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Kevelaer
Alte Kirchen erfüllt von schönen Klängen

Kevelaer: Alte Kirchen erfüllt von schönen Klängen
Kevelaer. Mit hochwertigen Veranstaltungsreihen werden Musikfreunde regelmäßig zu Besuchern in Gotteshäusern. Was die Organisatoren in Geldern, Kevelaer und Straelen auf die Beine stellen. Von Michael Klatt

Man muss kein Prophet sein, um zu sagen, dass Gelderns Pfarrkirche am 15. November ab 17 Uhr übervoll sein wird. Nicht nur wegen der 100 Chorsänger, den vier Solisten und dem 50-köpfigen Orchester. Stühle werden herangebracht werden müssen, um jedem der rund 800 Zuhörer einen Sitzplatz zu bieten bei der Aufführung des Verdi-Requiems.

Das große Chorkonzert im Spätherbst ist immer der Höhepunkt im Jahresreigen der Geistlichen Musik an St. Maria Magdalena. Vor 45 Jahren wurde diese Reihe gestartet. In Briefen an Gelderner Bürger warb der damalige Kantor Hans Feierabend um Unterstützung für den von ihm gegründeten Förderkreis Geistliche Musik - und bekam exakt eine Antwort. Entmutigen ließ sich Feierabend nicht. Heute ist die Geistliche Musik an St. Maria Magdalena eine Institution in Geldern, und der Förderkreis auf rund 240 Mitglieder gewachsen. "Dieser Verein ist für uns die finanzielle Stütze", sagt Dieter Lorenz, der seit 1986 Kantor der katholischen Kirchengemeinde ist. Nur durch dieses solide wirtschaftliche Fundament sei es möglich, hohe künstlerische Qualität zu erschwinglichen Eintrittspreisen zu bieten.

Gutes Niveau reklamiert Lorenz nicht nur für die großen Chorkonzerte, sondern für alle Termine im Jahresverlauf. Sei es, dass Bläserensembles oder Mädchenchöre in die Herzogstadt kommen, sei es, dass der 52-Jährige für die Reihe "Orgel plus" diverse Duo-Partner holt. "Wir hatte da schon viele Instrumentenkombinationen, zuletzt Orgel und Klarinette." Lorenz ist gut vernetzt, so dass an musikalischen Gästen kein Mangel herrscht. "Die Künstler kommen gerne." Und das Gebotene wird mehr und mehr goutiert. Durchschnittlich 250 bis 300 Musikfreunde füllen die Kirchenbänke. Sie kommen auch von weit her - aus den Niederlanden, aus dem Ruhrgebiet und aus dem Münsterland.

Einen festen Platz für hochrangige Orgelkonzerte gibt es in Kevelaer seit 1983. Da führte der damalige Basilikaorganist Wolfgang Seifen die Internationalen Orgeltage ein. Jedes Jahr im März geben sich drei namhafte Virtuosen an den Tasten der Seifert-Orgel die Ehre. "Ich habe die Traditionstermine gerne übernommen", sagt Elmar Lehnen, der seit 2000 das Amt des Basilikaorganisten innehat.

Zu diesen Terminen zählen nicht nur die Orgeltage. Das prächtige Instrument erklingt beispielsweise zum Anfang und Ende der Wallfahrtsaison am 1. Mai und 1. November, zu Marienfesten, zum Patrozinium der Kerzenkapelle und am Pfingstmontag. "Wir haben ein Stammpublikum, das von außerhalb nach Kevelaer reist", berichtet Lehnen. "Bei bekannten Musikern sind mehr da." Beliebt bei den Kevelaerern selber ist die Basilikastunde, die 2014 zum 150-jährigen Bestehen des Gotteshauses eingeführt wurde. Die Besetzung für die Orgeltage im März 2016 steht schon. Neben Organisten aus Paris und Zagreb bietet das "Duo con fuoco" Orgelbearbeitungen zu vier Händen.

In Straelen hat der Internationale Orgelherbst vor wenigen Tagen seine 17. Auflage erlebt. Die besondere Qualität des Klangraumes in der Pfarrkirche St. Peter und Paul mit der wunderschönen Orgel bringt laut Kantor und Initiator Otto M. Krämer zwangsläufig die Idee mit sich, auch anderen, hervorragenden Künstlern aus dem In- und Ausland die Gelegenheit zu geben, das Instrument vorzuführen. Ein solches Unternehmen sei ohne die Hilfe ehrenamtlicher Menschen aus der Gemeinde nicht zu stemmen. Daher gründete sich 1998 auf Krämers Initiative hin die Fördergesellschaft "Geistliche Musik an St. Peter und Paul" ("als Förderkreis").

Die Qualität war von Anfang an ein wichtiges Kriterium zur Auswahl der Künstler. Krämer: "Wir bekommen zurzeit pro Woche etwa zwei auswärtige Anfragen. Heute sind wir - auch wegen des Sponsorings von Bofrost - in der Lage, auch die ,berühmten' Vertreter der Orgelszene einladen zu können." Die Resonanz bezeichnet Krämer als gut. "Es handelt sich ja um ein Solo-Konzert im großen Raum, bis zu 140 Besucher sind schon gekommen. Der Durchschnitt liegt etwa bei 85 Zuhörern." Neben dem Orgelherbst werden durch Sponsoring festliche Chorkonzerte und weitere Kammermusiken erst möglich.

Quelle: RP
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