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Kevelaer
"Attacke" bläst zum Rathaussturm

Kevelaer: "Attacke" bläst zum Rathaussturm
Der Zopf blieb dran, die Krawatte nicht. Auch den Rathausschlüssel musste er abgeben. Kevelaers Bürgermeister Dominik Pichler mit "Attacke" Karin Raimondi, die stellvertretend für die Möhnen den Schlüssen an sich nahm. FOTO: Seybert
Kevelaer. Schlüsselträger ist in diesem Jahr eine Frau: Karnevalsgranate und Trompeterin Karin Raimondi. Neu war auch derjenige, dessen Schlüssel entwendet wurde. Es war der erste Rathaussturm für Dominik Pichler als "Hausherr". Von Bianca Mokwa

In diesem Jahr war beim Kevelaerer Rathaussturm alles ein bisschen anders. Gestürmt wurde aus Platzmangel nicht das Rathaus, sondern das Bühnenhaus. Erstmals musste sich Dominik Pichler als neuer Bürgermeister Kevelaers den Schlüssel aus der Hand reißen lassen. Seine erste Reaktion auf die alte Tradition des Vereins zur Förderung des Rosenmontagszuges (VFR): "Nö."

Kaum den Schlüssel für das Rathaus bekommen, wolle er ihn nicht direkt wieder hergeben, sagte der bekennende Nicht-Karnevalist mit einem Augenzwinkern. Den Damen gab er noch einen zarten Hinweis. "An alle Möhnen, die ihr schneiden wollt, die Krawatte ist vorne, nicht hinten", sagte der erste Mann der Stadt und gab somit Schneideverbot für seinen Zopf. Die Krawatte dagegen war offensichtlich schon mancher Trophäenjägerin zum Opfer gefallen. Ganz konnte sich Pichler dem karnevalistischem Zauber und der Tradition dann doch nicht entziehen. Er knüpfte an die Person des Schlüsselträgers allerdings Bedingungen. "Nicht an einen Mann, an einen CDU-Mann schon gar nicht", sagte er mit schelmischem Lächeln. Letztendlich fiel es ihm gar nicht schwer, den Schlüssel aus der Hand zu geben. Die erste von Pichlers gestellten Bedingungen wurde prompt erfüllt. "Der neue Schlüsselträger ist weiblich", verriet VFR-Präsident Willi Holtappels. Die anwesenden Möhnen nahmen das mit lautem Jubel zur Kenntnis. Die Schlüsselträgerin drückte es später in ihrer kleinen Rede so aus: "Der Schlüssel gehört dem zarten Geschlecht, endlich, nach vielen Jahren ist es nur recht."

Die Stimmung im Bühnenhaus war prächtig. FOTO: Seybert, Gerhard (seyb)

Weitere Hinweise wie "schon lange im Karneval aktiv", "lebt in Twisteden" und "bekam im Düsseldorfer Landtag den großen NRW-Verdienstorden für Brauchtumspflege im Karneval", ließen bald keinen Zweifel mehr, um wen es sich handelte. Nach vorne gerufen wurde Karin Raimondi. Das erste war der bewährte Griff zur Trompete, ein Trompetenton erscholl, und das Publikum antwortete reflexartig mit "Attacke". Unter dem Spitznamen hat sie sich einen Namen in der Karnevalsszene gemacht, nicht nur regional, sondern, wie Holtappels in seiner Rede andeutet, weltweit. "Auf Korfu, Mallorca und Mexiko brachte sie die Leute in Stimmung." Berühmt ist sie dafür, bei ihren Auftritten kleine Geschenke zu verteilen: Raimondi-Buttons.

Raimondi selbst schlug in ihrer Rede auch nachdenkliche Töne an. "Manch einer fand mich gar nicht toll, hoffte, ich hätte bald die Nase voll", dichtete die frisch gekürte Schlüsselträgerin. Ihr Kämpferwille wurde belohnt, mit dem Schlüssel und mit einem Lied. Monika Voss, "die Stimme Kevelaers", dichtete die Kölsche Karnevalshymne "Wenn et Trömmelche jeht" kurzerhand um in "Denn bei Attacke mit de Trööt, da steh'n wir all' parat". Raimondi hielt dabei den Schlüssel fest in der Hand. Und der Bürgermeister, der hatte sich dank Karnevelsorden des VFR und Button von Karin Raimondi auch ein kleines bisschen in einen Karnevalisten verwandelt. Vom Kevelaerer Kinderprinzenpaar Anne I. (Aretz) und Luis I. (Janßen) gab es noch einen Anstecker obendrauf. "Wir wünschen euch eine schöne Karnevalszeit, seid allzeit zum Lachen bereit", forderte der närrische Nachwuchs seine Untertanen auf. Mit Musik und Tanz wurde der quirlige Teil des Altweibervormittags angestoßen. Unter frenetischem Applaus zeigten die VFR-Mädels im Matrosenoutfit wagemutige Hebefiguren und läuteten die Phase des kurzweiligen Feierns ein. Dafür ein dreifaches: Kevelaer Helau!

Quelle: RP
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