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Serie Sommerspaziergang - Kempen
Zwischen Geschichte und modernem Leben

Serie Sommerspaziergang - Kempen: Zwischen Geschichte und modernem Leben
Ein hübsches Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert verstellt teilweise den Blick von der Peterstraße aus auf die Propsteikirche. FOTO: Stephanie Wickerath
Kempen. Die Sonne scheint, die Blumen blühen, die Bäume haben Blätter und die Tage sind wieder länger. Jetzt heißt es: "Runter vom Sofa, raus in die Stadt!" Wir zeigen Ihnen, wo es schön ist und wo es was zu entdecken gibt. Von Stephanie Wickerath

Kempen Wir starten den Altstadtspaziergang durch Kempen an der Burg. Zwischen 1396 und 1400 ließ sie die Kölner Erzbischof Friderich von Saarwerden errichten, um seine Herrschaft, die bis an den Niederrhein reichte, zu demonstrieren. Sein Kreuzwappen prangert noch heute über dem Eingang. Residiert hat der Erzbischof in Kempen nie, vielmehr wohnte sein Stellvertreter in der Kurkölnischen Landesburg. Wohnlich wurde die Burg aber erst 1634 mit dem Einbau großer Fenster. Ein Feuer zerstörte 1851 große Teile des Gebäudes. Der neugotische Wiederaufbau war 1863 abgeschlossen und beherbergte bis 1925 das Gymnasium Thomaeum. Nach den Schülern zog die Kreisverwaltung ein, später beherbergte die Burg das Kreis- und Stadtarchiv. Zurzeit wird die weitere Nutzung der Burg diskutiert.

Wir gehen über den Parkplatz in den Burggraben, einer innenstädtischen Parkanlage mit altem Baumbestand und Bänken, die zum Verweilen einladen. Ein Blick auf die andere Seite lohnt sich: Hier stehen Kempens historische Stadthäuser. Auch ein Denkmal findet sich im Burggraben. Es ist die Statur des Freiherrn Felix von Loe, dem Gründer des Rheinischen Bauernvereins. Am Ende des Burggrabens findet sich das ehemalige Franziskanerkloster; 1630 gebaut, 1748 erneuert und erweitert. Es beherbergt das Kramer-Museum sowie die Kreis- und Stadtbibliothek. Zum Kloster gehört die barocke Paterskirche, in der regelmäßig großartige Konzerte des Vereins "Kempen Klassik" stattfinden.

Das Kuhtor: Seinen Namen hat der 1350 erbaute und 1898 umgebaute Torturm von den Kühen, die die Bauern früher durch dieses Tor auf die saftigen Weiden im nördlich gelegen Bruch führten. FOTO: Wickerath Stephanie

Wir lassen das Gebäude rechts liegen und gelangen auf die Orsaystraße. Von dort geht es rechts in die Alte Schulstraße. Hier stehen alle Häuser unter Denkmalschutz. Die Zeile der Fachwerkhäuser wurde 1609 in einem Zug errichtet. Wir biegen nach links ab und durchquere die Tiefstraße, die ebenfalls mit historischen Gebäuden begeistert. Zwar wurden die meisten Häuser im 19. Jahrhundert umgestaltet, aber oft lässt sich noch das alte Fachwerk ausmachen.

Wir queren die Kuhstraße und werfen einen Blick nach rechts. Dort steht das Kuhtor, eines von vier Stadttoren. Seinen Namen hat der 1350 erbaute und 1898 umgebaute Torturm von den Kühen, die die Bauern früher durch dieses Tor auf die saftigen Weiden im nördlich gelegen Bruch führten. Wir bleiben innerhalb der Stadtmauer und gehen in die Klosterstraße, die ihren Namen dem Frauenkloster St. Anna verdankt, dessen repräsentatives Torhaus aus dem 18. Jahrhundert wir auf der rechten Seite sehen. 1422 schlossen sich Kempener Frauen zu einer frommen Lebensgemeinschaft zusammen. Sie finanzierten sich mit Ackerbau, Viehzucht, Spinnen, Weben, Nähen und Krankenpflege.

