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Martin Chrost
Abschied von Kevelaer nach fünf Jahren

Martin Chrost: Abschied von Kevelaer nach fünf Jahren
So sah es aus, als Martin Chrost vor fünf Jahren als Organist bei der Basilikamusik in Kevelaer anfing. Für ihn geht es jetzt nach Heidenheim an der Brenz ins Bistum Rottenburg/Stuttgart. Am Sonntag wird er verabschiedet. FOTO: Gerhard Seybert
Kevelaer. Im Pontifikalamt sagt der 25-jährige Organist Martin Chrost am Sonntag in Kevelaer auf Wiedersehen. Ein Rückblick.

Sie verlassen nach fünf Jahren Kevelaer und die Basilikamusik. Was ist Ihnen in besonderer Erinnerung?

Martin Chrost Fünf Jahre ist eine lange Zeit, in der wir in Kevelaer jede Menge geschafft und erreicht haben. Wobei es eigentlich fast sechs Jahre waren, wenn man mein Freiwilliges Soziales Jahr in der Hauswirtschaft des Priesterhauses mitzählt. Bei all den vielen Ereignissen fällt es mir schwer, mich für ein besonderes Highlight zu entscheiden. Ich durfte große Liturgien miterleben und gestalten, große Projekte wie das Mozart-Requiem mit meinen Kollegen proben und organisieren, die Chorstrukturen der Basilikamusik und die Basilikamusikschule wachsen und sich verändern sehen. Vielen großen Musikern, besonders Organisten, in Konzerten begegnen und zuhören, Jubiläen mitfeiern und sehr tollen Kollegen und guten Musikern bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen. Aber auch Reibereien, Unstimmigkeiten und Streit habe ich erlebt. Unter all diesen Eindrücken sind unzählige Erlebnisse, die mir persönlich in Erinnerung bleiben werden, mich persönlich geprägt und mich in besonderer Weise auf mein Berufsleben vorbereitet haben.

Welche Aufgaben hatten sie speziell in Kevelaer?

Chrost Meine Aufgaben waren sehr vielfältig. Ich habe sehr viele Organistendienste übernommen und Urlaubsvertretungen gemacht. Orchesterproben oder Chorproben durfte ich häufig in den Ferienzeiten übernehmen. Im Büro habe ich den Freundes- und Förderkreis der Basilikamusik betreut, in der Organisation geholfen, angefangen die Marienlob-Zettel neu zu gestalten und viele andere Arbeiten, die im Laufe der Zeit anfielen. Glücklicherweise hatte ich immer wieder Gelegenheit, eigene Projekte wie Stabat Mater/Pergolesi, Gregorianikkurs, Carusos-Auszeichnung, Männer- und Frauenchorprojekte oder zuletzt das Singspiel Frederick durchführen zu dürfen, so dass ich neben meinem Studium in allen Bereichen der Kirchenmusik praktische Erfahrungen sammeln konnte.

Wie geht es für Sie nach der Zeit in Kevelaer weiter?

Chrost Ich habe zum 1. Juli 2015 eine Regionalkantorenstelle in Heidenheim an der Brenz im Bistum Rottenburg/Stuttgart angetreten. Bis zum August 2016 werde ich an der Hochschule für Musik und Tanz Köln studieren.

Während Ihrer Zeit wurde das neue Gotteslob eingeführt. Was gefällt Ihnen besonders gut, was ist anders?

Chrost Wir haben zur Einführung des neuen Gotteslobes viel unternommen, etwa Vortragsabend oder Offenes Singen, damit das Gebetbuch der Gemeinde zu eigen werden kann. Ich bin überzeugt davon, dass die Überarbeitung und Neuerung des Gotteslobes sich gelohnt hat und ein Gewinn für die Liturgie und die Gemeinden ist. Allerdings kann ich auch sagen, dass das Potenzial und die Möglichkeiten, mit dem neuen Gotteslob zu arbeiten, in Kevelaer noch lange nicht ausgeschöpft sind, aber durch die besonderen Aufgaben, die der Wallfahrtsbetrieb mit sich bringt, nicht immer durchgeführt werden können. Es werden sich also sicherlich auch in Zukunft immer wieder sehr gute und nicht so gute Neuheiten aufzeigen lassen.

Haben Sie ein Lieblingslied?

Chrost Die Frage nach einem Lieblingslied ist denke ich für jeden Musiker sehr schwierig, wenn nicht sogar nicht zu beantworten, auch wenn man es nur auf das Gotteslob beziehen würde. Die Musik ist so reichhaltig, vielfältig und abwechslungsreich, dass es einfach zu viele Schönheiten gibt, um sich auf nur ein Werk festzulegen. In der Kirchenmusik empfinde ich es zudem unter dem Einfluss von sehr persönlichen, oft mit dem Glauben verbundenen Emotionen und der Atmosphäre und der Kraft des Momentes nochmal schwieriger. Die Marienlieder, die in Kevelaer selbstverständlich immer zugegen sind, bringen eine Menge mit sich und werden selbst nach sehr häufigem Spielen und Interpretieren nicht langweilig, was nur für ihre Qualitäten sprechen kann.

Welche Musik hören Sie privat gerne?

Chrost Privat höre ich theoretisch so ziemlich alles an Musik, wenn ich denn dazu komme. Doch meist beschränkt es sich auf Klassische Musik. Ich höre überwiegend die Musik, die ich im Studium zur Zeit durchnehme und bearbeite.

Sie haben bereits sehr früh mit der Musik angefangen. Gibt es ein Instrument, das Sie noch reizt zu spielen, außer der Orgel?

Chrost Ich wäre froh, wenn ich die Instrumente voll beherrschen könnte, auf die ich im Studium und während meiner Arbeit treffe. Doch ist man wohl nie angekommen, und die Arbeit geht weiter. Dürfte ich die Frage unter Ausschluss meiner realistischen Zeit und des nötigen Aufwandes beantworten, würde ich mich wohl für das Violoncello entscheiden.

DIE FRAGEN STELLTE BIANCA MOKWA.

Quelle: RP
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