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Kevelaer
Auch die Bäume kämpfen in diesen Tagen gegen die Hitze

Kevelaer: Auch die Bäume kämpfen in diesen Tagen gegen die Hitze
Der Wald braucht derzeit Wasser ebenso dringend wie der Mensch. FOTO: Gottfried Evers
Kevelaer. Die hohen Temperaturen bedeuten Stress für den Wald. Naturschützer befürchten, dass die Trockenheit zu Schädlingsplagen führt. Von Peter Janssen

Die Warnungen gehören zu jedem guten Sommer: die Waldbrandgefahr sei gestiegen, offenes Feuer und Rauchen verboten. Jetzt hat der Deutsche Wetterdienst die Wälder im Kreis Kleve in die Kategorie 4, hohe Waldbrandgefahr, eingestuft. Danach kommt nur noch die Höchstmarke 5, sehr hohe Gefahr. Ein Funken könnte reichen, und der Reichswald steht in Flammen.

Doch ist es nicht allein die Brandgefahr, die Sorge bereitet. Denn die Bäume leiden unter der Hitzewelle ebenso wie der Mensch. Eine andauernde Periode mit Temperaturen bis an die 40 Grad schadet dem Forst auf unterschiedliche Weise. "Die Hitze ist Stress pur für den Wald", sagt Revierförster Joachim Böhmer.

Die aktuelle Situation wird durch den niedrigen Grundwasserspiegel im Reichswald noch verstärkt. Besonders die Fichte, die zu den Flachwurzlern gehört, ist von der Trockenheit betroffen. "Hinzu kommt, dass die Böden hier generell nur wenig Wasser halten können. Die sind derzeit staubtrocken", sagt Böhmer. Die größten Sorgen macht sich der Förster um die im Herbst und Frühjahr gepflanzten Jungbäume. Mit Buchen, Eichen und Douglasien wurde der Wald aufgeforstet. "Wenn die nicht schnell Wasser bekommen, müssen wir mit Ausfällen rechnen und diese wieder nachpflanzen", so Böhmer. Bäume, die bereits vorgeschädigt sind, kämpfen derzeit ums Überleben. Er vergleicht das mit dem Menschen: "Wenn wir zu wenig trinken, erhöhen wir auch das Risiko, krank zu werden." Bei andauernder Trockenheit werden die Bäume ihre Blattmasse durch Notabwürfe verringern, damit die Verdunstungsfläche abnimmt. Jetzt werden im Reichswald Jungpflanzen gewässert.

Für Albert Wotke, Naturschutz-Referent beim WWF Deutschland, kann eine andauernde Trockenheit den Wald existenziell gefährden. "Die Monate Mai und Juni waren bereits zu trocken. Die Bedrohung durch Schädlinge steigt dadurch", sagt der Referent. Grund dafür ist, dass der Wassermangel das Immunsystem der Bäume schwächt. Das wichtigste Mittel, Schädlinge abzuwehren, sei die Harzproduktion der Gewächse, die jedoch von einer ausreichenden Versorgung mit Wasser abhängig sei. Die Bäume sind dadurch für Schädlinge ein gefundenes Fressen. Wotke betont, dass Trockenphasen in kühleren Jahreszeiten für den Wald besser zu verkraften seien als etwa bei extremen Hitzephasen. "Die Verdunstungsrate ist im Sommer eben wesentlich höher."

Quelle: RP
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