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Weeze
Airport: Lob und Kritik für Einschätzung des Steuerbundes

Weeze. Das Lob des Bundes der Steuerzahler (BdSt) für den Airport Weeze hat für viele Reaktionen gesorgt. Wie berichtet, hatte der Verband den Flughafen unter anderem als "wirtschaftlichen Musterknaben" bezeichnet.

Eine Aussage, die Karl Heinz Kandolf, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft gegen Fluglärm und Luftverschmutzung, sehr kritisiert. Er reibe sich verwundert die Augen, dass ausgerechnet der BdST, der sonst jede Steuerverschwendung anprangert, den Airport lobt. "Der Bund der Steuerzahler hält dabei selbst fest, dass der Airport noch 34 Millionen Euro Kredite an den Kreis Kleve zurückzahlen muss. Wo bleibt da die Wirtschaftlichkeit?", fragt er. Ganz vergessen werde dabei, dass der Airport nicht nur seine Kredite nicht zurückzahle, sondern selbst die fälligen Zinszahlungen seit 2011 nicht leisten könne. Als "Ersatz" erhält der Kreis Kleve dafür bisher Eigenanteile am Flughafen. Nicht unerwähnt bleiben soll nach Kandolf auch, dass die Stadtwerke Kevelaer seit Jahren über den Wasserpreis etwa 60.000 Euro jährlich für den Werkverkehr (Flughafenbus) der Firma Ryanair aufbringen müssen. "Musterknabe geht anders", so Kandolf in seiner Stellungnahme. Und weiter: "Welch Schalk, der sich bei all den positiven Nachrichten über den Flughafen denkt, dass hier gute Stimmung für die anstehende Änderung des Landesentwicklungsplanes gemacht werden soll."

Wie berichtet, ist Weeze nach wie vor im Luftverkehrskonzept des Landes nicht als landesbedeutsam eingestuft. Das kritisieren die Flughafengeschäftsführung ebenso wie Rat und Verwaltung von Weeze. Sie haben sich mit einer Resolution für eine Höherstufung stark gemacht. Auch der BdST würde das unterstützen.

Positiv sieht Bundesumweltministerin Barbara Hendricks die Einschätzung des BdSt: "Ich freue mich über die lobenden Worte des Bundes der Steuerzahler NRW über den Airport Weeze. Die Flughafengesellschaft zeigt, wie ein verantwortungsvolles Management funktioniert. Für die Zukunft ,unseres' Flughafens sehe ich großes Potenzial", meint die SPD-Frau aus Kleve.

Karl Renard von der KBV macht viele Fragezeichen an die Geschäftspraktiken des Airports. So fragt er sich, wie es sein kann, dass früher drei Millionen Passagiere nötig waren, um rote Zahlen zu vermeiden, der Flughafen jetzt aber mit 1,8 Millionen Passagieren zurechtkomme. Dass die Solaranlage an den Kreis verkauft wurde, habe für liquide Mittel gesorgt, die sonst fehlen würden. Mehrere Grundstücke seien an eine Flughafen-Tochter verkauft worden, die nun mit den Schulden dastehe . . . Renard glaubt, dass der Großteil der Jobs rund um den Airport auch ohne Flugbetrieb erhalten bleibe. "Flugaffin" sei ja keine Bedingung für die Ansiedlung von Betrieben mehr. Dass der Kreis vermutlich künftig stiller Teilhaber am Flughafen wird (Kredite stundet, ohne dafür Anteile zu bekommen), sei inakzeptabel.

(zel / nik)
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