein elitäres Anliegen, sondern zählt zum Leben, öffentlich wie privat. Kunst bedeute Reichtum an Erfahrungen und helfe, den Kopf frei zu behalten. Kunst dürfe nicht dem Rotstift anheimfallen. Gut, wenn auf der anderen Seite, sich auch private Enthusiasten um Kunst kümmern.

Quelle: RP
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