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Kevelaer
Bittere Krankheit wird zur Kunst

Kevelaer: Bittere Krankheit wird zur Kunst
Die Besucher lassen Bildnisse auf sich wirken - ausdrucksstarke Skulpturen und tiefgründige Fotografien. FOTO: Markus van Offern
Kevelaer. Die Ausstellung "Wege ins Vergessen" rührt, verblüfft, macht nachdenklich und zieht tief hinein in das Thema "Demenz". 13 Künstler haben Erfahrungen und Gedanken in Bilder, Skulpturen und Installationen umgesetzt. Von Anke Kirking

Sich mit einer Krankheit auseinander zu setzen, die Menschen fast alles vergessen lässt, ist schwierig und meist ein trauriger und schmerzhafter Prozess. Doch wer einen demenzkranken Angehörigen hat, der ist oft auch froh, wenn diese Krankheit in der Öffentlichkeit einen Platz findet. Im Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer hat sie nun einen ganz besonderen Platz gefunden.

Mit der Ausstellung "Wege ins Vergessen" setzen sich 13 Künstler mit dem Thema auseinander. Zur Eröffnung waren viele Ehrengäste angereist. Wie der Schirmherr Weihbischof Wilfried Theising, der in seiner Begrüßungsrede sehr persönliche Worte sprach. Denn seine Mutter erkrankte an Demenz, und so waren seine ganz eigenen Erfahrungen als Angehöriger für alle Besucher sehr wertvoll und anrührend. Was für ihn persönlich eine besonders wichtige Erfahrung war, ist, dass Menschen mit Beginn ihrer Krankheit auf keinen Fall ihre Würde verlieren dürfen.

Kevelaers Bürgermeister Dominik Pichler erinnerte sich in seiner Begrüßungsrede an seine Zeit als Zivildienstleistender. Damals hatte er zum ersten Mal Kontakt zu einem demenzkranken Patienten.

Auch Dr. Burkhard Schwering als Leiter des Museums fand einen ganz eigenen Zugang zu diesem Thema. Das Buch "Im Leben bleiben - unterwegs zu demenzfreundlichen Kommunen" legte er den Gästen sehr ans Herz. Als letzte Rednerin kam Annette Kipnowski ans Pult. Sie ist nicht nur eine der beteiligten Künstlerinnen, sondern wie fast alle anderen in der Ausstellung Vertretenen auch selber betroffen. Ihr Vater erkrankte an Demenz, und ihre Erfahrung und den Krankheitsweg des Vaters verarbeitete sie auch in einem Triptychon. Für sie war aber nicht nur das persönliche Verarbeiten der eigenen Erlebnisse wichtig und ausschlaggebend für "Wege ins Vergessen". Annette Kipnowski findet es wichtig, dass durch die unterschiedlichen Herangehensweisen an dieses schwierige Thema, sei es nun durch ein Buch oder auch einen Kinofilm, die Krankheit aus der Tabuzone kommt. Denn Demenz ist eine Volkskrankheit, die es zu Enttabuisieren gilt, so ihre Überzeugung. Auch, wenn der Prozess der Demenzerkrankung oft ähnlich verläuft, so ist es doch trotzdem ein sehr individueller Verlauf für jeden Betroffenen.

Das konnten die Gäste, unter denen sich auch Bundesministerin Barbara Hendricks befand, dann anhand der unterschiedlichsten Exponate sehen. Kurt Dziubek zeigt analoge Fotografie, zum Beispiel Bilder aus Immerath. Die Häuser dort sind verlassen, da die Stadt bald dem Braunkohletageabbau zu Opfer fällt. Ganz andere Eindrücke liefert Horst Becker mit der Installation "Oma ist spazieren": Da sieht man wie Toastbrotscheiben an einer Wäscheleine hängen. Die Ausstellung "Wege ins Vergessen" verblüfft und zieht den Betrachter tief in das Thema hinein.

Wer sich noch tiefer mit dem Thema Demenz befassen möchte, der ist eingeladen, am Freitag, 15. Januar, um 16 Uhr zu dem Vortrag "Was ist Demenz" mit dem Mediziner Professor Hans Georg Nehen zu kommen. Am Freitag, 29. Januar, gibt es um 16 Uhr den Vortrag "Humor in der Demenz" von Rolf Hirsch.

Das Niederrheinische Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer, Hauptstraße 18, ist täglich außer montags von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen gibt es unter Telefon 02832 954120 und auf der Seite www.niederrheinisches-museum-kevelaer.de.

Quelle: RP
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