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Kevelaer
Besonderes Klangbild in Basilika

Kevelaer. Clara Blessing ist mit 24 Jahren bereits eine erfolgreiche Oboistin und Interpretin im Bereich der historischen Aufführungspraxis. Als erste Oboistin war sie Preisträgerin des internationalen Telemann-Wettbewerbs, und sie spielt unter anderem in renommierten Ensembles wie dem Orchestra of the Age of Enlightenment und bei L'arte del mondo. Mit ihrer Mutter Ute Gremmel-Geuchen, die seit dem Jahre 2000 Organistin an der 1752 von Ludwig König erbauten barocken Orgel der Paterskirche zu Kempen und künstlerische Leiterin der "König-Orgelkonzerte" ist, musiziert sie regelmäßig. Im Rahmen der Orgelkonzerte gastierten beide in der Marienbasilika in einem facettenreichen Programm mit Werken von Krebs, Alain, Franck, Bovet und Noyon. Von Udo Spelleken

Die Kombination Barockoboe und Orgel stellte dabei ein besonderes Klangbild dar, wobei das kammermusikalische Miteinander zwischen den beiden Instrumenten besonders reizvoll war und eine stilistische Bandbreite offenbarte. Mit Fantasien von Johann Ludwig Krebs eröffneten die Musikerinnen ihr Konzert. Die Werke des Meisters der "alt-bachschen" Polyphonie klangen kantabel mit starken Neigungen zum Empfindsamen und Sturm und Drang-Stil. Die Partituren stellten teilweise erhebliche technische Ansprüche an die Interpreten und zeigten mit einer ungemein lichten, aufgefächerten Klangprofilierung zarte und fragile Flötenstimmen zusammen mit der Oboe, wie aus einem "Guss".

Dass Jehan Alain heute eine vergleichsweise große Bekanntheit genießt, liegt vor allem an den Orgelkompositionen, die einen breiten Raum in seiner Arbeit einnehmen. Die solistisch vorgetragenen "Variations sur un théme de Clément Jannequin" entwickelten das von dem französischen Renaissance-Komponisten stammende Thema mit großer Sorgfalt und im Bewusstsein für die unterschiedlichen Einflüsse, aus denen Alain seine Inspirationen schöpfte. In den "Hängenden Gärten" ("Les jardins suspendu") ließ Gremmel-Geuchen sich auf die atmosphärische Tiefe des Werks ein, gab der bei Alain so wichtigen Stille Raum. In der komplizierten Rhythmik der großartigen, spannungsgeladenen "Litanies" demonstrierte sie die breite Farbpalette in den Registern der Seifert-Orgel.

Die Oboistin Clara Blessing nutzte in der fragmentarisch, orientalisch anmutenden Kirchen-Sonate des zeitgenössischen schweizerischen Komponisten Guy Bovet die reizvollen Echowirkungen. Sie spielte die Oboe spielerisch verschmitzt in den drei Sätzen des "Concertino" des Franzosen Joseph Noyon, in dessen Verlauf immer wieder "Le coucou" zu hören war.

Quelle: RP
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