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Kevelaer
Besitzer ortet geklauten Wagen in Polen

Kevelaer: Besitzer ortet geklauten Wagen in Polen
Dienstag traf der Wagen aus Polen wieder am Niederrhein ein. Auf der Grafik unten ist der vermutliche Weg des Autos zu sehen. FOTO: Latzel
Kevelaer. Autodiebe stehlen den Audi Q7 von Roland Gendritzki in Twisteden. Mit moderner Technik gelingt es ihm, den Standort des Wagens festzustellen. Dank seiner Hinweise stellt die Staatsanwaltschaft das Fahrzeug sicher. Von Sebastian Latzel

Als Roland Gendritzki am Altweibermorgen in sein Auto steigen wollte, erlebte er eine wenig närrische Überraschung. Sein Audi Q7, den er vor der Garage an der Eichenstraße geparkt hatte, war verschwunden. Der 56-Jährige rief sofort die Polizei, 30 Minuten später waren die Beamten dann auch vor Ort. So richtig begeistert war Gendritzki von den Ermittlungen der Polizisten nicht. "Die haben sich nicht groß umgeschaut, ein Beamter hat sich meine Angaben notiert, als ich eine Kopie wollte, hieß es nur: Ich habe das Formular nicht dabei", berichtet der 56-Jährige. Da er aber zumindest etwas für die Versicherung brauchte, hakte er nach und bekam immerhin ein Aktenzeichen. Die Beamten rückten ab. "Danach habe ich nichts mehr gehört."

Statt dessen meldete sich am Freitagabend eine App, die der Geschäftsführer der Topfpflanzen-Agentur aus Straelen auf seinem Handy installiert hat. In seinem Wagen ist nämlich das Sicherheitssystem Audi Connect installiert, über das per Handy die Parkposition bestimmt werden kann. Und am Freitagabend bekam der 56-Jährige die Daten glasklar auf sein Smartphone gespielt. Der Wagen stand in Polen, 1000 Kilometer entfernt in der Stadt Koldawa, sogar die Straße wurde angezeigt.

Die Autodiebe hatten die komplette Steuertechnik aus dem Heck herausgerissen und entwendet. FOTO: Latzel

Umgehend habe er bei der Polizei angerufen. Dort habe er allerdings nur die Auskunft bekommen: Es sei Freitagabend, was man jetzt mit der Information machen solle? Ohnehin sei das ein Fall für die Bundespolizei. Also rief der 56-Jährige da an und wurde weiter verwiesen an das Zentrum für deutsch-polnische Zusammenarbeit. Gendritzki ließ nicht locker. Er rief jetzt auch dort an und traf auf einen überraschten Beamten, der wissen wollte, woher der Twistedener denn die Nummer habe. Eigentlich gebe man keine Auskünfte an Privatleute, hieß es. Doch der Beamte sagte zu, sich mit den Kollegen in Polen in Verbindung zu setzen. Man wolle direkt eine Streife rausschicken.

Gegen 22 Uhr kam dann tatsächlich der Anruf: Wir haben Ihr Auto gefunden und sichergestellt. Gendritzki bedankte sich und rief noch bei der Polizei an und teilte mit, dass das Auto aus der Fahndung genommen werden könne. Dienstag habe er dann einen Anruf der Kripo bekommen: "Wir haben ihr Auto gefunden." Gendritzki traute seinen Ohren nicht und sagte: "Nein, nicht Sie haben das Auto gefunden, das waren die polnischen Kollegen dank meiner Hinweise." Jetzt fragte der Kriminalpolizist auch nach einer möglichen Videoaufzeichnung, nach Glassplittern vom Diebstahl. "Diese Fragen hätte ich eigentlich schon von den ersten Beamten erwartet", sagt der 56-Jährige.

Mit einer App auf seinem Smartphone konnte Roland Gendritzki den Wagen orten, sogar der Straßenname wurde angezeigt. FOTO: Latzel

Inzwischen hat er seinen Wagen tatsächlich zurück. Allerdings mit Hindernissen. Die Staatsanwaltschaft in Polen stellte das Auto sicher und gab es am 15. März für die Rückführung frei. Es dauerte dann aber doch bis Dienstag, dass der Wagen tatsächlich am Niederrhein eintraf. Beim Autohaus Minrath in Geldern wird das Fahrzeug jetzt komplett durchgecheckt. Innen haben die Täter sämtliche Steuerungstechnik herausgerissen, Beulen scheint der Wagen nicht zu haben. Wie hoch genau der Schaden ist, soll ein Gutachter klären.

Dass gestohlene Autos wieder auftauchen, sei relativ selten, meint Marcel Lindemans vom Autohaus Minrath. Dass Autos ein beliebtes Ziel von Dieben sind, ist direkt neben dem Q7 von Roland Gendritzki zu sehen. Dort steht ein auf Pflastersteinen aufgebockter Wagen. Am Wochenende stahlen Unbekannte die kompletten Räder vom Hof des Autohauses. "Das ist kein Einzelfall", sagt Lindemann.

Den ganzen Vorfall rund um seinen Wagen fand Roland Gendritzki spannend, fast wie im Krimi. "Ich bin schon ein bisschen stolz und unheimlich happy", sagt er. Enttäuscht ist er dagegen von der Unterstützung der Behörden. Von der Polizei hätte er sich mehr Einsatz erhofft.

Der mutmaßliche Autodieb wurde übrigens festgenommen. Es handelt sich um einen 50-jährigen Polen.

Quelle: RP
 
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