Die Turmmühle ist wegen Sturmschäden seit ein paar Monaten flügellos. FOTO: Wickerath Stephanie

Wir stoßen auf die Wambrechiesstraße und sehen links "Et kemp'sche Huus", ein selten schönes Beispiel niederrheinsicher Fachwerkkunst. Allerdings wurde das Haus ursprünglich an der Kuhstraße 7 errichtet, wo es verfiel und dem Untergang geweiht zu sein schien, bis 1979 ein Kempener Bürger die Holzkonstruktion zerlegen, nummerieren und das Haus an andere Stelle wiederaufbauen ließ.

Wir gehen weiter die Klosterstraße entlang und sehen rechter Hand ein Gartenhaus aus dem 18. Jahrhundert. Dort brachte man nach getaner Arbeit im Erdgeschoss die Gartengeräte unter und genoss im ersten Stock mit Blick auf den Garten Kaffee und Kuchen. Wir stoßen auf den Möhlenwall und halten uns links. Nach ein paar Metern sehen wir auf der rechten Seite einen alten Wehrgang, ein Teil der Stadtbefestigung von 1290, und die Turmmühle, die aufgrund von Sturmschäden seit ein paar Monaten flügellos ist. 1481 erbaut, sicherte sie die Mehlversorgung im Falle einer Belagerung.

Der Peterturm ist der Rest des Petertors aus dem 15. Jahrhundert. FOTO: Wickerath Stephanie

Über den Hessenwall, der daran erinnert, dass die hessische-französische Belagerungsarmee 1642 trotz Stadtbefestigung Kempen eroberte, geht es weiter. Wir kommen am Haus Nievenheim vorbei, einem spätgotischen Bau von 1524 und das erste ganz aus Stein gebaute Patrizierhaus der Stadt. An der Peterstraße blicken wir nach rechts und sehen den Peterturm. Er ist der Rest des Petertors aus dem 15. Jahrhundert, das einst zur Kapelle St. Peter führte, dem ältesten Gotteshaus des Kempener Landes.

Wir folgen der Peterstraße stadteinwärts, sehen das prächtige Haus Ludowigs (1789), einst Bürgermeisterhaus, und laufen an einem hübschen Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert vorbei, auf die Propsteikirche zu. Die Grundsteinlegung erfolgte um 1200. Ursprünglich war die Kirche im romanischen Stil erbaut, wurde aber 1482 gotisch umgebaut. 1945 durch Bomben zerstört, wurde sie 1950 wieder aufgebaut.

Zurück in der Fußgängerzone gehen wir an der Heilig-Geist-Kapelle vorbei, einer um 1425 erbauten Hospitalkirche, und halten uns rechts Richtung Buttermarkt. Am Martinsdenkmal vorbei (der Kempener St. Martinszug am 10. November ist der Größte am Niederrhein), biegen wir links in die Moosgasse ein und sehen ein schlichtes Patrizierhaus aus dem 18. Jahrhundert. Dort halten wir uns rechts und blicken auf das Haus Acker 1, das ursprünglich das Stadthaus eines Landadligen war. Früher hatte das Haus vermutlich einen Wehrgang. 1657 wurde darauf das niedrige dritte Geschoss gebaut.

Wir folgen der Straße Acker, bis wir auf die Neustraße stoßen, in die wir rechts einbiegen. Vorbei am "Kemp'schen Huus" und dem Haus Basels, hinter dessen Stuckfassade von 1885 sich ein altes Fachwerkhaus verbirgt, stoßen wir wieder auf den quirligen Buttermarkt. Rechts sehen wir das Rathaus, 1967 erbaut. An Peerbooms vorbei, einem stattlichen Eckhaus aus dem Jahr 1741, gehen wir in die Judenstraße. Auch hier finden sich einige historische Häuser. So ist das Haus Hall 1764 im Rokoko-Stil errichtet worden, das Haus Ercklentz um 1810 im "Empire-Stil" umgebaut und später mit Stuckfassade versehen worden.

Wir biegen links in die Engerstraße ein und folgen links der Burgstraße zurück zum Ausgangspunkt unseres Spaziergangs.

Quelle: RP
 
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