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Kevelaer
Achterhoek hat jetzt die Goldmedaille

Kevelaer: Achterhoek hat jetzt die Goldmedaille
Auf dem Dorfplatz wurde eine Winterlinde gepflanzt, Willi Gietmann zeigt die Medaille, die Achterhoek am Tag zuvor in Herongen bekommen hatte. FOTO: Seybert
Kevelaer. Fünf Jahre lang haben viele fleißige Hände auf diesen Moment hingearbeitet: Am Wochenende feierte der ganze Ort den Golderfolg auf Landesebene beim Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft". Bald geht es auf Bundesebene weiter. Von Matthias Riemen

Dass die Dorfgemeinschaft im kleinsten Kevelaerer Ortsteil zu ganz besonderen Dingen fähig ist, hat sie in den letzten Jahrzehnten mehrfach bewiesen, ob beim Kirchenbau im Jahr 1949 in Eigenleistung oder der Neugestaltung des Dorfplatzes vor zwei Jahren. Die Belohnung für dieses außerordentliche Engagement durfte Willi Gietmann gestern seinem Dorf bei einem Festakt nach dem Sonntagsgottesdienst präsentieren: Stolz hielt der Präsident der Bruderschaft St. Maria die goldene Plakette in den Händen: "Das ist ein historischer Tag für unser Achterhoek", sagte er.

Bereits am Samstag durfte Gietmann bei der Abschlussveranstaltung von "Unser Dorf hat Zukunft" in Herongen die Goldurkunde aus den Händen von Staatssekretär Horst Becker entgegennehmen - stellvertretend für 480 Achterhoeker und unter stürmischen Beifall der zahlreichen mitgereisten Dorfbewohner. Staatssekretär Horst Becker vom NRW-Umweltministerium bedankte sich: "Jedes einzelne Gewinnerdorf hat uns hervorragende Ideen präsentiert für die weitere Entwicklung des ländlichen Raums. Heute und zukünftig stehen die nachhaltige Entwicklung und ein koordiniertes bürgerschaftliches Engagement noch stärker als früher im Vordergrund."

Bürgermeister Dr. Dominik Pichler drückte den Erfolg in Zahlen aus: "Über 800 Dörfer aus ganz NRW haben am Wettbewerb teilgenommen, sieben davon haben Gold geholt. Damit zählt Achterhoek zum obersten Prozentpunkt." In der Schule sei dies eine "1plus". Mit Blick darauf, dass die Dorfbewohner im Vorfeld eher mit Bronze oder Silber gerechnet hatten und in Anspielung auf seinen Wahlsieg im September fügte Pichler schmunzelnd hinzu: "Es gibt schlimmeres, als überraschend etwas zu gewinnen."

Auch die stellvertretende Landrätin Hubertina Croonenbroek gehörte zu den Gratulanten und Festrednern und lobte die "zweifellos herausragenden Leistungen." Als Mitglied der Kreiskommission war sie bei der ersten Dorfbegehung 2011 mit dabei. "Ehrlich gesagt hatte ich damals keine allzu hohen Erwartungen an diesen Termin und habe Achterhoek immer nur mit der scharfen Kurve zwischen Winnekendonk und Kapellen verbunden." Doch schon vor vier Jahren war nicht nur Hubertina Croonenbroek begeistert von den vielen ehrenamtlichen Projekten, die die Dorfgemeinschaft auf die Beine stellt - und Achterhoek gewann den Kreiswettbewerb. Ein Triumph, der im letzten Jahr wiederholt werden konnte. "Das Gold auf Landesebene ist nun die verdiente Belohnung für eine tolle Entwicklung. Gehen Sie diesen Weg weiter." Und genau dies wird Achterhoek tun: Nach dem Festakt wurde auf dem Dorfplatz symbolisch eine Winterlinde gepflanzt. Im Anschluss wurde bei einem "Golddorf-Frühschoppen" in der Alten Schule weitergefeiert. Im dortigen Gemeinschaftsraum hängt bereits die brandneue Goldurkunde, unterschrieben von Umweltminister Johannes Remmel. "Die goldene Plakette wird auf dem Stein vor der St.-Josefs-Kapelle ihren Platz finden", meint Willi Gietmann.

Ortsvorsteher Hansgerd Kronenberg erinnerte sich im Schatten des Gotteshauses an das Jahr 2010 zurück: "Genau hier entstand die Idee, nicht nur den Dorfplatz zu erneuern, sondern ganz Achterhoek kräftig umzukrempeln. Eine Idee, die goldrichtig war."

Der Wettbewerb erfüllte seinen Zweck als Ansporn und mobilisierte alle Kräfte der 480-köpfigen Dorfgemeinschaft. Nur ein Beispiel für die vielen umgesetzten Projekte in der Bauernschaft: die "Bücherzelle". Eine ausgediente Telefonzelle wurde in ein begehbares Bücherregal umfunktioniert, das Literatur für Jung und Alt bereithält. Die Summe dieser kleinen Dinge war es, mit der die Landeskommission bei der 90-minütigen Begehung im August überzeugt werden konnte. Mit der Goldverleihung auf Landesebene hat sich Achterhoek für den deutschlandweiten Wettbewerb 2016 qualifiziert.

Die Bundesdelegation hat sich bereits für eine Ortsbegehung im Juni angekündigt. Dann kann Achterhoek mit zwei Kevelaerer Ortschaften gleichziehen: Twisteden (1998) und Winnekendonk (2001) holten Bundesgold. Für Gietmann und die vielen Ehrenamtler eine reizvolle Aussicht: "Doch jetzt wollen wir erst einmal durchatmen und diesen Erfolg genießen."

Quelle: RP
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